Dass Hogan den Konzern weiter leitet, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger feststeht, ist laut Analysten und Marktbeobachtern ein Hinweis darauf, dass kein Machtkampf oder ein Zerwürfnis mit dem Verwaltungsrat verschleiert werden soll. Wann Hogan abtritt, ist laut Angaben der ABB vom Freitag noch nicht definiert.

Hogan kam im September 2008 vom amerikanischen ABB-Konkurrenten General Electrics in die Schweiz. Etwa zu diesem Zeitpunkt begann die Finanzkrise mit ihrem Ursprung im US-amerikanischen Hypothekenmarkt auch die Industrie zu erfassen. Hogan reagierte mit Stellenabbau und Sparprogrammen und musste zum Teil Gewinnrückgänge, aber nie rote Zahlen vermelden.

Experten sehen es als Verdienst Hogans, dass er im heute 145'000 Mitarbeiter zählenden Weltkonzern die Profitabilität verteidigt hat. Experten der Bank Vontobel bedauerten in einem Marktkommentar Hogans. An der Börse verlor der ABB-Titel am Freitagmorgen über 1 Prozent an Wert.

Grosse Einkaufstour

"Ich werde einen möglichst reibungslosen Übergang gewährleisten, um das positive Momentum bei ABB zu erhalten," liess Joe Hogan mitteilen. Der Konzern, der in 100 Ländern vertreten ist und Bestandteile von Stromnetzen, Industrieroboter und eine Vielzahl elektronischer Komponenten herstellt, ist derzeit in einer Integrationsphase.

Unter Hogans Ägide hat die sehr liquide ABB rund 20 Mrd. Dollar für die Expansion ausgegeben. Die Zukäufe allein des Industriemotorenherstellers Baldor, des Niederspannungs-Spezialisten Thomas & Betts als auch des Softwareunternehmens Ventyx in den vergangenen drei Jahren waren jeweils Milliardenakquisitionen.

Experten erwähnten lobend, die Erweiterungen hätten Lücken im Portefeuille des Technolgiemultis geschlossen. Die Zukäufe gaben ABB zusätzlichen Schub, wobei auch kritisiert worden war, dass das schnelle Wachstum in der Energietechnik dazu geführt habe, dass der Konzern zu viele margenschwache Geschäfte übernommen habe.

Trotz eines Gewinnrückgangs im vergangenen Jahr von 15 Prozent auf 2,7 Mrd. Dollar und von 3 Prozent auf sehen die Branchenexperten die ABB operativ in einer guten Verfassung. ABB-Verwaltungsratspräsident Hubertus von Grünberg lobte Hogan indessen als "grossartigen Konzernchef". Der Konzern stehe besser da als vor fünf Jahren.

Grossverdiener Hogan

Seit Beginn seiner Amtszeit gehörte Hogan auch zu den Grossverdienern unter den Managern in den bedeutenden Schweizer Unternehmen. Sein Einzug in die ABB-Chefetage 2008 war von einer Kontroverse überschattet, weil ihn der Verwaltungsrat 13 Mio. Fr. Antrittsprämie vor allem in Form gesperrter Aktien zuteilte.

Hogan stand auch im Visier der Anlagestiftung Ethos, die Jahr für Jahr die Löhne der Schweizer Grosskonzernchefs auflistet und kritisiert. Was Hogan mit seiner Zukunft macht, wurde am Freitag nicht bekannt gegeben. Die ABB-Medienstelle gab keinen Kommentar dazu ab, ob Hogan etwa in die USA zurückzukehren gedenke.