Baden
«2G+ schreckt viele Gäste ab»: Wie Badener Clubs und Bars durch die sonst umsatzstarke Winterzeit kommen

Clubs, Bars und Konzertlokale hatten es nicht einfach in den vergangenen zwei Jahren. Vom Spätherbst bis im Frühling ist normalerweise Hochbetrieb. Seit Dezember 2021 sind nun aber 2G und 2G+ angesagt. Wir haben bei Badener Clubs und Bars nachgefragt.

Hans-Caspar Kellenberger
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Party im Badener Club Löschwasserbecken (2018).

Party im Badener Club Löschwasserbecken (2018).

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Im Juli 2021 schloss der Badener Club Gate54 seine Tore für immer, nachdem er erst drei Jahre zuvor eröffnet wurde. Das Nachtleben, insbesondere wenn es dabei um Tanzlokale oder Konzertveranstalter geht, macht seit rund zwei Jahren eine schwere Zeit durch. Die coronabedingten Schliessungen im März 2020 und dann erneut im November desselben Jahres führten zu grossen Umsatzeinbussen bei den Kulturlokalen.

Seit dem 20. Dezember 2021 gelten die vom Bundesrat eingeführten 2G- und 2G+-Regeln als Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Und das zu einer Zeit, in der Clubs normalerweise Hochbetrieb haben. Viele Lokale generieren in den Wintermonaten und zum Jahreswechsel den höchsten Umsatz des Jahres.

Das «Royal» informiert auf seiner Website über die Schliessung.

Das «Royal» informiert auf seiner Website über die Schliessung.

Screenshot: royalbaden.ch

Die Badener Clubs reagierten unterschiedlich auf die neuen Massnahmen: Beim Kulturhaus Royal an der Bahnhofstrasse, wo sonst zu dieser Zeit zahlreiche Kulturanlässe und Partys stattfinden, herrscht heuer Stille. Auf der Website schreiben die Betreiber, dass das Royal voraussichtlich bis zum 24. Januar geschlossen bleibt. Auch das «One Of A Million Musikfestival Baden», das ab dem 28. Januar hier stattgefunden hätte, ist bereits abgesagt. Geplant wird erst wieder ab Februar. Unter anderem soll dort am 24. der bekannte Schweizer Künstler Stereo Luchs auftreten, dessen Konzert zuvor verschoben wurde. Einlass gibt es nur mit 2G+.

Motto: «Klein, aber fein»

Das Kulturlokal Werkk an der Schmiedstrasse führt unterdessen weiterhin Anlässe durch. Es schreibt auf seiner Website: «Wir entscheiden situativ und je nach Veranstaltungsart, ob diese als 2G- oder 2G+-Anlass durchgeführt wird.» Gesagt, getan, doch die Betreiber spüren die neuen Massnahmen: «Der November lief noch sehr gut, wir konnten fast alle Anlässe durchführen. Im Dezember gingen die Besucherzahlen dann zurück», sagt Patricia Itel, Betriebsleiterin des «Werkk».

Trotzdem seien nicht so wenige Besucherinnen und Besucher vorbeigekommen wie erwartet. «Wir haben ein eher jüngeres Zielpublikum im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, das sich relativ schnell neuen Begebenheiten anpasst», meint Itel. Auf eine Silvesterparty habe man aber bewusst verzichtet, da grosse Partys momentan kein Thema seien. «Das planen wir aktuell auch so weiter, also Konzerte und kleinere Events, wo wir die Schutzmassnahmen einhalten können», so die Betriebsleiterin.

Im Dezember gingen im Kulturlokal Werkk die Besucherzahlen zurück.

Im Dezember gingen im Kulturlokal Werkk die Besucherzahlen zurück.

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Wie es mit der 2G- und der 2G+-Regel laufe, sei noch immer schwierig abzuschätzen, da man nicht wisse, wie viele Menschen unter anderen Voraussetzungen das Lokal besucht hätten. «2G+-Anlässe funktionieren eigentlich gut, die Menschen sind es sich gewohnt», sagt Itel. Den Saal voll füllen lassen würden die Betreiber aber gegenwärtig nicht. Natürlich brauche es dazu beim Einlass zum Lokal mehr Zeit wegen der Kontrolle des Zertifikats. Die Besucherinnen und Besucher nähmen dies aber gelassen. Denn, so Itel:

«Die Menschen sind froh, dass man noch ausgehen kann und die Künstler schätzen es, dass sie noch auftreten können.»

