Auf seinem Prüfungsprogramm standen ein klassischer Herrenhaarschnitt, ein Kurzhaarschnitt für die Frau sowie am zweiten Frauenmodell die langen Haare färben sowie hochstecken. Bei der Bewertung wird der Herrenhaarschnitt doppelt gewertet, weil dieser mit akkurat geschnittener Nackenpartie und Ohrkonturen schwieriger zu schneiden sei.

Der Kollege als Modell

«Ich bin einer, der eher an sich zweifelt. Doch beim klassischen Herrenhaarschnitt hatte ich schon ein gutes Gefühl», erklärt der 19-Jährige schmunzelnd. Sein bester Kollege war sein Modell. Beim trendigen Frauenkurzhaarschnitt, auf der Seite kurz geschnitten und die obere Partie lang und ins Gesicht frisiert, hatte er so seine Zweifel.

Doch die sollte er sich umsonst gemacht haben. «Natürlich freue ich mich über diese Note. Gefeiert haben wir auch schon – mit meiner Freundin, der Familie und Kollegen.» Mit seinem Chef Urs Huber und mit Kollegin Natascha Wettach, die mit 5,4 im praktischen Teil ebenfalls sehr gut abschloss, ging er fein essen.

Ausbildnerin Carmen Deiss attestiert dem jungen Mann Kreativität, Ehrgeiz und eine lässige, freundliche Art. «Er kann die Leute abholen, und er arbeitet, bis er zufrieden ist.»

Als Coiffeur «vorbelastet»

Vorbilder für den Coiffeurberuf hat Fabrizio de Simone in der eigenen Familie: Vater Stefano arbeitet in den eigenen Geschäften in Baden, Grossvater Salvatore hatte den ersten Salon im Bäderquartier gegründet. Fabrizio de Simone beteuert, dass er nie in diese Fussstapfen gelenkt worden sei. Aber man habe ihn dabei immer tatkräftig unterstützt.

«Ich habe meinen Kollegen jeweils nach der Schule die Haare geschnitten», sagt er. Er wollte schon immer etwas Kreatives lernen, deshalb habe er auch einmal als Koch geschnuppert. Wegen der Arbeitszeiten habe er dann aber Richtung Coiffeurberuf tendiert. Auf die Kundinnen und Kunden eingehen, sie zu beraten, das gefällt Fabrizio de Simone.

Die eher etwas negativen Seiten seines Berufs, wie langes Stehen oder der eher bescheidene Lohn, sieht er nicht als solche an. «Den ganzen Tag zu stehen, macht mir nichts aus. Und wegen des Lohns: Wer viel arbeitet, sich engagiert und seine Kunden hat, der erarbeitet sich zusammen mit dem Trinkgeld doch einen guten Lohn.» Seinem Lehrbetrieb stellt er selber nur die besten Zeugnisse aus: «Ich habe diese Note erreicht, doch ohne die Unterstützung durch meinen Chef und das ganze Team wäre dies nicht möglich gewesen.»

Noch bis Anfang August schneidet Fabrizio de Simone in seinem Lehrbetrieb Haare. Danach arbeitet er bei seinem Vater und macht Ferien, ehe er im Oktober in die Rekrutenschule einrücken muss. Wenn er in der RS samstags frei habe, schaue er sich nach einer neuen Stelle um. «Ich möchte zuerst berufliche Erfahrungen sammeln und später auch die Meisterprüfung absolvieren.»