Spital-Serie

Autor Simon Libsig schreibt als Marketing-Gag eine Geschichte über das Kantonsspital Baden

Autor und Slam-Poet Simon Libsig.

Autor und Slam-Poet Simon Libsig.

Drei Frauen, ein Krankenzimmer: So nimmt eine Geschichte ihren Lauf. Die Idee einer Webserie über das Kantonsspital Baden kam vom Spital selbst, als Marketing-Idee im Zusammenhang mit dem Neubau «Agnes».

Estelle Allemann hatte genug. Mit diesem Satz beginnt das neueste Werk des Badener Autors und Slam-Poeten Simon Libsig. Estelle feiert ihren Polterabend als Ketchup-Flasche verkleidet im Pickwick-Pub in Baden. Glücklich ist sie aber nicht. Deshalb lässt sie sich absichtlich aufs Kopfsteinpflaster fallen. Lilly Binder wird derweil an der Schulhausplatz-Kreuzung von zwei Kantonspolizisten aufgegriffen. Die gewitzte Seniorin verliert langsam die Kontrolle über ihren Körper und ist damit ganz und gar nicht zufrieden. Zeitgleich klettert Marina Kehl in ihr altes Baumhaus, um mehr Follower für ihr Video-Tagebuch zu gewinnen. Dummerweise ist das Holz morsch und begräbt den Teenager unter sich.

Die drei Frauen landen daraufhin allesamt im Zimmer 16 im Kantonsspital Baden (KSB) und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Die Idee einer Webserie über das KSB kam vom Spital selbst, als Marketing-Idee im Zusammenhang mit dem Neubau «Agnes». Das 450 Millionen teure Gebäude soll Anfang 2022 bezogen werden. «Mit der Serie möchten wir die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf unser Bauvorhaben lenken», sagt Omar Gisler, Leiter der Kommunikation des KSB. «Die Storys sollen die Lust wecken, die Website zu besuchen und sich über den Neubau zu informieren.» Für das Spital sei deshalb eine Zusammenarbeit mit einem «jungen, motivierten und einheimischen Kunstschaffenden» ausser Frage gestanden.

Simon Libsig reichte daraufhin drei Vorschläge ein. Einer davon hat es ihm von Anfang an besonders angetan: Eine Story über drei Patientinnen, die im gleichen Krankenzimmer wortwörtlich unter einer Decke stecken. Eine unglücklich verlobte Motivationstrainerin, eine sich selbst überschätzende Influencerin und eine kriminelle Oma: Die eine will sterben. Die andere will leben. Und die Dritte liegt so zwischendrin. «Ein Krankenhaus als Handlungsort ist faszinierend», findet Libsig. «Obwohl ich selbst ein bisschen Schiss vor Spitälern habe», fügt er lachend an.

Podcast auf Mundart macht Figuren realer

Die Serie besteht aus 25 Folgen. Alle zwei Wochen erscheint eine neue auf der KSB-Website. Kürzlich wurde die zehnte Episode mit dem Titel «Pizza-Poesie» aufgeschaltet, beinahe Halbzeit also. Zu jeder Folge gibt es zudem eine Illustration sowie einen Podcast auf Mundart. Die ersten Zeichnungen stammten von Oliver Suter. Mittlerweile zeichnet die Badenerin Sarah Hügin. Das Format findet Anklang: 700 Leute haben sich den ersten Podcast angehört, nach der dritten Folge waren es über 2000.

Den Podcast auf Schweizerdeutsch spricht Libsig selbst. «Ich nehme ihn in der Waschküche meiner Eltern auf», erzählt der Autor. «Aber mit professioneller Technik.» Auf Mundart wirke die Geschichte noch einmal etwas anders, die Figuren noch etwas realer. «Es ist spannend, was die Sprache ausrichten kann.»

Selbst der Autor weiss nicht, wie es ausgeht

Allgemein sei es für den erfahrenen Autor ein neues Erlebnis: «Ich lerne die Figuren erst während des Prozesses richtig kennen.» Denn wie die Story weitergeht, weiss selbst Libsig nicht. «Die Geschichte entwickelt sich während des Schreibens.» Der Zeitdruck sei grösser als bei anderen Projekten. Zugleich mache es ihn aber mutiger: «Ich muss schneller Entscheidungen fällen», sagt Libsig. Dadurch seien die Folgen roher, aber auch spritziger.

Wie das Ende der Spital-Serie aussehen soll, habe er zwar bereits im Kopf. Aber: «Es kann sein, dass sich das noch ändert.» Ist die Spital-Serie dann in ein paar Monaten abgeschlossen, kann sich Libsig gut vorstellen, die Geschichte zu überarbeiten und daraus ein Buch zu machen. «Vielleicht eine Art Graphic Novel mit Illustrationen. Das wäre cool.»

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