«Wir wollen alle, die uns kritisch gegenüberstehen, davon überzeugen, dass wir friedliche Menschen sind», sagte Murseli Ibraimov, Vizepräsident der islamisch-albanischen Gemeinschaft, wenige Tage vor der Eröffnung der Gebenstorfer Moschee im Mai. Der Verein hatte seinen Sitz zuvor jahrelang in Kirchdorf, doch dort wurde der Platz knapp, und die Mitglieder bauten eigenhändig eine ehemalige Pizzeria in ein Islamzentrum mit Gebets- und Schulungsräumen um. Der Bau der Moschee war äusserst umstritten: Der Gemeinderat hatte die Umbaubewilligung abgelehnt, und er gab sich erst nach jahrelanger juristischer Auseinandersetzung und einem Verwaltungsgerichtsentscheid geschlagen.

Am vergangenen Sonntag ging es in der Moschee nun alles andere als friedlich zu und her: Es kam zu einer Massenschlägerei. Öffentlich gemacht hat die Vorkommnisse die Gemeinde Gebenstorf in einer Mitteilung an die Medien; sie schreibt von handgreiflichen Auseinandersetzungen und einem Grosseinsatz der Polizei. Die Kantonspolizei bestätigt, nach dem Anruf, der um 14.15 Uhr einging, mit einem Dutzend Beamten ausgerückt zu sein und danach rund 90 Personen kontrolliert zu haben, die sich kooperativ verhielten. Zwei Verletzte hätten sich nach dem Vorfall zur Kontrolle ins Spital begeben. Grund für die Auseinandersetzungen seien «vereinsinterne Streitigkeiten» gewesen. Was genau in der Moschee passierte, war bisher nicht bekannt. Vizepräsident Murseli Ibraimov gibt nun Auskunft; er sagt, er sei unglaublich traurig über die Geschehnisse.

Imam besuchte radikale Vertreter

Das Verhältnis zum Imam sei schon in der Vergangenheit nicht einfach gewesen. Der Vorstand und die grosse Mehrheit der Mitglieder seien sunnitischen Glaubens, doch in den letzten Jahren habe der Imam – seit acht Jahren im Verein aktiv – immer weniger ihre Werte vertreten und gepredigt. Der Imam habe einen Keil in den Verein getrieben, die Mitglieder gespalten. In den vergangenen Wochen seit der Eröffnung der neuen Moschee seien vermehrt Mitglieder aufgetaucht, welche dem Imam nahe standen, erzählt Ibraimov. «Als wir erfahren haben, dass er diesen Sommer radikale Imame in Skopje besuchte, hat der Vorstand beschlossen, ihn zu suspendieren.»

Der entlassene Imam habe darum gebeten, sich am Sonntag noch von den Mitgliedern verabschieden zu können, diesen Wunsch habe der Vorstand ihm gewährt. «Nachdem er seine Abschiedsrede gehalten hatte, standen seine Unterstützer auf und wurden handgreiflich gegenüber uns, den Vorstandsmitgliedern», berichtet Ibraimov.

Er spricht von einer Massenschlägerei, zu der es in der Folge in der Moschee gekommen sei. Weil die grosse Mehrheit der Mitglieder – Ibraimov spricht von rund 90 Prozent – die Suspendierung des Imams befürwortet habe, hätten die acht Aggressoren niemanden vom Vorstand verletzt. Die zwei Personen, die mit dem Auto selber ins Spital fuhren, zählten zu den Unterstützern des Imams. «Ich bin fassungslos, dass wir intern mit Radikalismus zu kämpfen haben», sagt Murseli Ibraimov.

Ein weiteres Vereinsmitglied, das anonym bleiben möchte, bestätigt die Version des Vizepräsidenten. Als erste Massnahmen hat der Vorstand beschlossen, den acht Mitgliedern den Zugang zur Moschee zur verbieten und sie aus dem Verein auszuschliessen. Am Donnerstag findet ein Treffen mit der Polizei statt, in dem das weitere Vorgehen besprochen wird.

«Das tolerieren wir nicht»

Der Gemeinderat Gebenstorf schreibt in der Mitteilung, er werde das Gespräch mit dem Verein suchen und unmissverständlich darlegen, dass solche Vorkommnisse nicht mehr geduldet werden. Ansonsten werde er sich «entsprechende Massnahmen» vorbehalten. Welche Massnahmen gemeint sind, will Stefan Gloor, Gemeindeschreiber in Gebenstorf, nicht sagen. Klar aber ist: Bei der Moschee handelt es sich offiziell um ein Vereinslokal, und die Gemeinde hätte die Möglichkeit, die Bewilligung für den Betrieb zu entziehen und das Lokal zu schliessen. Gloor sagt: «Wir hoffen, dass es in Zukunft ruhig bleibt. Wir werden den Verein darauf aufmerksam machen, dass wir solche Vorkommnisse nicht tolerieren.» Der Gemeinderat sehe sich durch die Ereignisse von Sonntag in seinem Unbehagen bestätigt.

Wenige Tage vor der Eröffnung der Moschee hatte Gemeindeammann Rolf Senn erklärt: «Wir stehen dem Islamzentrum kritisch gegenüber. Was wir nicht wollen, ist ein zweites Winterthur, wo die Moschee zu einem Anziehungspunkt für radikale Muslime geworden ist.»