Bezirksgericht Baden

Aargauerin fälscht sich Podologie-Ausweis – den Diebstahl streitet sie ab

Eine Podologin fälscht ein Dokument, um in den Schweizerischen Podologen-Verband SPV aufgenommen zu werden. (Symbolbild)

Eine Podologin fälscht ein Dokument, um in den Schweizerischen Podologen-Verband SPV aufgenommen zu werden. (Symbolbild)

Eine 50-Jährige kommt wegen Diebstahls vor Gericht – von der angeblichen «Beute» fehlt jede Spur. Ein anderes Delikt streitet die Frau dagegen nicht ab.

Beschuldigt des Diebstahls und der Urkundenfälschung, sass Gaby (alle Namen geändert) vor Einzelrichter Peter Rüegg: Fusspflegerin von Beruf, 50-jährig, schwarzes Haar, schwarzes, luftiges Sommerkleid, flache Sandalen mit viel Strass.

Als Klägerin war, mit Anwältin, Viola erschienen: 45-jährig, tätig in einem Medizinalberuf, blond, hautenges blau-weiss gemustertes Kleid, geschlossene Highheels.

Viola warf Gaby vor, die folgenden Gegenstände gestohlen zu haben: Ein Bild mit Buddha, eine Sitzbank mit blauem und eine Sitzbank mit rotem Stoffbezug, drei Plastikstühle und zwei Zierkissen. Zugetragen habe sich dies an vier Tagen im Januar 2017 in einer Praxis.

Dunkle Wolken am Ehehimmel

Als Zeuge schilderte Peter seine Sicht der Dinge. Der 62-jährige Arzt war seit 2015 mit Viola verheiratet und hatte mit ihr zusammen besagte Praxis betrieben. Bereits 2016 waren düstere Wolken am Ehehimmel aufgezogen und hatten sich finanzielle Probleme dazugesellt. Das Paar hatte sich getrennt und Peter die Übergabe der Praxis an einen anderen Arzt beschlossen.

«Ich hatte Gaby die Schlüssel übergeben, damit sie schauen konnte, wie es mit den Räumlichkeiten weitergehen soll», so Peter. Gaby sei eine langjährige gute Bekannte, in die er volles Vertrauen habe.» Gaby sagt, sie sei davon ausgegangen, «dass ich die Gegenstände, die Viola gehörten, in den Keller räumen durfte.»

Aversion gegen Videoaufnahmen

Was Gaby denn auch getan habe. Auf die Frage des Richters, ob er die Möbel im Keller gesehen habe, sagte Peter, er sei nie in den Keller gegangen. Viola ihrerseits betonte nachdrücklich, die Möbel seien entwendet worden. «Ich habe keine Ahnung, wo sie gelandet sind, jedenfalls definitiv nicht im Keller.»

Gaby blieb bei ihrer Version: «Ich habe eine voll eingerichtete Wohnung und ein ebensolches Podologie-Studio. Wozu hätte ich mir diese Möbel aneignen sollen?» Sie sei in der fraglichen Zeit insgesamt fünf Mal in der Praxis gewesen, davon zweimal mit Peter und einmal mit dem Praxisnachfolger. Auf die Frage, warum sie denn morgens um 5 Uhr alleine dort war, erklärte sie, weil sie später habe arbeiten gehen müssen. Tatsächlich war in der Praxis ein Video-Gerät installiert, das zweimal frühmorgens Gaby filmte. Am dritten Tag nahm das Gerät die Decke auf. Warum? «Als ich das Gerät entdeckte, habe ich es weggedreht – ganz einfach, weil ich nicht gerne gefilmt werde.»

Viola hatte Gaby bei der Polizei angezeigt und der Behörde Belege in Form von Kassenbons und Kreditkarten-Abrechnungen vorgelegt. Demnach hatten die ihrer felsenfesten Überzeugung nach gestohlenen Möbel einen Wert von 1135.85 Franken. Diesen Betrag, zusätzlich 5 Prozent Zins ab Januar 2017, forderte sie als Schadenersatz. Dazu monierte Gabys Verteidiger, dass auf dem angeblich das Buddha-Bild betreffenden Kassenbon der Migros lediglich «Fundgrube» vermerkt sei. «Auch ist der Betrag von 743.05 Franken auf der Kartenabrechnung, mit dem die drei Plastikstühle bezahlt worden sein sollen, nicht durch drei teilbar.»

In ihrem Plädoyer beantragte Violas Anwältin, Gaby müsse ihrer Mandantin zusätzlich zum Schadenersatz für den persönlichen Aufwand 4022 Franken sowie die Anwaltskosten in Höhe von 4160 Franken bezahlen und die gesamten Verfahrenskosten übernehmen.

Zeugnis aus dem Internet

Gabys Verteidiger seinerseits musste nicht nur in Sachen Diebstahl plädieren, sondern auch auf die ebenfalls angeklagte Urkundenfälschung eingehen. Die Beschuldigte hatte zugegebenermassen an ihrem PC ein Fähigkeitszeugnis erstellt, welches ihr attestierte, dass das Bildungsdepartement des Kantons Zürich sie als «Podologin EFZ» anerkennt. Mit diesem Dokument wollte Gaby in den Schweizerischen Podologen-Verband SPV aufgenommen werden. Auf Rüeggs Frage, wie genau sie zu diesem Dokument gekommen sei, schilderte Gaby, wie sie über Google eine Seite gefunden habe, auf der man solche Dokumente bestellen kann.

Der Staatsanwalt hatte eine bedingte Geldstrafe von 8400 Franken und 2000 Franken Busse beantragt. Der Verteidiger hingegen forderte einen Freispruch vom Diebstahl: «Meine Mandantin wollte sich zu keiner Zeit etwas von den Möbeln aneignen, deren Verbleib bis heute nicht nachgewiesen werden konnte.» Die Fälschung des Dokuments sei eine einmalige Entgleisung gewesen; eine bedingte Geldstrafe von 1200 Franken halte er deshalb für angemessen.

Der Richter sprach Gaby vom Vorwurf des Diebstahls nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» frei. Eine Aneignungs- oder gar Bereicherungsabsicht sei nicht nachzuweisen. Die angeklagte Urkundenfälschung sei genau genommen lediglich eine Fälschung von Ausweisen gewesen; das Verschulden eher leicht: 2400 Franken Geldstrafe, bedingt auf zwei Jahre, so das Verdikt. «Wir wundern uns allerdings sehr, dass ein solches Zeugnis aus dem Internet zu bekommen ist.» Die Schadenansprüche werden auf den Zivilweg verwiesen.

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