April-Frost

Aargauer Gemüsebauer und Winzer zittern vor der Kälte: «Schon bei 0 Grad wird es heikel»

Der Wettinger Tobias Lüscher versucht, seine Erdbeeren mit Wasser vor dem Frost zu schützen.

Der Wettinger Tobias Lüscher versucht, seine Erdbeeren mit Wasser vor dem Frost zu schützen.

Gemüsebauern und Winzer fürchten in den bevorstehenden Nächten mit Minustemperaturen um ihre Ernte.

Gestern und vorgestern hat es bereits geschneit, und für die kommenden Nächte sind in der Region Minustemperaturen vorhergesagt: Für Landwirtschaftsbetriebe eine Zeit des Bangens und Hoffens. Wie schon im vergangenen Jahr ist die Ernte wegen der tiefen Temperaturen bedroht. Tobias Lüscher vom Lüscherhof in Wettingen: «Vor allem unsere Erdbeeren sind gefährdet. Wir treffen so viele Vorbereitungen wie möglich, um zu verhindern, dass sie kaputt gehen.»

In den kommenden Nächten stellen er und sein Vater den Wecker nachts jede Stunde, um die Temperatur zu überprüfen. «Wir haben Wassersprinkler gelegt, die wir bei Bedarf anstellen können. Wenn es kalt wird, lassen wir sie laufen, damit sich eine Eisschicht bildet.» Diese Schicht schütze die Erdbeeren vor Schnee und Hagel, zudem liege die Temperatur unterhalb der Schicht nur wenig unter 0 Grad.

«Unter der Eisschicht ist es dann noch warm genug für die Erdbeeren», erklärt Lüscher. Ausserdem gebe es die Möglichkeit, den Boden mit Stroh zu belegen, was die Wärme ein wenig länger speichere. «Trotz dieser Massnahmen können wir aber nie sicher sein, dass wir die Erdbeeren schützen können.» In den vergangenen Jahren habe er sich an Kälteperiode im Frühling gewöhnt. «Frost gehört leider fast jedes Jahr dazu», sagt Lüscher.

Vor allem auch Kirschen seien in den kommenden Nächten einer Belastungsprobe ausgesetzt, sagt Othmar Eicher vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. «Bereits bei einer Temperatur um 0 Grad kann es heikel werden.» Gefriert das Wasser in der Frucht, drohen die Kirschen zu platzen. «Es gibt die Möglichkeit, einen Witterungsschutz zu montieren, der vor Schnee und Hagel schützt und die Wärme bewahren kann. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass dieser Schutz unter dem Gewicht des Schnees einstürzen könnte. Oder aber bietet es sich an, Kerzen anzuzünden, um für Wärme zu sorgen.» All diese Massnahmen seien aber kostenintensiv. «Es sind schwierige Entscheidungen, die Landwirtschaftsbetriebe fällen müssen», sagt Othmar Eicher.

Winzer Pirmin Umbricht aus Untersiggenthal: «Natürlich ist die bevorstehende Kälte ein grosses Thema bei uns. Es gibt relativ wenig, was man zum Schutz der Trauben machen kann.» Manche Winzer stellen Wärmekerzen auf, die seien aber erstens teuer, zweitens ausverkauft und drittens sei der Nutzen fraglich. «Wir verzichten auf solche Kerzen. Es bleibt uns nichts anderes übrig als zu hoffen, dass die Kälteperiode nicht so endet wie vergangenes Jahr, als wir 50 Prozent der Ernte verloren», sagt Pirmin Umbricht.

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