«Monopol Colors»

Auftrag aus Amerika: Technologieriese Apple bestellt 33 Tonnen Lack aus Fislisbach

Seit 70 Jahren produziert «Monopol Colors» Farben und Industrielacke. Zu den Kunden des Familienunternehmens gehört nun auch die US-Technologiefirma Apple – rund 33 Tonnen Lack hat das KMU ins Silicon Valley geliefert.

Das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart, das Hospital Álvaro Cunqueiro, das grösste Spital Europas, und nun der Apple Park im Silicon Valley: Die Liste der berühmten Bauwerke, an denen «Monopol Colors» mitgewirkt hat, wird immer länger. Vor 70 Jahren von Manfred Schlessinger gegründet, führt Sohn Lionel Schlessinger seit 1991 Jahren die Geschicke des Familienunternehmens, das Farben für Metallfassaden, Industrielacke und Korrosionsschutzsysteme produziert.

«Das Geheimnis liegt darin, wie man mit den Farbbestandteilen umgeht, in deren Menge und in der Reihenfolge, wie sie gemischt werden», sagt Lionel Schlessinger, während er durch die lichtdurchflutete Produktionshalle in Fislisbach führt. Hier werden lafend neue Rezepturen entwickelt und bestehende optimiert. «Mit Rezepturen, die mein Vater entwickelt hat, arbeiten wir aber längst nicht mehr», sagt der 52-Jährige.

Rundgang beim Familienunternehmen Monopol Colors in Fislisbach, das ihr 70-jähriges Bestehen feiert. Der Farben- und Lack-Hersteller hat auch beim neuen Apple-Hauptsitz in Cupertino mitgewirkt und 33 Tonnen Speziallack geliefert.

Rundgang beim Familienunternehmen Monopol Colors in Fislisbach, das ihr 70-jähriges Bestehen feiert. Der Farben- und Lack-Hersteller hat auch beim neuen Apple-Hauptsitz in Cupertino mitgewirkt und 33 Tonnen Speziallack geliefert.

Hingegen sei bei der Produktion mehr oder weniger alles beim Alten geblieben: Noch heute werden viele Arbeitsschritte von Hand ausgeführt. «Würden wir alles automatisieren, könnten wir nicht mehr so flexibel auf Aufträge reagieren.» Damit verweist Schlessinger auf das «Color Lab», in dem Kunden selber Pigmente, Pasten sowie Pulver mischen und ihre Wunschfarbe entwickeln können.

Wer ist der mysteriöse Kunde?

Dort, im zweiten Stock des bunten Gebäudes, ist auch der Farbton mit dem Namen «AC2» entstanden, der seit Frühjahr die oberen Etagen des Hauptsitzes von Apple im Silicon Valley ziert. «Lange wussten wir nicht, dass wir einen Farbton für Apple kreieren. Der Kunde hielt sich lange Zeit bedeckt», erinnert sich Schlessinger. Erst, als der mysteriöse Kunde eine Farbe für ein Modell von 3000 Quadratmetern verlangte, kam er ins Stutzen: Normalerweise bewegt sich ein zu lackierendes Objekt zwischen 10 bis 100 Quadratmetern. «Nach mehrmaligem Nachfragen wurde mir schliesslich offenbart, dass es sich beim Kunden um Apple handelt», sagt Schlessinger. In diesem Moment wurde ihm auch klar, weshalb er die zu kreierende Farbe mit «AC2» zu benennen hatte: Es ist die Abkürzung für Apple Campus 2 – und nicht etwa für Air Conditioning, wie er zuerst dachte. Dass das Familienunternehmen an dem von Stararchitekt Norman Foster realisierten Bau mitwirken konnte, macht Schlessinger stolz.

Rund 33 Tonnen matt-schwarzer Speziallack konnte «Monopol Colors» in die USA liefern. Die Produktion hochfahren musste das KMU aber nicht. Es lieferte die Farbe über zweieinhalb Jahre hinweg. Anders als Wunschfarben wie «AC2», die im «Color Lab» entstehen, werden Standardfarben in der «Matrix» hergestellt – einer der modernsten Mischmaschinen Europas. «Geben Kunden bis zehn Uhr ihre Bestellung auf, erhalten sie die Farbe am nächsten Tag geliefert, auch ins Ausland», sagt Schlessinger. Mittlerweile sind über 32 000 Farbtöne in der «Matrix»-Datenbank hinterlegt.

Die Erfolgstory von «Monopol Colors» nimmt 1947 ihren Lauf, als Manfred Schlessinger an der Mellingerstrasse in Baden eine kleine Farb-Firma gründet. Elf Jahre später zieht das Unternehmen aus Platzgründen «aufs Land nach Fislisbach», wie Lionel Schlessinger sagt. «Damals wurde mein Vater noch belächelt, weil die Firma so weit von Baden entfernt liegt. Mittlerweile sind wir mitten im Siedlungsgebiet.»

In Schulferien Sackgeld verdient

Mit Fislisbach ist Schlessinger, der in Baden aufgewachsen ist und heute noch dort wohnt, sehr verbunden. «Seit ich 12 Jahre alt bin, arbeite ich hier. Während der Sommerferien verdiente ich mein erstes Sackgeld in der Fabrik.» Auch, als er an der Uni Zürich das Betriebswirtschafts-Studium aufnahm. Für ihn stand früh fest, dass er in einem KMU arbeiten möchte: «Haben wir eine Idee, können wir sie morgen umsetzen.» Kurze Wege, familiäres Ambiente – das ist, was Schlessinger schätzt.

Doch trotz Grossaufträgen wie derjenige von Apple bleibt auch das KMU von den Launen der Wirtschaft nicht verschont. Vor allem die Finanzkrise 2008 und die Aufhebung des Euro-Mindestkurses 2015 macht «Monopol Colors» zu schaffen. Dies, weil rund die Hälfte der Produkte exportiert werden. «Wir verlieren hierzulande zwischen fünf und zehn Kunden pro Jahr», sagt Schlessinger, der sich Sorgen um die Deindustrialisierung in der Schweiz macht. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, hat die Firma in den letzten Jahren Tochtergesellschaften in Indien und Kenia gegründet. «Wir müssen in Märkten präsent sein, in denen es Wachstumspotenzial gibt. Nur so können wir den Standort in Fislisbach sichern», erklärt er. Heute arbeiten rund 50 Mitarbeiter hier, weitere 100 in Indien und 12 in Kenia.

Die ganze Produktion ins Ausland verlagern, ist für Schlessinger kein Thema. Auch Personal zu entlassen, sei für ihn Ultima Ratio: Viele Mitarbeitende kennt er seit Kindheitstagen. «Wir investieren laufend und versuchen, mit einfachen Massnahmen den Output zu steigern», sagt er und fügt das Beispiel des Gemba-Workshops an. Während die Produktion für eine Stunde in der Woche ruht, trifft sich das Team und erarbeitet Vorschläge, wie die Prozesse beschleunigt werden können. Auch Firmengründer Manfred Schlessinger, der mittlerweile über 90-Jährig ist, bringt ab und an Ideen ein. «Er hat noch immer sein Büro hier und schaut regelmässig vorbei. Ich zolle meinem Vater Respekt.» Für Lionel Schlessinger steht denn auch fest, dass er das Lebenswerk seines Vaters weiterführen wird. Erst recht, seit sich Firmen wie Apple mit Farben aus Fislisbach schmücken.

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