Am 6. Dezember trafen sich Regierungsrätin Franziska Roth (SVP) und der Obersiggenthaler Gemeinderat. Thema: eine Grossunterkunft für Asylbewerber bei der Gässliackerstrasse. Der Regierungsrat hat diese Fläche als einen von acht möglichen Standorten für das Asylzentrum auserkoren, doch der Gemeinderat wehrt sich dagegen.

«Wir erklärten Frau Roth, dass wir diese Fläche seit vielen Jahren bereithalten, um dereinst Alterswohnungen zu erstellen.» Ausserdem wolle die Stiftung Gässliacker auf einem Teil der Parzelle ein Ärztehaus erstellen. Dieses Projekt wurde im November 2015 von der Stiftung Gässliacker gestartet – und hat in den vergangenen Wochen Fahrt aufgenommen.

Straffer Zeitplan

Ende November gelangte der Stiftungsrat der Stiftung Gässliacker mit der Anfrage an den Gemeinderat, ob die Parzellen für den Aufbau einer Gemeinschaftspraxis zur Sicherung der medizinischen Grundversorgung zur Verfügung stehen würden. Der Zeitplan sieht vor, dass das Ärztehaus noch diesen Herbst bezogen werden soll. Damit der knappe Zeitplan eingehalten werden kann, ist die Stiftung auf rasche Entscheide angewiesen.

Der Gemeinderat will Hand bieten – und stellt dem Einwohnerrat diesen Donnerstag einen Antrag: 1500 Quadratmeter sollen der Stiftung Gässliacker im Baurecht für ein Ärztehaus zur Verfügung gestellt werden – für die kommenden 35 Jahre mit Verlängerungsoption. Der Gemeinderat macht sich für diese Lösung stark, weil aktuell in Obersiggenthal nur eine Hausärztin im Teilpensum praktiziert und in Nachbargemeinden diverse Hausärzte die altersbedingte Aufgabe ihrer Praxis planen. Ein Ärztehaus könnte die medizinische Grundversorgung in der 8500-Einwohner-Gemeinde langfristig sicherstellen.

Würde der Bau des Ärztehauses die Pläne für eine Asylunterkunft zunichtemachen? Dem Vernehmen nach wohl eher nicht, denn das Gebäude für eine Gemeinschaftspraxis würde nur einen Teil der beiden Parzellen beanspruchen. Doch weil auf der Gässliacker-Fläche in einer weiteren Etappe Wohnungen für «Wohnen im Alter» entstehen sollen, sagt Gemeindeammann Dieter Martin: «Klar ist, dass ein Ärztehaus und die angedachten Alterswohnungen aus unserer Sicht aus Platzgründen nicht kompatibel wären mit einer Asylgrossunterkunft.» Dies habe der Gemeinderat der Regierungsrätin auch im persönlichen Gespräch mitgeteilt.

Weil die Zeit drängt, wird dem Einwohnerrat noch kein Entwurf eines Baurechtsvertrages unterbreitet, sondern die Ermächtigung für den Abschluss eines entsprechenden Dokuments eingeholt. Vorgesehen ist ein Baurechtszins von 15'750 Franken im Jahr.