Neongelbe Wände, purpurner Plüschteppich, fluoreszierendes Discolicht. Bunter als sonst kam er daher, der «Melonenschnitz» im Historischen Museum Baden. Grund dafür ist die neue Sonderausstellung «Love, Peace und Frauenstimmrecht», die den Besucher auf eine Reise zur Generation der wilden 68er mitnimmt.

«Warum diese Ausstellung?», fragte Museumsleiterin Carol Nater Cartier an der Vernissage am Donnerstagabend. Kuratorin Heidi Pechlaner Gut lieferte die Antwort wenig später gleich selbst: «Die Zeit ist reif dafür.» Themen wie Gleichberechtigung und gesellschaftliche Umbrüche stünden zum 50-Jahr-Jubiläum gerade hoch im Kurs. «Und wir surfen auf dieser Welle noch so gerne mit», sagte Nater Cartier.

Wie üblich wählt das Museum auch dieses Mal einen regionalen Ansatz. Mehr als 20 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Baden und der Region erzählen an Audiostationen von Erinnerungen aus einer Zeit, die durch die Hippie-Bewegung und sexuelle Befreiung in die Schlagzeilen geriet, aber auch Errungenschaften wie das Frauenstimmrecht ab 1971 mit sich brachte. So ist in einer der berührendsten Aufnahmen die kürzlich verstorbene Anne Marie Höchli-Zen Ruffinen zu hören, die als erste Frau den Badener Einwohnerrat präsidierte und sich stark für die Rechte von Frauen engagierte.

Im «Flower Power»-Zimmer erhalten Besucher Einblick ins Leben der Hippies.

Im «Flower Power»-Zimmer erhalten Besucher Einblick ins Leben der Hippies.

Emanzipation noch nicht erreicht

Bei einem Rundgang durch die Ausstellung erhält man unter anderem Einblick in das Leben der damaligen Hippie-Kommune in Birmenstorf, deren Mitglieder mit ihrer Band Lovecraft für die musikalische Untermalung an der Vernissage sorgten. Im nächsten Raum sind auf Litfasssäulen Fotografien, Plakate und Zeitungsausschnitte zu sehen. «Diese Schnipsel bilden Personen ab, die sich für Wandel einsetzten. Sie geben auch denen eine Stimme, die sich dagegen sträubten», sagte Pechlaner Gut.

Ganz Baden-typisch wird zudem die Eröffnung des «Theaters im Kornhaus» sowie der Aufstieg der politischen Gruppierung «Team 67» beleuchtet. Als aktuelle Team-Politikerin wies Stadträtin und Gastrednerin Ruth Müri darauf hin, dass Themen wie Chancengleichheit brandaktuell seien: «Wir Frauen kämpfen auch heute noch für die gleichen Rechte wie vor 50 Jahren.»