Wettingen

Autokino-Premiere: Ein Kinoabend, an dem man ungestört die Beine hochlegen kann

Das Autokino in Wettingen bot bei seiner Premiere rund 140 Autos Platz. In ungewohnter Form wurde so der Film «Green Books» präsentiert. Woher der Ton kommt und warum es schwierig ist, sich warmzuhalten – ein Erlebnisbericht.

Auf der Zirkuswiese in Wettingen, kurz nach 19 Uhr. Erst ist nur eine schwarze längliche Plastikwurst zu sehen, die quer über dem Platz liegt. Innert weniger Minuten wird sie aber zur 260-Quadratmeter-Leinwand aufgeblasen sein – und bald davor 140 Autos versammelt, in denen sich maximal zwei Personen dem Film «Green Books» widmen werden.

Es ist der erste von vier Abenden der Autokino-Premiere in Wettingen, organisiert vom Event-Team von Radio Argovia, als Alternative zum ausgefallenen Argovia Fäscht auf dem Birrfeld. Der Anlass hat auch einige Wettingerinnen und Wettinger dazu veranlasst, mit dem Auto zu kommen, obwohl sie gleich in der Nachbarschaft leben. Was bleibt einem auch anderes übrig, wenn man doch einmal erleben will, was man ansonsten nur aus amerikanischen Filmen kennt, in denen sich bevorzugt frisch verliebte Paare im Auto gemeinsam einen Film anschauen? Autokino verspricht einen romantischen Abend.

Kein Wunder also, trifft man am Donnerstagabend auf der Zirkuswiese vor allem Paare.Bis der Film um 21.45 Uhr startet, es endlich genug dunkel ist, dauert es noch ein wenig. Während sich die Leinwand langsam in die Luft erhebt, trudeln um 19.30 Uhr in geordneter Bahn grössere und kleinere Autos ein. Nach Kontrolle der Tickets erhalten die Lenkerinnen und Lenker im Gegenzug die genaue Radiofrequenz, damit man den Film nicht nur sieht, sondern auch hört.

Sicht auf die Leinwand ist störungsfrei

Ein Moment der Wahrheit für die Journalistin in ihrem Volvo älteren Semesters, zwar vorsorglich mit einem kleinen tragbaren Radiogerät ausgerüstet, aber trotzdem in der Hoffnung, dass genau an diesem Abend das alte Kassettenradio, das normalerweise nur ein Rauschen von sich gibt, wieder zum Leben erweckt wird.

Wunder geschehen bekanntlich immer wieder – so auch an diesem Abend, auch wenn das Hörerlebnis am Ende nur aus einer Box kommt. In der zweiten Reihe lebt es sich ausserdem ganz komfortabel, die Sicht auf die Leinwand ist störungsfrei. Personen mit voluminöseren Autos müssen sowieso bis kurz vor Filmbeginn am Platzende ausharren, bis sich die kleineren vorne eingefunden haben.

Popcornmaschine ist dem Ansturm nicht gewachsen

In den zwei Stunden vor dem Filmstart sind viele der Besucherinnen und Besucher vor den zwei Food- und Getränkeständen anzutreffen, insbesondere an demjenigen, an dem es Popcorn gibt. Und dann kurz vor Filmstart der Frust: Die Popcornmaschine funktioniert nicht mehr wie gewünscht! Sie kommt mit der Arbeit nicht mehr hinterher. Dank Personal, das sich während des Filmes durch die Autos schlängelt, um den Menschen Snacks und doch noch Popcorn anzubieten, kann die Maschine etwas entlastet werden.

Im US-amerikanischen Film «Green Books – eine besondere Freundschaft» geht es um einen schwarzen Jazz-Pianisten und seinen weissen Fahrer, die in den 1960er-Jahren auf einer Konzerttournee sind. Dabei fahren sie in einem mintgrünen Cadillac, einem Auto, das stark an die Bilder erinnert, die man von Autokinos abgespeichert hat – solch spezielle Autos sind am Donnerstag aber keine zu sehen, auch wenn das eine oder andere ältere Modell darunter ist.

Je länger der Film läuft, desto kälter wird es

Der Grossteil macht es sich in seinen Alltagsautos bequem, manche lassen den Motor laufen, doch das ist nicht gestattet. Darauf achtet das Personal vor allem zu Beginn, je länger der Film läuft, je kälter es in den Autos wird, desto eher leuchten wieder die einen oder anderen Autolichter auf. Das Brummen mancher Motoren hört nur, wer zufälligerweise während des Films auf die Toilette muss. Übrigens: diese in Reih und Glied stehenden Autos, eine Art gespenstische Ruhe ausstrahlend, und dabei der Film ohne Ton auf der riesigen Leinwand, ein wahrlich merkwürdiger Moment.

Als der Film fertig ist, geht es plötzlich schnell, nachdem sich der ganze Abend gefühlt gemütlich hingezogen hat. Eine Viertelstunde nach Mitternacht werden die Autos rasch vom Platz geleitet. Nicht alle kommen weg, doch die Organisatoren sind vorbereitet: Ein Oldtimer und ein etwas neueres Auto müssen mit einem sogenannten Booster, einem schnellen Batterieaufladegerät, wiederbelebt werden.

Fazit: Kino im Auto, das hat seinen ganz eigenen Charme, es lässt laut Verpackungen verknüllen, ohne dass sich jemand belästigt fühlt, und noch besser: Man kann problemlos die Beine hochlegen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1