Baden

Alterszentrum Kehl wird für seine Zukunft und auf betreutes Wohnen getrimmt

Sie führen das Alterszentrum Kehl in die Zukunft (v. l.): Roland Wyss, Daniela Oehrli, Eduardo Forgas, Hildegard Hochstrasser.

Sie führen das Alterszentrum Kehl in die Zukunft (v. l.): Roland Wyss, Daniela Oehrli, Eduardo Forgas, Hildegard Hochstrasser.

Badens Stimmberechtigte befinden am 9. Juni über die Finanzierung des Neubaus im Alterszentrum Kehl und die Entschuldung der AZK Betriebe AG. Damit will die Stadt die Versorgung der älteren Bevölkerung sichern und das Kehl im Eigentum übernehmen.

Gleich mit zwei komplexen Vorlagen bekommt es der Badener Stimmberechtigte zu tun. Grund: Das Stimmvolk hatte bereits im Februar 2008 über Geldbeträge für das Alterszentrum Kehl befinden, doch inzwischen änderte sich die gesetzliche Situation, es gab einen Planungsstopp, und aufgrund der neuen Strategie wurde ein neues Bauprojekt erarbeitet.

Darum ist nun eine Zweckänderung für die gesprochenen Gelder erforderlich, über die der Stimmbürger zu entscheiden hat. Im Zentrum der Vorlagen steht, den Neubau von 56 Wohnungen mit Bezug Frühling 2016 zu ermöglichen.

Zwei weitere Etappen mit zusätzlichem Wohnangebot und Ersatzbauten im Kehl seien zwar grob geplant, deren Realisierung aber erst zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen, erklärt Daniela Oehrli, Stadträtin des Ressorts Gesundheit und Soziales sowie VR-Präsidentin der AZK Betriebe AG.

Kurzinterviews zum Alterszentrum Kehl in Baden

Kurzinterviews zum Alterszentrum Kehl in Baden

Wohn-Neubau finanziell ermöglichen

Weil die Gemeinden gemäss Pflegegesetz die Versorgung ihrer Bevölkerung im Alter gewährleisten muss, will die Stadt Baden die 38 Mio. Franken zur Hälfte finanzieren.

Die andere Hälfte wird sich die AZK Immobilien AG auf dem Hypothekarweg beschaffen.

Das im Jahr 2008 bewilligte verzinsliche Darlehen für die ursprüngliche Pflege-Erweiterung von 5,841 Mio. Franken, das noch nicht an die AZK Immobilien AG überwiesen worden ist, soll nun in einen Baubeitrag umgewandelt werden.

Geplant ist jetzt nämlich, das bestehende Hochhaus, das in die Jahre gekommen ist und nicht mehr den heutigen und künftigen Anforderungen des Wohnens im Alters entspricht, abzureissen und einen Wohn-Neubau (38 Mio. Franken) mit 56 Wohneinheiten zu erstellen.

Das Wohnangebot richtet sich an ältere Personen mit unteren und mittleren Einkommen.

«Die anvisierte Bruttorendite ist mit 2,8 Prozent tief», sagt Oehrli, Stadträtin des Ressorts Gesundheit und Soziales sowie VR-Präsidentin der AZK Betriebe AG, und diene dazu, notwendige bauliche Massnahmen in rund 30 Jahren finanziell zu sichern.

Gleichzeitig wird die bestehende Infrastruktur im tangierten Bereich verbessert und angepasst. Im Projekt figuriert auch eine 60-plätzige Tiefgarage, die Umgestaltung der Vorzonen, Plätze und Grünbereiche.

Der Neubau wird seitens der Stadt durch die Umwandlung des verzinslichen Darlehens in einen A-fonds-perdue-Beitrag, die bereits erfolgte und eine zusätzliche Erhöhung des Aktienkapitals sichergestellt. Diese umfasst 10,5 Mio. Franken und ist ebenfalls Gegenstand der ersten Vorlage.

Ennetbaden beteiligt sich nicht an Neubau

Die Gemeinde Ennetbaden hat die Situation neu beurteilt und will sich nicht mehr an den Kosten des Neubaus beteiligen. Sie wird die 75 Aktien an die Stadt Baden der Stadt Baden verkaufen.

