2016 erhält das Historische Museum Baden eine neue Dauerausstellung. Zurzeit sind die Räume leer. «Ideal, um sie jetzt mit einem Theater zu bespielen», meint Museumsleiterin Carol Nater Cartier. Die Idee von Lorenz Belser, Regisseur und Dramaturg aus Ennetbaden, das Melusinen-Buch des Landvogts Thüring von Ringoltingen aus dem 15. Jahrhundert neu zu inszenieren, fand sie speziell. «Die Nixengeschichte passt ideal in den grossen Ausstellungsraum mit Blick auf die Limmat. Zudem war der Autor des Melusinen-Romans von 1441 bis 1443 Landvogt der Grafschaft Baden und hat wohl im Landvogteischloss logiert», erzählt sie.

Wer eine der Vorstellungen am 12. oder 14. Juni besucht, darf sich auf eine ziemlich schräge Melange gefasst machen: Alte Holzschnitte aus dem «Melusinen»-Buch wurden von Tine Beutel zu einem witzig-frechen Comic verarbeitet; Schauspieler Hanspeter Bader liest den Originaltext, der zwischen Realität und Fiktion hin- und herswitcht, auf Frühneuhochdeutsch in Oberstdivisionärs-Uniform.

Maru Rieben macht dazu Tropfengeräusche, die sie mittels Computer verfremdet oder spielt Harfe auf einem Eierschneider. Das Spektakel ist Bestandteil der zahlreichen Events, die rund um das Jubiläum «Die Eidgenossen kommen! Geschichten zum Aargauer Schicksalsjahr 1415 erleben» im ganzen Kanton stattfinden. Im Programmheft fungiert «Melusine» als einer der Höhepunkte des gesamten Veranstaltungsreigens. Wohl auch, weil Belser mit seiner Inszenierung die Schweizer Geschichtsschreibung teilweise zünftig aufs Korn nimmt.

Es war einmal eine Nixe, die sich in ein menschliches Wesen verwandelte. Sie bezirzt den Emporkömmling Reymond: Er heiratet sie und das Paar bekommt 10 Söhne, die in die Fremde schweifen. In einem Wechselspiel von Kriegen und Hochzeiten verteilen sie die Welt unter sich neu. Doch am Schluss werden ihnen Machtgelüste, Kämpfe und heroische Taten zum Verhängnis. Und Reymond entdeckt die wahre Gestalt seiner Angetrauten.

Der Melusinen-Roman war das erste Buch, das in der Schweiz erschien. Im selben Jahrzehnt entstand auch das «Weisse Buch von Sarnen» samt Tell- und Rütli-Sage. Dazu eine erste Landkarte – mit den Schweizer Bergen als Mittelpunkt Europas. Sie vermittelt ein völlig anderes Weltbild als der «Melusinen»-Roman. Was ist wahr an der Geschichtsschreibung, und was nur idealisiert oder Legende? Das Historienspektakel «Melusine» lässt viele Fragen offen. Besonders eindrücklich an der Aufführung ist, wie Tine Beutel die alten Holzschnitte aus dem 15. Jahrhundert mittels Video-Art tanzen lässt.

«Melusine» wird im Historischen Museum Baden an diesen Tagen aufgeführt: Freitag, 12. Juni, 20.30 Uhr; Sonntag, 14. Juni, 18.30 Uhr.