Bezirksgericht Baden

Akku-Bastelei am Rasierapparat setzt Wohnung in Brand – 80-jähriger Italiener vor Gericht

Aus einem Lithium-Polymer-Akku, den er aus einem Modellauto ausmontierte, und dem Kabel eines Rasierapparats bastelte ein gelernter Elektroniker ein provisorisches Ladegerät. Die Konstruktion entzündete sich in seiner Wohnung.symbolbild: shutterstock

Aus einem Lithium-Polymer-Akku, den er aus einem Modellauto ausmontierte, und dem Kabel eines Rasierapparats bastelte ein gelernter Elektroniker ein provisorisches Ladegerät. Die Konstruktion entzündete sich in seiner Wohnung.symbolbild: shutterstock

Ein zweckentfremdetes Ladegeräte überhitzte und fing Feuer. Ein 80-Jähriger musste sich dafür vor Gericht verantworten.

Ein Knistern habe ihn aufgeweckt, erzählt der 80-jährige Angeklagte vor dem Bezirksgericht Baden. Zuerst habe er gedacht, es sei jemand im Haus. Dann bemerkte er den Rauch. Als er sich in sein Arbeitszimmer begab, brannte es auf dem Boden. Der Löschversuch mittels einer Pfanne Wasser brachte keine Abhilfe, also rief er die Feuerwehr. Das Feuer sowie die Löscharbeiten beschädigten die gesamte 3½-Zimmer-Wohnung sowie Teile des Mobiliars. Der Sachschaden in der Wohnung des Italieners betrug 90 000 Franken.

Grund für die Anklage der «fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst» war die Quelle des Brandes. Der Angeklagte hatte nämlich im Februar 2017 aus dem Akku eines Modellautos und dem Ladegerät eines Rasierapparates eine sogenannte «Powerbank» gebastelt, um damit sein Handy unterwegsaufladen zu können. Diese habe sich überladen, überhitzt und auf dem Holztisch Feuer gefangen. Deshalb entzündeten sich Plastiksäcke und eine Autoabdeckung, die auf dem Boden lagen.

Der Lithium-Polymer-Akku gilt als empfindlich, erklärte ein als Zeuge geladener Brandschutzermittler der Kantonspolizei. Die Konstruktion bezeichnet er als «untypisches Ladegerät». «Ich würde das nicht mit einem Rasierapparat kombinieren. Dazu habe ich zu wenig Fachkenntnis», so der Experte. Dem Angeklagten wollte er diese Fachkenntnis allerdings nicht absprechen: Der ausgebildete Elektroniker arbeitete sein gesamtes Leben mit jenen Akkus. «Wenn man Ahnung davon hat und den Ladevorgang überwacht, kann man das schon machen», sagte der Zeuge. Genau jene fehlende Überwachung wurde dem Angeklagten aber zum Verhängnis. Er hatte die Konstruktion um Mitternacht in einer Steckdosenleiste in seinem Arbeitszimmer eingesteckt, um sie über Nacht aufzuladen.

Als er um 2 Uhr ins Bett ging, sei der Akku halb geladen gewesen. «Den Ladeprozess muss man normalerweise nicht überwachen. In jeder Batterie hat es einen Überhitzungsschutz», befand der Angeklagte mittels eines Dolmetschers. Das Kabel des Rasierapparats bedinge zudem einen langsamen Ladevorgang. Der Brandschutzexperte erklärte derweil, dass auch ein langsamer Ladevorgang nicht vor Überladen und letztlich Überhitzung schütze.

Verteidiger sieht keine Schuld

Der Verteidiger des Angeklagten plädierte auf Freispruch. In seiner 20-minütigen Ausführung legte er dar, dass seinen Mandanten keine Schuld treffen könne. So hielt er fest, dass nicht abschliessend geklärt sei, ob nicht ein Defekt am Ladekabel oder dem Akku zum Brand geführt habe. Für Gerichtspräsidentin Gabriella Fehr war jedoch klar: «Mit seiner Ausbildung hätte er wissen müssen, dass er den Ladeprozess überwachen und eine feuerfeste Unterlage verwenden muss.» Sie verwies zudem auf einen Grossbrand vor drei Jahren in Steckborn (TG), der ebenfalls wegen eines Modellauto-Akkus entstand. Die Gefahr dieser Akkus sei der Öffentlichkeit seit der Berichterstattung über jenen Vorfall bekannt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 50 Tagessätzen à 75 Franken sowie einer Busse von 800 Franken.

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