Gluri-Suter-Huus

400 Kilogramm schwer und über 500 Stunden Arbeit: Wettingen erhält eine monumentale Skulptur

Schon bei der Installation im Gluri Suter Huus war der Publikumsaufmarsch gross.

Marc Seidel, Kurator des Eduard Spörri Museums vor dem neuen 'Fruchtkörper' von Micha Aregger (Bild ub)

Marc Seidel, Kurator des Eduard Spörri Museums vor dem neuen 'Fruchtkörper' von Micha Aregger (Bild ub)

«Wer mehr Kultur und Kunst konsumiert, ist besser gegen Corona immunisiert als alle anderen», meint der Wettinger Gemeinderat Philippe Rey an der Vernissage zur Ausstellung «Schöne heile Welt» im Gluri-Suter-Huus herausfordernd. Die Eröffnungsrede von Leiterin Sarah Merten findet im Freien statt. Drinnen besteht während der Vernissage Maskentragpflicht. Vier Kunstschaffende thematisieren mit ihren Exponaten, dass sich auch in den unheilvollen Seiten der Welt oft eine bizarre Schönheit verbirgt.

Ein paar Häuser weiter liegt das Eduard Spörri Museum. Die dortige Ausstellung «Freidimensional – Sachen & Dinge im Weltformat» wird wegen Corona bis zum 29. November verlängert und mit Objekten der Künstlerin Aletheia Zoeys ergänzt.

Der Fruchtkörper ist 400 Kilogramm schwer

Besonders stolz ist Kurator Marc Seidel auf die zwei neuen monumentalen Skulpturen, die im Aussenbereich die lebensgrossen Skulpturen von Eduard Spörri ergänzen. Eyecatcher ist der leuchtend orangefarbene Fruchtkörper von Micha Aregger. Der Künstler hat sich von mathematischen Konstellationen in der Natur inspirieren lassen und in 500 Stunden Arbeit ein 400 Kilogramm schweres Gebilde aus 3500 Knetmasse-Körnern hergestellt. Im Kontrast dazu steht die schlichte, auf das Minimum reduzierte Stahlstele von James Licini. Schon bei der Installation der Kunstwerke war der Publikumsaufmarsch gross. Seidel: «Das Museum braucht unbedingt Lebendigkeit und keine schwere Trägheit. Ich will weiterhin den Dialog mit der Öffentlichkeit suchen.»

Bilder von Missbildungen bei Insekten

Zurück zum Gluri Suter Huus: Cornelia Hesse-Honegger erforscht, wie sich Kleinstmengen radioaktiver Strahlung auf Insekten auswirken. Die mikroskopischen Vergrösserungen der Zürcherin zeigen sowohl Missbildungen als auch die faszinierende Schönheit der Kleinstlebewesen. Der chaotische Stadtmoloch, den Ingo Giezendanner aus Zürich auf seiner raumfüllenden Filzstiftzeichnung darstellt, scheint den Betrachter auf den ersten Blick zu verschlingen.

Thomas Ott aus Zürich ist ein international bekannter Schweizer Comic-Autor. Auf seinen Bildern seziert er menschliche Körper und gibt den Blick auf die inneren Organe frei. Der Kreative sieht seine Werke als Symbol für tiefe Verletzungen, Gefühle oder Gedanken, die sich unter der Oberfläche verbergen. Lika Nüssli aus St.Gallen machte kurz vor der Ausstellung in Wettingen einen Atelieraufenthalt in Belgrad. Dort entstanden viele Werke, die es wegen der Pandemie nicht mehr rechtzeitig in die Schweiz schafften. Auf einem riesigen Schriftband schreibt sie eindrücklich über ihre Emotionen während der siebenwöchigen Isolation in der serbischen Hauptstadt.

Wettingen steht unter grossem Spardruck. «Es wurde sogar schon vorgeschlagen, das Gluri Suter Huus abzuschaffen oder zu privatisieren», verkündet Philippe Rey während der Vernissage, «doch dagegen setze ich mich vehement zur Wehr.»

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