Es ist kalt und dunkelt schon bald ein. Er sitzt in einem kleinen Zelt, dieses befindet sich zwischen Felsen, Bäumen und Büschen, der Boden ist keineswegs eben. In einen Schlafsack gehüllt sitzt er da, isst sein Sandwich und wärmt sich mit dem Tee aus der Thermosflasche. Er ist allein. Und er wartet. An Schlaf ist kaum zu denken. Zu kribbelig ist er auf den Morgen, zu kalt ist die Umgebung.

Und dann endlich dämmert es, Rudolf Hug bringt sich in Stellung. Seine Kamera ist bereit, bereit für das Balzspiel des Auerhahns im norwegischen Lauvsnes. Bis am Mittag sitzt er in seinem unbequemen Unterschlupf, fasziniert von dem Vogel und seinen Annäherungsversuchen.

«Es ist eine Illusion, einfach rauszugehen und die perfekten Fotos zu knipsen – ich bin auf die Ortskenntnisse von lokalen Naturfotografen angewiesen», sagt der Oberrohrdorfer Rudolf Hug.

Seine letzte Reise führte Rudolf Hug nach Kanada an die Hudson Bay. Vier Tage dauerte die Hin- und Rückreise, drei Tage hatte er für seine Fototour Zeit. Sie führte ihn zu den Eisbären, die am Ufer nur darauf warteten, bis das Wasser gefriert und sie auf dem Eis Robben jagen können. «Einem Eisbären in die Augen zu sehen, ihn zu spüren und fast zu riechen, ist ein unglaubliches Gefühl», sagt Hug.

Danach erstellte er – wie nach jeder Fotoreise – ein Fotobuch. In dem erzählt er mit seinen Fotos die Geschichte vom Flughafen ins Reich der Eisbären, von seinen bewaffneten Begleitern und der Unterkunft.

Er will das volle Programm

Doch Rudolf Hug fotografiert nicht nur Tiere, auch Landschaften, die Menschen und ihre Kultur haben es ihm angetan. So erzählt er von seiner Reise ins indische Ladakh, von seinen Begegnungen mit den Mönchen und Nomaden, bei der täglichen Arbeit und im Zelt beim Butterteetrinken. «Ich will nicht nur Fotos knipsen, ich will mit den Menschen in Kontakt kommen, mit ihnen reden und an ihrem Leben teilhaben können», schwärmt Hug.

Auf seinen Reisen ist er immer auf Achse, will möglichst viel erfahren und erleben. Sind das noch Ferien? «Ich will das volle Programm, von morgens früh bis abends spät will ich unterwegs sein – das ist Erholung für mich», antwortet der 60-Jährige. Die freien Nachmittage zur Erholung, die bei vielen Reisen eingeplant wären, die will Hug nicht.

Grönland war der Startpunkt

Rudolf Hug fotografierte bereits in seiner Jugendzeit. Mit rund 14 Jahren besass er seine erste Kamera, bei einem seiner Lehrer konnte er in der Dunkelkammer die Fotos entwickeln. Damals fotografierte er, was ihm vor die Linse kam. Wegen der Ausbildung, des Berufs und später seiner Aufgabe als Grossrat rückte sein Hobby immer mehr in den Hintergrund. «Aber irgendwann wollte ich mehr als nur Geschäftsreisen», erzählt Hug.

Er buchte eine Reise nach Alaska, um Eisberge zu sehen. Allein. Sein Vorhaben hatte bei seiner vierköpfigen Familie kein Interesse geweckt. Die Reise wurde zwei Wochen vor dem Abflug abgesagt, das Schiff war defekt. Ein Jahr später versuchte es Hug nochmals, eine Woche vor Abflug ging die Firma Konkurs. Mit viel Glück konnte sich Rudolf Hug spontan einer Reisegruppe anhängen mit dem Ziel Grönland. «Von da an hat mich das Fotografieren wieder gepackt.»

Die Pinguine locken

Rund 20 Kilogramm trägt Rudolf Hug auf seinen Reisen mit sich – zwei Kameras, eine mit Weitwinkel-Objektiv, die andere mit Teleobjektiv, sind immer dabei. Daneben nimmt Hug noch weitere Objektive mit, abgestimmt auf die Reise. Vor einer Reise setzt er sich jeweils einen Fokus, einen Schwerpunkt. Tierfotografie? Landschaften? Oder doch Kultur und Menschen?

Bereits im kommenden März ist Hug wieder auf Reisen, diesmal nach Nordnorwegen, nach Tromsø. Dort will er Polarlichter fotografieren. Beim letzten Mal hatte ihm das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im April geht er in den Südwesten der USA, in die Canyons. Und er hat die einmalige Gelegenheit, mit Navajo-Indianer das Monument Valley zu besuchen. Dann gehts im Juli auf die schottischen Shetlandinseln, um Otter und Papageientaucher zu fotografieren.

Einen Traum wird sich Hug im nächsten Jahr erfüllen: Im März wird er nochmals nach Kanada gehen und bei minus 40 Grad Eisbärenmütter mit ihren Jungen beobachten und fotografieren. Pinguine möchte er auch mal noch vor die Linse kriegen, dafür muss er aber eine lange Schiffsreise in die Antarktis auf sich nehmen. «Bis jetzt habe ich den Mumm noch nicht gehabt, ich bin leider nicht so seefest. Ich habe aber gehört, dass dieses Problem mit dem Alter verschwinden soll.»

Weitere Informationen:

www.rudolf-hug.ch

www.rudolf-hug.blogspot.com