Im beschaulichen Dorf Birmenstorf, man glaubt es kaum, existierte vor rund 50 Jahren eine Hippie-Kommune. Die Brüder Hanspeter und Ueli Frey, Felix Bugmann und Ewa Jonsson gehörten zu den Bewohnern der zweiten Generation dieser Kommune. Am «Dorfgeschichtlichen Abend» vom vergangenen Freitag stellten sie sich den Fragen von Historiker Patrick Zehnder und denen des Publikums.

Ausserdem gaben sie, die auch Teil der jüngsten Sonderausstellung im Historischen Museum Baden waren, als Band «Lovecraft» noch einmal ihre Musik zum Besten. Rund 100 Interessierte kamen am Freitagabend in der Turnhalle Träff zusammen, um den Geschichten der ehemaligen Hippies zu lauschen.

Revolutionär durch und durch

Heute kann man sich kaum vorstellen, dass die damalige Wohngemeinschaft der Hippie-Kommune revolutionär war. «Wir waren eine der ersten, die in einer Wohngemeinschaft lebten und nicht miteinander verwandt waren», sagte Felix Bugmann. Doch nicht nur ihr Wohnungsstil war anders. Sie lebten vegetarisch, teilten sich die Kleider und waren auf das Nötigste beschränkt. Mit Temporärjobs hielten sie sich über Wasser. Ihre Bärte und Haare waren länger, ihre Kleider ausgefallener. Der damalige Durchschnitts-Schweizer ging nur mit schönen Kleidern aus dem Haus. «Leute, die in Trainerhosen auf die Strasse gingen, gab es nicht», meinte Bugmann weiter.

Die jungen Leute hatten das konventionelle Leben satt. Es sei nur um Geld und Macht gegangen. Die Kommune war ein Ausbruch aus der «Spasslosigkeit» der Gesellschaft, wie sie es nannten. Es war das Finden eines neuen Weges, den ihnen niemand vorleben konnte, da sie die Ersten waren. «Wir hatten nächtelange Diskussionen im Keller über den Sinn des Lebens», sagte Hanspeter Frey, genannt «Haas». Ihren Gedanken gaben sie Ausdruck in der Musik, die so anders war, als man es in Birmenstorf kannte. Ihre Inspiration holten sie unter anderem von den Beatles und den Rolling Stones. In der philosophischen und psychologischen Literatur suchten sie Antworten.

Schwerer Anfang mit gutem Ende

Kennengelernt haben sich Hanspeter Frey und Felix Bugmann in ihrer Lehre bei der BBC. Ewa Jonsson kam als schwedische Einwanderin erst später dazu. «Sie war die einzige Frau, die es länger bei uns ausgehalten hat», sagte Peter Rey lachend, der ebenfalls ab und zu in der Kommune lebte und der Überraschungsgast des Abends war.

Das Leben war auch für Ewa Jonsson nicht leicht. Solange sie arbeitete, war ihr Aufenthalt in der Schweiz bewilligt. Bei der Arbeit sah man es aber nicht gerne, dass sie mit diesem «Lumpenpack» zusammenwohnte. Sie hatte aber so ihre Vorstellungen vom Leben und kündigte bald. Ausserdem hatte sie sich in «Haas» verliebt. Die klischeehafte Rollenverteilung von Mann und Frau fand aber auch in der Kommune keinen Aufbruch. «Wir kannten es nicht anders», meinte Jonsson. «Auch Frauenstimmrecht war noch kein Thema bei uns. Das kam erst später auf.»

Nach und nach löste sich die Kommune auf. Ewa Jonsson und Hanspeter Frey heirateten. Auch Ueli Frey und Felix Bugmann gründeten jeweils eine Familie. Doch der Lebensstil blieb: Bis heute leben alle vegetarisch und bewusst. Das Interesse an ihrer Kommune und der Musik freut sie: «Früher waren wir verhasst und plötzlich interessieren sich die Leute für uns. Ich war am Anfang skeptisch, doch heute erlebe ich es als eine Art Rehabilitation», sagte Jonsson mit einem Lächeln.