Baden
Als sänge sie für sich allein - erstaunliches Konzert im "Werkk"

Die deutsch-englische Band «Kafka Tamura» mit Sängerin Emma Dawkins bespielte das Werkk mit unaufgeregtem, aber kraftvollem Indiepop.

Salomé Meier
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Konzert von Kafka Tamura im Badener Werkk
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Konzert Kafka Tamura
Konzert Kafka Tamura
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Konzert von Kafka Tamura im Badener Werkk

Salomé Meier

Der Saal im Werkk ist dunkel, als die drei Musiker um Sängerin Emma Dawkins ihre Stellung auf der Bühne einnehmen. Mit den einsetzenden Gitarrenakkorden und Klavierklängen leuchtet hinter den Musikern ein schwaches Scheinwerferlicht an die Decke und verwandelt sie zu Schattenrissen. Dann erklingt die Stimme der Engländerin, die langsam die Worte «My heart is somewhere else» formt. Emmas Blick ist auf einen imaginären Punkt über den Zuhörern gerichtet und hin und wieder schliesst sie die Augen. Fast scheint es, als stehe sie nicht auf der Bühne, als sänge sie nicht vor Leuten, sondern für sich allein. Es ist diese äussere Unaufgeregtheit, die der melancholischen und minimalistischen Musik ihre emotionale Ausdruckskraft verleiht. Die Lieder erinnern an The XX, an Alt-J und MS MR und sind zugleich frei von jeglichem Imitat. Sie ertasten das Innere des Menschen; die Lyrics erzählen von Selbstvorwürfen und Schmerz, von Liebe und Ernüchterung.

Die Geschichte von Kafka Tamura
«Kafka Tamura» ist die Hauptfigur im berühmten Buch «Kafka on the Shore» des amerikanisch-japanischen Schriftstellers Haruki Murakami. Wer das Buch gelesen hat, erkennt die Parallelen zwischen Murakamis Poetik und der Musik der jungen Band, erkennt auch die Stimme des gebrochenen Tamuras in Emma Dawkins Gesang.

«Kafka Tamura» ist aber auch eine Geschichte des 21. Jahrhunderts. Emma ist 16 Jahre alt, als sie in ihrem Zimmer in Southampton (UK) Lieder auf die Musikplattform Soundcloud hochlädt. Irgendwann stossen zwei Musiker in Leipzig auf die melancholisch-starke Stimme. Patrick Bonges und Gabriel Häuser sind sofort begeistert, schreiben sie an und schicken ihr eigene Tracks. Dawkins gefallen sie und sie steuert ihre Stimme bei. Die ersten Lieder entstehen so in zwei Städten und zwei unterschiedlichen Ländern. Das Lied «Somewhere else» wurde schnell zu einem Internethit und brachte der Band einen Vertrag beim Recordlabel Lichtdicht ein, bei dem u.a. auch Milky Chance unter Vetrag steht.

Das war 2012. Heute leben Emma Dawkins und Gabriel Häuser beide in Berlin. Noch immer aber entstehen ihre Lieder in ihren jeweils eigenen vier Wänden. «Wir brauchen beide viel Freiheit und Raum, wenns ums Schreiben von Liedern geht», erklärt Gabriel Häuser.
«Ideen müssen sich entwickeln und Kreativität lässt sich nicht zeitlich festlegen.» Für die Musik von «Kafka Tamura» scheint das Alleinsein geradezu Bedingung und Form ihres melancholischen und introspektiven Stils zu sein.

Das Konzert von Kafka Tamura und den Zürcherinnen Steiner & Madlaina als Vorband wurde vom Werkk und Nordportal gemeinsam organisiert. Nächste Woche steht bereits mit einem Kopfhörerkonzert «von Welt» (DE) die nächste Zusammenarbeit auf dem Programm. Man darf gespannt sein.