«Das ist jetzt einfach alles drin», sagt Schadstoff-Diagnostiker Heinrich Senger beim Blick in die Mulde vor dem komplett ausgebrannten Haus in Wettingen. Asbest, Bauabfälle, Erde – alles sei gemixt. «Was wir hier sehen, ist nicht so, wie es sich gehört. Asbest-Abfälle gehören gesondert.»

Schon am Tag nach dem Feuer, arbeiteten die Brandermittler ohne Schutzmasken in der Ruine. Edgar Käslin, Bereichsleiter Chemie der Suva, nimmt sie aber in Schutz: «Je nach Tätigkeit müssen sie Atemschutz tragen. Nach meiner Kenntnis sind Brandermittler aber sehr gut sensibilisiert auf die Thematik Schadstoffe generell.»

Kritischer ist Lungenarzt Robert Bettschart, er warnt davor, Asbest zu unterschätzen. Auch weil von Asbest ausgelöste Probleme oft viele Jahre später erst auftauchen. So wüssten viele Patienten nicht, wann sie mit dem Giftstoff in Kontakt gekommen sind.

«Der Staub wird eingeatmet und den bringen wir nicht mehr los. Es gibt Zellen in der Lunge, die die Fasern praktisch fressen. Sie wandern dann nach oben ins Brustfell, wo sie stecken bleiben.»

Nur im losen staubigen Zustand ist Asbest für den Menschen also wirklich gefährlich. Da beim Brand die Asbest-Platten aber zerbrochen sind, ist Schadstoff-Diagnostiker Senger aber überzeugt, dass Asbest-Fasern freigesetzt wurden. «Eigentlich gehört die Baustelle komplett abgeriegelt.»

Ein Brand hatte in der Nacht auf den 10. Mai ein älteres Einfamilienhaus an der Heimentalstrasse in Wettingen komplett zerstört. Die 76-jährige Bewohnerin, welche sich selbst in Sicherheit bringen konnte, musste mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung ins Spital gebracht werden.(edi)

Wettingen: Vollbrand in Einfamilienhaus – Rentnerin rettet sich ins Freie