Damit und mit der Aktienkapitalerhöhung wird die Stadt Baden gleichzeitig alleinige Eigentümerin der AZK Immobilien AG.

Der Verein Alterszentrum Kehl respektive die Mitglieder dieses Trägervereins haben den Transaktionen an einer ausserordentlichen Generalversammlung zugestimmt. «Der Verein wird nun eine andere Zweckbestimmung erhalten, und zwar im Sinne eines Fördervereins», bestätigt deren Präsident Roland Wyss.

Damit kann das Alterszentrum Kehl aber noch nicht in seine neue Zukunft geschickt werden. Zu sehr drückt die Schuldenlast, welche die Pflegeerweiterung und Sanierung im Jahre 2002, die Ausfinanzierung der Aargauischen Pensionskasse sowie die Folgekosten von Fehlern in der Betriebsführung hinterlassen haben. Will die AZK Betriebe AG ihren Betrieb gesetzeskonform führen und die erforderlichen Rückstellungen machen, müssen die Nettoschulden von rund 5,5 Mio. Franken abgetragen werden.

Die Einwohnergemeinden Baden (85 Prozent) und Ennetbaden (15 Prozent) werden diese Gesamtschuld übernehmen. Ausserdem wird der im Jahr 2008 bewilligte (und nicht eingesetzte) Baubeitrag für die Pflegeerweiterung an die AZK Betriebe AG in der Höhe von 2,55 Mio. Franken von seinem Zweck entbunden und der AZK Betriebe AG der allgemeinen Zweckbestimmung «Führung des Alterszentrums Kehl» überlassen werden.

Sicherheit im Alter

Das Kehl will sich den gesellschaftlichen und demografischen Herausforderungen stellen. Sofern die Mobilität gewährleistet ist, wolle der Mensch heute möglichst lange ein selbständiges Leben führen, erklärt Eduardo Forgas, Geschäftsführer im Kehl. Bauliche bedinge das absolut hindernisfreie Räume und Verbindungen.

«Das Kehl soll als Wohnzentrum für Wohnen im Alter die Wünsche nach Sicherheit erfüllen», so Forgas. Er meint damit die sofortige Hilfestellung im Notfall, die Inanspruchnahme von Dienstleistungen vom Putzen und Glätten, Mahlzeitendienst bis zu Pflegeleistungen.

Das Kehl soll aber ebenso der gesellschaftlichen Entwicklung, das heisse der Tendenz zunehmender Einzelhaushalte und der damit wachsenden Vereinsamung von Menschen Rechnung tragen. Forgas sieht das Kehl zukünftig auch als Kompetenz- und Dienstleistungszentrum für das ganze Meierhofquartier.

Laut Stadträtin Oehrli profitiere damit auch die öffentliche Hand, denn betreutes Wohnen sei auch bei Pflegebedürftigkeit zum einiges günstiger als ein Platz in einem Pflegeheim. Hildegard Hochstrasser, Leiterin Soziale Dienste der Stadt Baden, die bei der Ausarbeitung der Vorlage seitens der Stadt als Projektleiterin wirkte, weist sowohl auf die unterschiedlichen Wohnbedürfnisse als auch auf die wachsende Bedeutung von ganzheitlichen und durchlässigen Angeboten hin.

«Das ist auch eine Chance für das Kehl», so Hochstrasser. Der gegenwärtige Wandel der Gesellschaft und der Bevölkerung im dritten und vierten Altersabschnitt. Neue Kooperationen zu ermöglichen und zu unterstützen, werde die grosse Herausforderung sein.

Hochstrasser denkt dabei an die Förderung der Freiwilligenarbeit, so der Nachbarschaftshilfe oder der Angehörigenunterstützung. So können auch neue Berufsfelder entstehen. «Es geht nicht mehr, dass sich die Gesellschaft ab 65 entpflichten kann», sagt Hochstrasser.

Am 18. Mai laden Stadt und Alterszentrum Kehl die Bevölkerung zum Tag der offenen Tür ein. Von 10 bis 16 Uhr erfährt man alles über Freiwilligenarbeit, das Bauprojekt, Wohnen heute und morgen und kann das Alterszentrum von innen kennenlernen mitsamt dem Café Moccalino, der Cafeteria im Kehl.

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