Untersiggenthal
Aargauer Forscher will das Unsichtbare sichtbar machen

Florian Döring aus Untersiggenthal gewinnt mit seinem Start-up XRnanotech den Cern-Förderpreis für seine Röntgenoptiken. Damit erhält er 50'000 Franken und Zugang zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Einrichtungen der Schweiz – das Paul-Scherrer-­Institut und das Cern in Genf.

Andreas Fretz
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Unternehmerisch denkender Forscher: Florian Döring sorgt mit Röntgenoptiken für Aufsehen.

Unternehmerisch denkender Forscher: Florian Döring sorgt mit Röntgenoptiken für Aufsehen.

zvg

«Die Linsen sind das Herzstück eines jeden Mikroskops», sagt Florian Döring. Der 31-Jährige weiss, wovon er spricht. Mit seinem Start-up-Unternehmen hat er bereits den Weltrekord in der Fokussierung von Röntgenstrahlen gebrochen. Dabei wurde die Firma XRnanotech erst im Februar 2020 gegründet. Dörings neuartige Röntgenoptiken erlauben einen tieferen Einblick in die Materie als je zuvor.

Solche Leistungen bleiben in der Regel nicht unbemerkt. So auch in diesem Fall: Denn nun hat XRnanotech den Förderpreis des Schweizer Inkubationszentrums BIC of Cern Technologies 2020 gewonnen. Der Preis wurde vom Park Innovaare in Villigen und dem Cern in Genf ins Leben gerufen und wird vom Paul-Scherrer-Institut (PSI) und der Fachhochschule Nordwestschweiz unterstützt.

Viren visualisieren und Chips untersuchen

Das junge Aargauer Start-up unter der Leitung des Untersiggenthaler Physikers erhält 50000 Franken, erleichterten Zugang zu Patenten des Cern und des PSI sowie Business Coaching durch die Fachhochschule Nordwestschweiz über die nächsten zwei Jahre. Das Hightech-­Start-up mit Sitz an der Forschungsstrasse 111 am PSI in Villigen konnte die 6-köpfige Jury von seinen innovativen Röntgenoptiken überzeugen, welche einmalige Einblicke in kleinste Strukturen ermöglich. Diese erlauben es, Transistoren in Mikrochips genauer zu untersuchen oder neuartige Viren oder Bakterien zu visualisieren. Davon kann nicht nur die Hightech-­Industrie, sondern auch die ­Arzneimittelforschung zukünftig profitieren.

Döring hat in Göttingen (D) Physik studiert. Nach der Doktorarbeit hat er am PSI in Villigen zu arbeiten begonnen. Seit bald vier Jahren lebt er in der Schweiz. Die Firma, die er Anfang des Jahres gegründet hat, zählt inzwischen sechs Mitarbeitende. Entstanden ist sie aus einem sogenannten Spin-off des Paul-Scherrer-Instituts.

Im Wettbewerb hat sie sich gegen eine Vielzahl von Bewerbern aus dem In- und Ausland durchgesetzt. «Für uns ist es eine grosse Ehre, durch die beiden bedeutendsten wissenschaftlichen Einrichtungen der Schweiz – das Paul-Scherrer-­Institut und das Cern – gefördert zu werden», sagt Döring. Die Kombination der herausragenden Technologien beider Institutionen erlaube es, künftig noch bessere Bilder von noch kleineren Strukturen zu erzeugen. Einziger kleiner Wermutstropfen: Aufgrund der Coronapandemie fand die Verleihung nicht im Park Innovaare, sondern bloss online statt.

Der Projektleiter des Cern, Ashwin Ravikumar, begründet die Wahl des Siegers folgendermassen: «Florian Döring ist ein unternehmerisch denkender Forscher, der nicht nur die Tiefe der technischen Expertise transferieren kann, sondern auch mit Leichtigkeit über Go-to-Market-­Strategien diskutieren kann. Deshalb prophezeien wir XRnanotech viel Erfolg.»

Die Vision: Das Unsichtbare sichtbar machen

Döring sagt: «Unsere Vision ist es, das bisher Unsichtbare sichtbar zu machen.» Vom Förderpreis erhofft er sich neue Entwicklungs- und Produktmöglichkeiten und nicht zuletzt den Zugang zu neuen Märkten. Bisher kommen die Kunden aus der Forschung und Entwicklung und aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, Schweden oder Grossbritannien.

Dörings Firma ist nicht die einzige aus der Region, die mit ihrer Röntgentechnologie für Aufsehen sorgt. So wurde mit den Hightech-Röntgengeräten der Firma Dectris aus Dättwil das Coronavirus erforscht. Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr, ist Döring überzeugt: Die Synchrotron-Lichtquelle Schweiz am PSI, eine Art Kombination aus Röntgengerät und Mikroskop, bereichere die Forschung ungemein.