Auch andere Badener Clubs, zum Beispiel der «Club Joy» im Grand Casino, haben ihre Tore weiterhin geöffnet, sich mit der Situation arrangiert. So auch das «Nordportal», welches auf einer Website «feiern wie vor Corona» anpreist, natürlich unter Anwendung der 2G+-Regel für Gäste. Das «Löschwasserbecken» hat gar ein eigenes Testcenter eingeführt. Auch der 2018 eröffnete «Cordula Club» führte Veranstaltungen durch. Gelohnt hat sich dies gemäss Betreiber Abdel Chariak aber nicht. Es laufe gegenwärtig sehr schlecht. Er sagt:

«2G+ schreckt viele Gäste ab, wir versuchen aber das Beste daraus zu machen.»

Im Moment kämen kaum einmal 50 Partygäste an einen Anlass im Club, in den nicht mehr als 100 Besucherinnen und Besucher rein dürfen. «Der Aufwand ist der Gleiche, mit viel weniger Gästen», so Chariak, der auch Betreiber der Badener «Nouba Lounge» ist.

Weniger Gäste bei gleichbleibendem Aufwand im Badener «Cordula Club».

Weniger Gäste bei gleichbleibendem Aufwand im Badener «Cordula Club».

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Zukünftig überlegen sich wohl einige Clubs, trotz guten Mutes und kreativer Einfälle, die Wintersaison auf den Sommer zu verlegen, wo sie normalerweise geschlossen haben. «Wir befassen uns aktuell mit der Thematik», sagt «Werkk»-Leiterin Particia Itel. «Uns ist es aber wichtig, dass wir auch in der gegenwärtigen Situation im Winter ein kulturelles Angebot bieten können – für die Besucher und für unsere Mitarbeiter», so Itel.

Barbetreiber mit gemischten Gefühlen

Auch für die Badener Bars ist es eine schwierige Zeit. Hier scheint jedoch nicht nur der Besucherrückgang, sondern auch die Omikron-Variante ein Problem zu werden: Die «Walter Bar» zum Beispiel meldete am 11. Januar auf Facebook, dass sie – aufgrund massiver Personalprobleme – die Öffnungszeiten verkürzen musste. An mehreren Werktagen bleibt sie ganz geschlossen. Bei der Trendbar Mojo Lounge heisst es auf Anfrage, dass seit der Einführung von 2G und 2G+ zwar weniger Gäste kommen, es sei aber nicht so schlimm, wie ursprünglich angenommen.

Hier im «Mr. Pickwick Pub» gilt die 2G-Regel.

Hier im «Mr. Pickwick Pub» gilt die 2G-Regel.

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Ryan Sanders, Betreiber des «Mr. Pickwick Pub» am Löwenplatz, sagt: «Im November und Dezember lief es sehr gut.» Im Pub gilt seit dem 20. Dezember die 2G-Regel. «Im Januar läuft es weniger gut, hier hat aber der ‹Dry January› wohl mehr Einfluss als die neuen Massnahmen», so Sanders.

Ganz anders hört es sich auf Anfrage bei der «Unvermeidbar» in der Rathausgasse, die zum Teatro Palino gehört, an. «Es hat massiv weniger Menschen in der Bar», sagt die Verantwortliche für Gastronomie Surya Häne. Auch die «Unvermeidbar» erlebt im Spätherbst und Winter normalerweise die umsatzstärkste Zeit. Die Ursache dafür sieht Häne aber nicht nur in der 2G+-Regel, sondern auch darin, dass die Menschen Angst hätten, sich anzustecken und vielfach unterdessen zu Hause besser eingerichtet seien, aufgrund der Erfahrung in den vergangenen zwei Jahren.

Auch die «Unvermeidbar» hat gegenwärtig massiv weniger Gäste als noch vor der Einführung der neuen Massnahmen.

Auch die «Unvermeidbar» hat gegenwärtig massiv weniger Gäste als noch vor der Einführung der neuen Massnahmen.

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