Baden
Festival hinterfragt Geschlechterklischees im Kulturschaffen

Bühnenkünstlerin Roxane Kalt ruft das Festival «Frauen in die Werkstatt!» ins Leben – es findet in Baden statt.

Ursula Burgherr
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Roxane Kalt: «Uns wird oft attestiert, dass wir zickig sind. Dieses Vorurteil stimmt nicht.»

Roxane Kalt: «Uns wird oft attestiert, dass wir zickig sind. Dieses Vorurteil stimmt nicht.»

Ursula Burgherr

«Festgefahrene Rollenbilder der Frauen herrschen in der Kunst- und Theaterwelt noch vor, und sie sind benachteiligt», findet Roxane Kalt. Die Absolventin der Accademia Teatro Dimitri hat sich auf Bewegungstheater und Clownerie spezialisiert. «Auch in meinem Genre werden Frauen anders und vor allem viel mehr nach dem Aussehen taxiert als die männlichen Kollegen», meint die Zürcherin mit Aargauer Wurzeln. Dagegen will sie in ihrem Festival «Frauen in die Werkstatt!» angehen, das bis zum 19. September 2021 im Demuth-Areal und der Galerie anixis in Baden über die Bühne geht. Die erste Woche ist für ein choreografisches Labor mit Berufstänzerinnen reserviert (öffentliches Showing am 15.9., 17 Uhr, anixis). Danach finden an beiden Orten Publikums-Vorstellungen statt, die eine riesige Bandbreite von weiblichem Kulturschaffen ohne Geschlechterklischees zeigen.

Seit anderthalb Jahren entwickelt Roxane Kalt den Event im Alleingang. Baden hat sie als Austragungsort gewählt, weil sie die Stadt als extrem offen für neue Impulse empfindet. Im Demuth-Areal trat sie schon an einem Anlass von Berufskollegin Simona Hofmann auf. Und wurde von einem Kran für ihre Performance am Luftring heraufgezogen. Sie ist eine der Letzten, die den maroden Charme des Gebäudes noch nutzt, bevor es abgebrochen wird und einem Wohnkomplex Platz macht. «Frauen sind lustig, kreativ, innovativ. Und das soll ein breites Publikum zu sehen bekommen», meint Roxane Kalt. Für ihr Festival konnte sie bekannte Namen wie Anet Corti verpflichten. Die Kabarettistin und Komödiantin, die normalerweise die ganz grossen Schweizer Bühnen bespielt, tritt am 16.9., 20 Uhr, im Demuth-Areal vor höchstens 30 Menschen auf. Und nimmt das rastlose Streben nach Perfektion in ihrem Programm «Optimum» mit Wortwitz, Slapstick und Brain-Scanning ins Visier.

Festival: Nicht nur ein passiver Genuss

Am 17.9, 20 Uhr, gibt Naomi Lareine, SRF-Best-Talent 2020, ein exklusives Akustik-Konzert im kleinen und intimen Rahmen. Am Samstag, 18.9., 20 Uhr, veranstaltet Kalt mit Schauspielerin Maria Rebecca Sautter und den Akrobatinnen Tina und Julia Gut ein Varieté ganz besonderer Art. Die vier Künstlerinnen kreieren am Vorstellungstag spontan eine zirzensische Show zum Thema Frausein, die sie am selben Abend vor Publikum zeigen. «Uns wird oft attestiert, dass wir zickig sind. Ich will zeigen, dass dieses Vorurteil nicht stimmt und wir innert Kürze gemeinsam etwas auf die Beine stellen können», sagt Kalt dazu und ist selber gespannt auf das Abenteuer.

Das Festival «Frauen in die Werkstatt!» soll aber nicht nur ein passiver Genuss sein. Zuschauerinnen und Zuschauer werden aktiv mitinvolviert und können sich selber in den Disziplinen der verschiedenen Kunstschaffenden ausprobieren. Am Mittwoch, 15.9., findet im Demuth Areal von 13.30 bis 16.30 Uhr ein Djane-Workshop mit Vollprofi Julie statt. Sie bringt jungen Frauen zwischen 11 und 21 die Grundlagen des Mixens bei. Am 18.9., zwischen 10 und 12 Uhr, haben Interessierte die Möglichkeit, sich in den Räumlichkeiten der Galerie anixis von Profis in Stimm-, Atem- und Luftakrobatik sowie Clownerie unterrichten zu lassen. Der letzte Workshop am 19.9., 14 bis 16 Uhr ist dem Blumenkranz stecken gewidmet und wird mit einem Grillplausch beendet. Plätze können auf www.frauenindiewerkstatt.ch reserviert werden, wo auch die Tickets für die Bühnenevents erhältlich sind.

Während des ganzen Festivals gibt es eine Werkstattbar, an der sich Kunstschaffende und Publikum spontan austauschen können. Diese Begegnungen sind für Kalt extrem wichtig: «Ich suche mit meiner Kunst immer die Nähe zu den Menschen.»

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