Manch einer dürfte sich am Donnerstagmorgen in der Region Lenzburg und Baden in aller Herrgottsfrühe verwundert die Augen, respektive die Ohren gerieben haben. «Was ist das für ein Lärm!?» Die Erklärung: 15 Panzer der Schweizer Armee nahmen kurz nach 4.30 Uhr den Weg von Othmarsingen nach Birmenstorf auf sich.

Dort wird am Freitag das achte und gleichzeitig letzte Militär-Oldtimer-Treffen «Convoy to Remember» in Birmenstorf eröffnet. Die 15 Panzer und mit ihnen die 120 Armee-Panzersoldaten bilden einen der Höhepunkte eines der grössten Militär-Oldtimer-Treffen Europas, das bis Sonntagabend dauern wird. «Wir erwarten rund 20 000 Besucher», sagt der Gründer und Organisator Adrian Gerwer.

Er ist besonders stolz, dass die Schweizer Armee nicht nur in der Luft mit der Patrouille Suisse (Freitag 17.30 Uhr und Samstag 15 Uhr), sondern erstmals mit einer grossen Heeresausstellung vertreten ist. Allen voran die mechanisierten Truppen mit der kompletten Panzerflotte. «Zweimal täglich wird der Panzereinsatz im urbanen Gelände demonstriert», so Gerwer.

Erste Durchführung 1996 – heuer die letztes Ausgabe

Im grossen Camp bei der Kiesgrube werden in den drei Tagen über 3000 Personen in Militärzelten campieren. Insgesamt werden 700 Fahrzeuge und 100 Motorräder aus ganz Europa, rund 20 historische Panzer und 25 militärhistorische Gruppen, die historische Kriegsszenen nachstellen zu bestaunen sein. Der Anlass soll an die Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg erinnern, die vor 75 Jahren stattfand und Europa vom Joch des Nationalsozialismus befreite.

Der erste Convoy fand 1996 statt und wurde in der Regel alle drei Jahre wiederholt. «Wir hätten bei der ersten Durchführung nie geglaubt, dass wir den Convoy so oft ausrichten würden», sagt Gerwer. Damals trafen sich lediglich einige Dutzend Oldtimer-Freunde in einem Birmenstorfer Hinterhof. «Inzwischen beträgt das Budget fast eine halbe Million Franken, der Convoy ist zu einem Anlass von europäischer Bedeutung gewachsen.» Weil das Gelände renaturiert wird, kann der Convoy dort nicht mehr durchgeführt werden. Ob und in welcher Form er weiterleben wird, steht noch nicht fest.

Grosse Parade am Samstag mit über 600 Fahrzeugen

Gerade weil es die letzte Ausgabe in Birmenstorf ist, haben sich die Organisatoren besonders ins Zeug gelegt. Gerwer zählt nur einige der vielen Highlights auf: «Da wären zum einen die Fallschirmspringer, die am Freitagabend bei der offiziellen Eröffnung die Fahne bringen.» Oder aber das Rekrutenspiel Aarau am Freitagabend mit über 80 Musizierenden. «Einzigartig wird auch die Bühne im Festzelt sein, besteht diese doch aus einer einer alten Panzerbrücke aus dem Jahr 1968.»

Dieses Jahr ist zudem eine grosse Delegation aus der Ex-DDR zu Gast. «34 Teilnehmende und 24 Fahrzeuge nehmen den langen Weg aus der Region von Dresden auf sich. Thema ist ein gemeinsames Feldlager der Nationalen Volksarmee und einer Gruppe von sowjetischen Militärs in Deutschland während eines Manövers in den 80er-Jahren», verrät Adrian Gerwer.

Militär-Interessierte müssen aber nicht zwingend den Weg nach Birmenstorf auf sich nehmen. Denn am Samstag um 9 Uhr startet traditionsgemäss die grosse Convoy-Parade, an der rund 600 Fahrzeuge teilnehmen werden. Die Parade führt während knapp zwei Stunden über Mülligen, Lupfig, Scherz, Schinznach, Zeihen, Effingen, den Bözberg und Brugg zurück nach Birmenstorf. Zwar wird die dreitägige Show erst heute Abend um 18 Uhr offiziell eröffnet. Doch das Gelände ist bereits seit den Morgenstunden offen und die meisten der historischen Attraktionen können bereits bestaunt werden.