Baden

Aargauer Industriedesigner mit Auszeichnung bleibt bescheiden: «Ich sehe mich nicht als Künstler»

Der Badener Industriedesigner Thomas Burkard gewann mit seiner Firma jüngst zwei Awards – es waren nicht die ersten.

Der Badener Designer Thomas Burkard hat zusammen mit seinem Geschäftspartner Fabian Bernhard schon einige Auszeichnungen einheimsen können. So etwa auch für den Schalter «Cleanswitch», der perfekt zu Zeiten des Corona-Virus passt. Denn er funktioniert nicht mit Berührung, sondern über Sensoren. Dieses Beispiel zeigt, was für Burkard und seinen Geschäftspartner – ihr Büro befindet sich in Schaffhausen – im Vordergrund steht: Funktionalität.

Und ganz offensichtlich kommen die Ideen respektive die daraus resultierenden Projekte in der Fachwelt, aber auch bei den Benutzern gut an. So durfte das Büro Bernhard Burkard schon einige Design-Awards entgegennehmen. Jüngst zwei German Design Awards für zwei Produkte der Firma Stadler Form mit Sitz in Zug. Das Unternehmen entwirft, entwickelt und stellt Haushaltsgeräte her und gehört zu den Hauptauftragsgebern von Bernhard Burkard. Ausgezeichnet wurden der Turmventilator «Peter» und der Tischventilator «Tim» (siehe Fotos). «Für uns sind solche Auszeichnungen eine grosse Ehre. Und natürlich helfen sie, dass unsere Firma und unsere Produkte, mehr Beachtung finden», sagt Burkard.

«Architekt wollte ich nicht unbedingt werden»

Der 38-Jährige ist in Freienwil aufgewachsen und lebt heute in Baden. Nach der Bezirksschule in Endingen und der Kanti in Baden («ich habe den Typus E, also Wirtschaft, absolviert, weil ich keinen Plan hatte, was ich später mal machen soll») studierte Burkard zwei Jahre an der Uni Zürich Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. «Mich hat schon immer interessiert, was und weshalb etwas in der Gesellschaft passiert.» Nach zwei Jahren brach Burkard das Studium ab. «Ich bin nicht so der Akademiker», sagt er lachend.

Er besuchte danach während eines Jahres den Vorkurs in Basel, um danach während dreier Jahre an der Fachhochschule in Aarau Industriedesign zu studieren. «Als Sohn und Neffe von Architekten wollte ich nicht unbedingt Architekt werden, doch Design und Funktionalität übten schon früh eine Faszination auf mich aus.» Nach Abschluss des Bachelors arbeitete Burkard ein halbes Jahr in Hongkong bei Michael Young, einem weltweit bekannten Designer. «Das war eine extrem spannende und vor allem lehrreiche Zeit», erinnert sich Burkard. Zurück in der Schweiz gründete er zusammen mit seinem Studienkollegen Fabian Bernhard aus Schaffhausen das eigene Büro. «Es gibt in diesem Bereich sehr wenige Jobs; der Sprung in die Selbstständigkeit war naheliegend.» Er wie auch sein Partner hätten am Anfang aber nur rund 20 Prozent selbstständig gearbeitet. «Daneben ging ich bei einer Fassadenplaner-Firma in Baden einem klassischen, aber gleichzeitig auch sehr spannenden Brotjob nach.» Erst seit rund vier Jahren würden er und Fabian Bernhard komplett von der Selbstständigkeit leben.

Doch was genau macht ein Industrie-Designer? «Es geht um die Formgebung eines Produkts. Vergleichbar mit der Arbeit eines Architekten, der Gebäude entwirft.» Der Industriedesigner stelle quasi die Scharnierfunktion zwischen Ingenieur und Endverbraucher dar, wobei Letzterer klar im Fokus stehe, so Burkard. Natürlich spiele das Aussehen – also das klassische Design – eine wichtige Rolle. «Aber die Funktionalität steht klar im Vordergrund. Wir wollen etwas entwerfen, das dem Benutzer, ja, man kann durchaus sagen: der Gesellschaft, etwas bringt», erklärt Burkard, um gleich folgenden spannenden Satz anzufügen: «Wir wollen keine Kunst machen, sondern sehen uns als Dienstleister.»

Lautsprecher ist im Museum für Gestaltung zu sehen

Deshalb arbeite man vor allem mit grossen Firmen wie etwa Stadler Form zusammen und stelle durchaus auch Massenartikel wie den oben erwähnten Schalter her. «Dabei ergänzen Fabian und ich uns sehr gut. Er kommt von der Kunststoffwelt, ich bringe Erfahrungen mit Metal und Glas mit.» Dass sie beide nicht über eine handwerkliche Grundausbildung verfügten, erachtet Burkard nicht als Nachteil. «Im Gegenteil: Wir gehen mit dem Blick von aussen an die Projekte und hinterfragen eher mal etwas als klassische Fachidioten», so Burkard mit einem Schmunzeln.

Massenprodukt hin oder her: Natürlich sei man erfreut, wenn sich ein Produkt wegen seiner Gestaltung nachhaltig einpräge. Stolz ist Burkard, dass der von ihnen entworfene tragbare Lautsprecher «Ballo» aus dem Jahr 2012 im Museum für Gestaltung in Zürich – «nebst anderen Design-Ikonen» – ausgestellt wird. «Aber auf so etwas kann man nicht gezielt hinarbeiten oder hin-designen. Das kann passieren, und dann ist es auch gut», sagt Burkard. «Nochmals: Wir sehen uns nicht als Künstler, die auf den grossen Wurf hoffen.»

Burkard ist stolz, zusammen mit seinem Geschäftspartner in den letzten Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben und heute von seiner Arbeit leben zu können. «Sicherheit gibt es in unserem Metier nie. Aber wir sind heute doch so gut aufgestellt, dass wir auch mal eine schlechtere Phase überstehen.» Schon heute beschäftigt das Büro eine Mitarbeiterin. «Es ist durchaus denkbar, dass wir in Zukunft noch wachsen. Doch ich will nie einfach nur der Aussendienstleister meiner eigenen Firma sein, der nur noch Aufträge reinholt», sagt Burkard. «Vielmehr ist es das praktische Designen und Entwerfen, das mir bis heute am meisten Freude bereitet.»

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