Baden

Aargauer Naturfotograf zeigt winzige Insekten von ihrer schönsten Seite – und arbeitet mit einer speziellen Technik

Der Badener Thomas Marent veröffentlicht ein faszinierendes Buch voll mit Hinguckern von Schweizer Krabbeltieren.

Was haben ein farbenprächtiger Schmetterling, eine lästige Mücke und die gefürchtete Wespe gemeinsam? Sie gehören zu den Insekten. Nun sind die meisten Insektenarten zwar sehr klein, und viele sind den Menschen lästig. Doch Insekten werden unterschätzt. In der Natur spielen sie eine wichtige Rolle: Sie helfen, abgestorbene Pflanzenreste und Aas zu beseitigen. Die im Boden lebenden Insekten lockern die Erde auf. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge bestäuben Blütenpflanzen. Darum geht es unter anderem im zehnten Buch des Naturfotografen Thomas Marent.

Wer in seinem Garten die Augen schliesst, erlebt ein wahres Naturschauspiel: Es summt und brummt, flirrt und schwirrt, schnarrt und zirpt. Unzählige Insekten sind die Instrumente dieses Naturkonzertes. Doch die Musik wurde in den vergangenen Jahren leiser – die heimischen Insekten sind zahlenmässig stark geschrumpft.

Für Thomas Marent sind die Biodiversität und das Insektensterben ein wichtiges Thema. Die Wurzeln des Problems seien der Gifteinsatz in der Landwirtschaft, der Verlust von naturnahen Lebensräumen und die Überbevölkerung. «Der Lebensraum der Insekten wird vom Menschen immer mehr verdrängt», sagt Marent.

In seinem Buch «Die schönsten Insekten der Schweiz» zeigt er die fotogensten Insekten der Schweiz. Von Grün, Rot bis Violett ist die ganze Farbpalette vertreten. «Nur durch die Makrofotografie kann man die wahre Schönheit dieser Lebewesen zeigen», sagt er. Auf 281 Seiten sieht man allerlei Insekten so nahe wie nie. Begleitet werden die Fotos mit Texten von Pro Natura, die aufzeigen, warum die Insekten in der Schweiz bedroht sind und welche Auswirkungen das auf unser Ökosystem hat.

Chrysochloa cacaliae.

Chrysochloa cacaliae.

Thomas Marent fotografiert neben dem Regenwald, seiner grossen Leidenschaft, genauso gern die einheimische Naturwelt von klein bis gross. «Die schönsten Insekten der Schweiz» ist sein zehntes Buch, aber das erste, das nur Bilder aus der Schweiz zeigt.

Das Zusammenstellen des Buchs ging für Marent schnell. Die meisten Bilder stammen aus seinem Archiv. Der Grossteil der Fotos ist in den letzten sechs Jahren entstanden. Doch es gibt auch Bilder, die noch länger auf ihre Veröffentlichung gewartet haben – sie sind bis zu 32 Jahre alt. Man kann also sagen: Im Buch steckt jahrelange Arbeit.

Dieser Schmetterling trägt die schönsten Farben.

Dieser Schmetterling trägt die schönsten Farben.

Für den Normalbürger wäre es schwierig, die millimetergrossen Lebewesen zu finden – nicht aber für Thomas Marent. «Ich habe jahrzehntelange Erfahrung» , sagt der 54-Jährige. Bereits als Kind war es sein liebstes Hobby, in die Natur zu gehen und die Tierwelt zu beobachten.

Seit 15 Jahren arbeitet er selbstständig als Naturfotograf und Feldbiologe. Als solcher muss er in bestimmten Gebieten überprüfen, welche Insektenarten vorkommen. Für die Fotografie ist das sehr hilfreich. «Wenn man einmal weiss, wann und wo ein Insekt zu finden ist, ist die Hälfte der Arbeit getan», sagt der Fotograf. Aber nur mit dem Wissen allein ist es noch nicht getan: 

Marent arbeitete für das Buch mit der Stacking-Fotografie. Hierbei werden fünf bis fünfzig Bilder hintereinander gemacht, bei denen sich der Fokus jeweils ändert. Am Computer fügt er die Bilder dann zusammen, und damit entsteht ein scharfes Bild. Bei dieser Technik muss das Insekt völlig ruhig bleiben. «Wenn es genau in diesem Moment windet, bin ich schon mal auf 180», sagt Marent.

Aber Misserfolge gehören für ihn dazu. Ohne sie wäre die Herausforderung nicht mehr da. Genauso enttäuscht, wie er ab und an sein kann, so glücklich ist er auch nach einem guten Schuss. «Wenn ich ein schönes Insekt finde, das sogar noch etwas Interessantes tut, flippe ich aus vor Freude.»

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