Diverse Gebäude in Baden stehen unter kantonalem Denkmalschutz – beispielsweise das Landvogteischloss, das Stadthaus oder die katholische Kirche. Die Stadt hat von sich aus weitere Objekte als schützenswert definiert: Eine aktualisierte Liste dieser sogenannten Baudenkmäler hat der Regierungsrat letzten Monat zusammen mit der neuen Bauordnung bewilligt.

Das Verzeichnis ist von bisher 40 auf neu 70 Gebäude erweitert worden. Die Baudenkmäler zeichnen sich unter anderem aus durch ihre besondere architekturhistorische, städtebauliche oder historische Bedeutung.

Merker-Areal: «Klosterähnlich»

Drei besonders augenfällige Gebäude gelten neu als schützenswert: Erstens das «Gelbe Viereck», besser bekannt unter dem Namen «Merker-Areal». Es entstand zwischen 1889 und 1899 als Produktionsstandort der gleichnamigen Blechwarenfabrik und wurde in den folgenden Jahrzehnten verdichtet.

Die Begründung der Stadt für die Aufnahme in das Verzeichnis der Baudenkmäler: «Die klosterähnliche Anlage prägt das Stadtbild des bedeutenden Industriestandorts Baden entscheidend mit.»

Die Firma Merker sei von grosser lokalgeschichtlicher Bedeutung für Baden. Sie habe mehrere Hundert Arbeitsplätze für die ganze Region geboten und auch das angrenzende Martinsberg-Quartier mit zahlreichen Wohnbauten für Arbeiter und höhere Angestellte geprägt.

AZ-Hochhaus: «Elegante Lösung»

Auch das AZ-Hochhaus an der Bruggerstrasse, in der sich unter anderem die Redaktion des «Badener Tagblatts» befindet, hat die Stadt als schützenswertes Baudenkmal definiert. Aufgrund der städtebaulichen Dominanz sind alle Hochhäuser mit acht und mehr Geschossen Bestandteil der Verzeichnisse.

Das AZ-Hochhaus wurde 1962 im Zuge der Verkehrssanierung rund um den Bahnhof als Ersatz für die alte Buchdruckerei Wanner auf einem relativ kleinen, dreieckigen Grundstück erstellt. Begründung der Stadt für die Schutzwürdigkeit: «Die elegante architektonische Lösung des AZ-Hochhauses auf einer nicht leicht zu überbauenden Parzelle zeugt von der Qualität des Entwurfs, der sich durchaus in die Reihe der gelungenen Hochhausbauten der Schweiz einreihen darf.»

Das Hochhaus der Badener Architekten Bölsterli und Weidmann folge den architektonischen und planerischen Vorgaben des Internationale Style, der sich von den USA aus seit den frühen 1950er-Jahren weltweit verbreitete.

NOK-Gebäude: «Strenge Form»

Drittes bekanntes Beispiel eines Gebäudes, das neu unter Schutz steht, ist das Verwaltungsgebäude der NOK (heute Axpo) an der Parkstrasse 23. Es präge das Erscheinungsbild des Quartiers rund um den Kurpark durch sein Volumen und die strenge Formgebung.

Entworfen wurde es 1927 von den Gebrüdern Pfister, die zu den bedeutendsten Architekten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Schweiz zählten, schreibt die Stadt. «Die starke formale Ähnlichkeit zur Nationalbank an der Börsenstrasse in Zürich zeigt eine direkte Verbindung zu einem ihrer Hauptwerke auf.»

Zwei Beschwerden

Bei einer Vielzahl der 30 Gebäude, die neu unter Schutz stehen, handelt es sich um Einfamilienhäuser. Ist es für die Eigentümer mehr Ehre oder Bürde, wenn ihr Gebäude unter Schutz gestellt wird?

«An dieser Frage scheiden sich die Geister», sagt Gabriela Barman, Fachspezialistin für Baubewilligungen bei der Stadt Baden. «Wir gehen davon aus, dass die Liegenschaften eine Wertsteigerung erfahren. Denn es gibt Käufer, die bereit sind, für die besonderen Qualitäten der Häuser entsprechend mehr zu bezahlen.

Die Eigentümer sehen die Unterschutzstellung zum Teil aber auch als wertmindernde Eigentumsbeschränkung an.» Denn die Klassifizierung als Baudenkmal hat zur Folge, dass die Gebäude grundsätzlich nicht abgerissen oder beeinträchtigt werden dürfen.

Nur wenn wichtige Gründe dies rechtfertigen, könnte der Stadtrat Ausnahmen bewilligen. Und bei Bauvorhaben wie etwa Renovationen oder Umnutzungen müssen die Charakteristiken des Baudenkmals erhalten bleiben.

Zwei Beschwerden sind gegen die Unterschutzstellung denn auch eingegangen und noch hängig. Die Eigentümer wollten sich auf Anfrage wegen des noch laufenden Verfahrens nicht zu den Gründen für ihre Beschwerden äussern.

Ehre oder Bürde? Für Hans Wanner, Haupteigentümer des AZ Hochhauses, ist die Unterschutzstellung in erster Linie eine Auszeichnung und Bestätigung für die hohe Qualität des Baus. Er sei dem Denkmalschutz gegenüber positiv eingestellt. «Zwar werden wir uns in einigen Jahren allenfalls mit Auflagen befassen müssen. Ich bin aber zuversichtlich, dass der Denkmalschutz nicht nur den Status quo einfrieren will, sondern auch Veränderungen zulässt», sagt Hans Wanner. «Klar ist, dass die Qualität der Neuerungen hohen Ansprüchen genügen muss.»