Würenlos

84-Jährige wehrt sich gegen Post-Schliessung: «Wollen nicht zwischen Rüebli und Chabis Pakete abholen»

Wenn Sonja Vionnet (l.) fragt, unterschreibt praktisch jeder die Petitionfür den Erhalt einer richtigen Post in Würenlos.

Wenn Sonja Vionnet (l.) fragt, unterschreibt praktisch jeder die Petitionfür den Erhalt einer richtigen Post in Würenlos.

Die 84-jährige Sonja Vionnet sammelt Unterschriften gegen die Post-Schliessung in Würenlos. «Wir wollen nicht zwischen Rüebli und Chabis Pakete abholen müssen.»

Mit ihrer Ankündigung vom Februar, dass die Post-Filiale in Würenlos geschlossen werde und in einem Partnergeschäft ein bedienter Schalter als Postagentur eröffnet werden solle, hat die Post für einigen Gesprächsstoff gesorgt im Dorf.

Der Gemeinderat zeigte sich enttäuscht, dass Würenlos mit seinen immerhin 6300 Einwohnern nur noch eine bediente Postagentur haben soll. «Gerade für ältere Menschen ist es sehr gewöhnungsbedürftig, wenn sie am Schalter keine Rechnungen mehr zahlen oder kein Geld mehr abheben können», sagte Gemeindeammann Hans Ulrich Reber im Februar gegenüber der az.

Eine dieser Kundinnen ist die 84-jährige Sonja Vionnet. Sie kann für die Pläne des gelben Riesen überhaupt kein Verständnis aufbringen und hat deshalb eine Petition lanciert. Vor der Post, dem Coop und in Restaurants sammelt sie Unterschriften «für den Verbleib der Poststelle in Würenlos». Innert drei Wochen sind bereits 250 Unterschriften zusammengekommen. «Es gibt kaum jemanden, der nicht bereitwillig unterschreibt», sagt Vionnet. «Wir – die Unterzeichnenden dieser Petition – wehren uns entschieden gegen einen Abbau der Postversorgung in der Gemeinde Würenlos», lautet die klare Ansage auf dem Unterschriftenbogen.

«Wir sind 6300 Einwohner, und es werden in der Zukunft noch mehr. Da kann es doch nicht sein, dass wir zwischen Rüebli und Chabis Pakete abholen müssen», sagt die Rentnerin. Komme hinzu, dass viele ältere Menschen nicht so mobil seien, um nach Wettingen oder Spreitenbach zu fahren und ihre Einzahlungen auf den dortigen Poststellen zu tätigen.

Eine Post fürs Volk

Wenn Vionnet vor der Würenloser Post Unterschriften sammelt, trifft sie inzwischen Leute aus anderen Gemeinden, weil die dortigen Postfilialen geschlossen wurden. «Die Post hat einen Service-public-Auftrag, den sie erfüllen soll», sagt Vionnet und fügt an: «Ich wünsche mir einfach eine Post fürs Volk, die solidarisch auch an jene denkt, die nicht so mobil sind oder sich schwertun mit der Digitalisierung.» Doch abgesehen davon gehe es ihr auch um die Arbeitsplätze, die verloren gehen – nicht nur jene in Würenlos.

Unterstützung erhält Vionnet von Monica Santandrea. Ihr Geschäft, Moni’s Allerlei, liegt einen nur Steinwurf von der Post entfernt. Wegen des Ladens geht sie selber mindestens zweimal in der Woche zur Post. «Es hat immer Leute, wenn ich dort bin», erzählt sie. Oft müsse man auch Schlange stehen. Praktisch jede Person, die sie um eine Unterschrift für die Petition gebeten hat, unterstützt das Anliegen.

Mymaps: Gefährdete Poststellen

Vionnet erhofft sich mit der Petition, dass der Gemeinderat versuchen wird, die Post im Dorf zu erhalten. Doch Illusionen macht sich die kontaktfreudige Rentnerin nicht: «Die Chance, dass es klappt, ist klein, denn gegen ein Unternehmen wie die Post kommen wir kaum an.» Trotzdem komme es für sie überhaupt nicht infrage, einfach nichts zu tun und die Faust im Sack zu machen. Im Gegenteil: Vionnet will am liebsten 2500 Unterschriften oder sogar noch mehr sammeln. «Allerdings will ich die Petition gegen Ende April dem Gemeinderat überreichen, bevor definitiv entschieden wird, was mit der Post geschehen soll.»

Vonseiten der Gemeinde heisst es, dass mit der Post noch keine weiteren Gespräche stattgefunden hätten. Der Gemeinderat ist sich aber einig, dass
eine richtige Poststelle die beste Lösung für die Gemeinde wäre. Im Fall eines Wechsels von der heutigen Post zu einer Postagentur hat der Gemeinderat seine Anliegen gegenüber der Post klar geäussert: Die Agentur soll im Zentrum der Ortschaft sein; die Postfächer sollen erhalten bleiben und die Gewerbebetriebe müssen alle relevanten Post-Dienstleistungen, die sie nutzen, in Würenlos tätigen können. Es könne nicht sein, dass die ortsansässigen Firmen nach Spreitenbach oder Wettingen zur Post müssen.

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