Baden

Abtretende Stadträtin Sandra Kohler: «Ich bin ehrlich, anders als viele andere Menschen in der Politik»

So nimmt Sandra Kohler auf Facebook Stellung zu ihrem Rücktritt.

So nimmt Sandra Kohler auf Facebook Stellung zu ihrem Rücktritt.

Die Badener Stadträtin Sandra Kohler (parteilos) zieht auf Facebook über das politische System her – kriegt sie jetzt vom Stadtrat einen Maulkorb verpasst?

Der Rücktritt der parteilosen Badener Stadträtin Sandra Kohler (38) hat in der Stadt und der Region für viel Gesprächsstoff gesorgt. So auch auf der Website der Aargauer Zeitung mit zahlreichen Online-Kommentaren und auf den sozialen Netzwerken wie etwa Facebook. Die 38-Jährige hatte vor einer Woche angekündigt, nach nicht einmal zweieinhalb Jahren im Amt auf Ende Mai 2020 als Stadträtin zurückzutreten.

Ihren Rücktritt begründete sie mit den «aktuellen Entwicklungen auf der Welt»: Kohler geht nun auf eine Studienreise, die unter anderem der Frage gewidmet ist, «was es für ein gutes Zusammenleben braucht». Anfang dieser Woche nun teilte die Stadt mit, dass Kohler bereits auf Ende diesen Monats zurücktritt, also quasi per sofort, da sie bis dann krankgeschrieben ist.

Auffällig: Auf Facebook lässt es sich Sandra Kohler nicht nehmen, ihre Beweggründe zu erläutern und persönliche Kritik zu kontern. Und sie tut dies mit Worten, die man von einer immer noch amtierenden Stadträtin so nicht unbedingt erwarten würde.

So antwortet sie etwa auf die Frage, was sie denn mit «aktueller Situation» meine (diese sei der Grund für den sofortigen Rücktritt, Anm. der Redaktion): «Weil mich dieses verd... Politsystem krank gemacht hat! Ok? Aber haben Sie das Gefühl, dass das jemand hören will?! Nein! .... Habe die Nase so gestrichen voll.»

Auf den Konter, dass das nur eine Ausrede sei, antwortet Kohler: «Sehen Sie, deshalb sage ich nichts. Genau wegen Menschen, wie Ihnen. Was wissen Sie schon? Überhaupt nichts. Wieso hat die Politik einen so schlechten Ruf? Und wieso wollen viele Menschen nicht in die Politik?», fragt Kohler rhetorisch.

Stadtammann: «Das kommentiere ich nicht»

Bereits nach ihrer ersten Ankündigung vor einer Woche entbrannte auf Facebook eine emotionale Debatte und Kohler schrieb etwa: «Unglaublich! Ich habe mich fast zweieinhalb Jahre engagiert und mit viel Herzblut als Stadträtin gearbeitet und mich all den politischen Spielen und Intransparenz gestellt.»

Sie sei ehrlich, transparent und authentisch, «und das sind viel zu viele Menschen in der Politik nicht», so Kohlers Fazit. Sie könne die ganze Aufregung um ihren Rücktritt nicht nachvollziehen. «Ich habe die letzten zwei Jahre meinen Job gut und mit Vollgas gemacht und werde dies noch bis Ende Mai tun. Dann kommt jemand anders. Was ganz genau ist so schlimm daran?»

Einige fühlten sich dadurch verraten und hätten nicht verstanden, «dass ich meine Arbeit einfach noch mehr Menschen zur Verfügung stellen will».

Sandra Kohler lässt also kein gutes Haar am politischen System, dem sie streng genommen ja noch immer angehört. Auf die Frage, ob Stadtammann Markus Schneider (CVP) die Äusserungen von Sandra Kohler auf den sozialen Medien gesehen habe, antwortet dieser: «Ja, aber ich möchte diese nicht kommentieren.»

Und auf die Frage, ob er respektive der Stadtrat darüber nachgedacht haben, der immer noch amtierenden Stadträtin Sandra Kohler einen Maulkorb zu verpassen, antwortet Schneider: «Nein.» Der Stadtrat habe sauber und transparent kommuniziert.

«Jetzt ist unser Fokus voll und ganz darauf gerichtet, die Aufgaben gut zu verteilen, damit die Exekutive bis zur Ersatzwahl weiterhin gut funktioniert.» Sandra Kohler wollte ihre öffentlichen Äusserungen nicht weiter kommentieren.

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