Die Sicherheit vor Feuer beleuchtete die Heimatkundliche Vereinigung Furttal (HVF) im Mitteilungsheft 2013. Die Sicherheit ist auch das Thema der Jahresschrift 2015. Doch diesmal geht es nicht um Wetter- oder Feuerkatastrophen zwischen Regensdorf und Würenlos, sondern um die Sicherheit vor Menschen, die anderen Übles tun wollen: Das Thema ist der «Strafvollzug im Wandel» und damit die Geschichte des zentralen Zürcher Gefängnisses in Regensdorf. Realisiert hat das Heft im Auftrag der HVF Hans Ulrich Meier, der frühere Direktor der Vollzugsanstalt. In den Betrieben der Anstalt wurde das Heft auch hergestellt.

Französisch für Straftäter

Von 1637 bis 1901 diente das ehemalige Kloster Oetenbach in Zürich dem Kanton als Gefängnis. Schon damals ging es nicht nur darum, die Menschen wegzusperren, sondern sie zu resozialisieren. Deshalb hiess es in der Hausordnung von 1834: «Wöchentlich ist den jüngeren männlichen Sträflingen unter 20 Jahren Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen zu erteilen.»

Ab 1877 wurden eine Elementar- und eine Sekundarklasse geführt und nebst Französisch auch Englisch unterrichtet. Das stiess in der Öffentlichkeit aber nicht nur auf Zustimmung. Viele verlangten, dass die Gefangenen arbeiten sollten. Fremdsprachen hatten es anscheinend schon immer etwas schwerer in der schweizerischen Bildungslandschaft. Das Konzept bewährte sich jedoch und als das Gefängnis 1901 nach Regensdorf verlegt wurde, wurde die Anstaltsschule ausgebaut.

Mit dem Wechsel nach Regensdorf kam das Zürcher Gefängnis ins Furttal. Nach einer längeren Standortsuche hatte sich der Kanton Zürich für das Areal in der Gemeinde Regensdorf entschieden. Ein kreuzförmiges Gebäude mit 350 Zellen wurde erstellt. Weil es damals noch keine Kanalisation gab, verzichtete man auf Toiletten mit Wasserspülung. Die Gefangenen wurden meist in Betrieben innerhalb der Mauern beschäftigt. Als ab 1918 das Furttal entsumpft wurde, kamen Gefangene zum Einsatz. In der Folge wurde das Tal zwischen Lägern und Altberg bis nach Würenlos zu einem bedeutenden Gemüseanbaugebiet.

Bald stiess die Anstalt wieder an ihre Grenzen. Ab 1954 wurde von einer Erneuerung gesprochen. Der Neubau kam aber erst 1996. Nun standen 347 Zellen zur Verfügung, davor waren es 300 gewesen. Mit dem Neubau erhielt die Anlage auch einen neuen Namen, sie heisst seither Justizvollzugsanstalt Pöschwies. Damit wurde auch ein Wunsch der Bevölkerung erfüllt, denn Regensdorf war immer mehr zum Synonym für das kantonale Gefängnis geworden, was nicht allen Regensdorfern behagte.

Der Neubau war wesentlich zweckmässiger und dient nun als geschlossene Vollzugsanstalt des Ostschweizer Strafvollzugskonkordates. Diesem sind die Kantone Appenzell, Glarus, Graubünden, St. Gallen, Schaffhausen, Thurgau und Zürich angeschlossen. Und damit sind potenzielle Übeltäter aus der untersten Gemeinde im Furttal weitgehend als «Gäste» ausgeschlossen: Sie müssten ihre Strafe in der aargauischen JVA Lenzburg absitzen.

Ein schwitzender Ausbrecher

Vor Ausbruchsversuchen ist das Gefängnis in Regensdorf nicht gefeit. Dazu liess sich im Juni 2000 ein Gefangener in eine Kartonschachtel einpacken. Er hatte jedoch Pech, denn die Schachtel blieb aus Platzgründen auf einem Lastwagen an der Sonne stehen. Ihm wurde unwohl und die sich bewegende Kartonschachtel fiel den Kontrollorganen auf. Die Flucht war gescheitert. 2001 gelang drei Gefangenen die Flucht bei der Gärtnerei. Einer brach sich dabei den Fuss, seine Flucht war zu Ende. Die beiden anderen wurden beobachtet und durch die Kantonspolizei wieder ergriffen.