Es ist 19 Uhr, als die Schiedsrichterin Anfang Woche im Stadion in Biel das Halbfinal-Rückspiel der WM-Barrage gegen Belgien anpfeift. Über 2600 Zuschauer feuern die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft der Frauen an.

Unter den elf Schweizerinnen ist auch Malin Gut (18) aus Niederrohrdorf. Nach dem Halbfinal-Hinspiel in Louvain (Bel) in der Woche zuvor läuft sie in Biel zum zweiten Mal für die A-Nationalmannschaft auf. Dabei zeigt die Mittelfeldspielerin mit der Nummer 16 eine hervorragende Leistung. Sie verliert kaum einen Zweikampf und kaum einen Ball. Der Kampfwille zahlt sich aus: Dank einer gut organisierten Abwehr und der Auswärtstor-Regel qualifizieren sich die Schweizerinnen mit einem 1:1 für den WM-Barrage-Final.

«Noch habe ich nicht richtig realisiert, was in den letzten Tagen alles passiert ist», sagt Malin Gut und schmunzelt. Nicht nur, weil es ihr erster Einsatz für die A-Nati war, sondern auch, weil das Team nun einen Schritt näher an die Qualifikation für die WM gerückt ist, die 2019 in Frankreich stattfindet. «Ich ging ohne allzu grosse Erwartung in den Zusammenzug. Nie hätte ich geglaubt, dass ich gleich zu einem Einsatz kommen würde», sagt Gut, die seit drei Jahren für den FC Zürich spielt. Als Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg sie sowohl im Hin- als auch im Rückspiel für je 90 Minuten auf den Rasen schickte, war sie überrascht und glücklich zugleich. «Es war ein super Gefühl, vor Tausenden von Zuschauern zu spielen. Und in Biel vor heimischem Publikum sowieso.»

«Der Aufwand ist es mir wert»

Für Malin Gut ist der Einzug in den WM-Barrage-Final der bisher grösste Erfolg in ihrer Fussballkarriere. Wobei: Sie hat bereits einiges erreicht. So wurde Gut nicht nur zwei Mal Schweizer Meister und zweimal Cup-Sieger mit dem FCZ, sondern führte an der Heim-Europameisterschaft diesen Juli auch die U-19-Auswahl als Captain an. Mit dem Aufgebot in die A-Nati hat sie ein grosses Ziel erreicht. «Das war schon immer ein Traum von mir. Dass ich diesen nun verwirklicht habe, macht mich stolz und freut mich sehr.» Gefreut hat sie auch, dass sie von ihren Kolleginnen gut aufgenommen wurde und sich im Team auf Anhieb wohlgefühlt hat.

Die Leidenschaft und die Faszination für Fussball hat Malin Gut als Kind entdeckt: Seit ihrem fünften Lebensjahr kickt sie – erst in Däniken, dann beim FC Fislisbach, wo sie ihre erste Lizenz löste. Später wechselte sie zum FC Baden, ehe sie 2015 den Schritt zum FC Zürich und somit in die Nationalliga A machte. Um die fussballerische Ausbildung beim Schweizer Rekordmeister und die schulische Ausbildung unter einen Hut zu bringen, besucht sie das Sportgymnasium in Zürich. Dass sie für die Schule und das Training rund eine Stunde pro Tag pendeln muss, nimmt sie in Kauf. «Klar, der Aufwand ist gross. Doch er ist es mir wert. Beim FCZ fühle ich mich sehr gut aufgehoben.»

«Ich bin gerne zu Hause»

Derzeit hat Gut Schulferien und kann sich auf die Trainingseinheiten mit dem FCZ konzentrieren. Diese finden täglich in der Sportanlage Heerenschürli in Schwamendingen statt. «Ich geniesse es, dass ich mich voll auf den Fussball fokussieren kann.» Die schulfreie Zeit nutzt sie aber auch, um mit Freunden abzumachen und bei ihrer Familie in Niederrohrdorf zu sein. «Ich bin sehr gerne zu Hause und bin meinen Eltern dankbar, dass sie mich unterstützen.»

Zu einem ausländischen Verein zu wechseln, so wie es ihre Nati-Kollegin Lia Wälti (25) tat und jetzt bei Arsenal spielt, kommt für sie derzeit nicht infrage: «Erst 2020, wenn ich die Matura und die Ausbildung beim FCZ abgeschlossen habe, wird es für mich ein Thema.»

Anfang November wartet erst einmal im WM-Barrage-Final der amtierende Europameister Holland auf Malin Gut und ihre Nati-Teamkolleginnen. «Holland ist definitiv Favorit und eine Stufe grösser als Belgien», sagt sie und fügt an: «Aber wenn wir nun den Schwung der letzten beiden Spiele mitnehmen und unsere beste Leistung abrufen können, ist alles möglich.»

Noch bevor es in den Zusammenzug und nach Holland geht, steht nächsten Mittwoch für Gut das Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen den FC Bayern München an.