Baden

2,65 Millionen für eine neue 5,5-Zimmer-Wohnung: Der Immobilienmarkt boomt trotz Corona

So wird die Überbauung an der Römerstrasse aussehen: 2,65 Mio. Franken kostet eine 5,5-Zimmer-Wohnung.

So wird die Überbauung an der Römerstrasse aussehen: 2,65 Mio. Franken kostet eine 5,5-Zimmer-Wohnung.

In Baden werden aktuell trotz Coronavirus Höchstpreise bezahlt: Fast alle 78 Eigentumswohnungen an der Römerstrasse sind im Nu vergeben worden. Die Nachfrage nach Eigentum ist in Baden enorm gestiegen — im Zentrum herrschen beinahe schon Zürcher Verhältnisse.

«Corona infiziert die Immobilienbranche», oder «der Schweizer Immobilienmarkt wackelt»: So lauteten Schlagzeilen diesen Frühling. Die Pandemie habe Auswirkungen auf die Preise für Eigentum, waren sich viele ­Experten einig. Zumindest kurzfristig überhaupt nichts zu spüren ist von einer Immo-Krise in Baden, wie das Beispiel der ­neuen Wohnüberbauung am Römerweg zeigt.

78 Eigentumswohnungen entstehen auf dem Areal direkt oberhalb der Limmat. Noch sind die vier ehemaligen BBC-Pavillons zu sehen, in denen bis zum Umzug an die Bruggerstrasse im April 2019 die Schweizer Niederlassung des italienischen Gasturbinenherstellers Ansaldo angesiedelt war.

Die Bauarbeiten an der Römerstrasse in Baden laufen. Die Pavillons werden zu Wohnungen umgenutzt.

So sehen die ehemaligen ABB-Pavillons aus

Die Bauarbeiten an der Römerstrasse in Baden laufen. Die Pavillons werden zu Wohnungen umgenutzt. 

Doch schon bald wird in die Höhe gebaut: Der Bezug der Wohnungen (die Pavillons werden umgebaut und umgenutzt) ist für 2022 vorgesehen. Wer einziehen wird, steht bereits fest: 60 der neuen Wohnungen sind verkauft worden, weitere 15 reserviert, wie der Website der Firma Markstein, die für die Vermarktung zuständig ist, zu entnehmen ist.

2,65 Millionen Franken für fünfeinhalb Zimmer

Und dies, obwohl die Preise für die Wohnungen im «einzigartigen Stil, der modernes Wohnen mit industriellem Flair kombiniert», nicht gerade bescheiden sind. Die zwischen 2,5 und 5,5 Zimmer grossen Objekte kosten zwischen 590'000 Franken und 2,65 Millionen Franken. Die Nachfrage nach Eigentum sei in Baden enorm, sagt Karin Hochuli von der Firma Markstein. Das zeige sich am Beispiel Römerstrasse exemplarisch.

Die Coronakrise habe den Immobilienmarkt in Baden nicht verändert, sagt auch Beat Villiger, Leiter Vermarktung bei der André Roth AG. «In Baden, Wettingen und Ennetbaden gehen die Objekte nach wie vor weg wie frische Weggli, und das zu Höchstpreisen», sagt er. Womöglich sei Eigentum wegen Corona sogar noch gesuchter als vorher: «Die Menschen sind noch mehr zu Hause als früher, und es wird ihnen bewusst, wie wichtig schönes Wohnen für sie ist.»

Blick mit Google Earth auf die vier Pavillons

Blick mit Google Earth auf die vier Pavillons

In Badens Zentrum seien die Preise für Eigentum längst mit Zürcher Verhältnissen vergleichbar, sagt Villiger weiter. «Ich könnte mir vorstellen, dass es auch den einen oder anderen Zürcher Stadtflüchtling nach Baden zieht. Für die Stadt spricht die schnelle Anbindung mit dem öffentlichen Verkehr nach Bern, Basel und Zürich. Gleichzeitig biete Baden doch noch mehr Freiraum als Zürich, die Stadt biete in unmittelbarer Nähe Urbanität und Naherholung.

Viele Zürcher ziehen nach Baden

Elmar Ludl von Engel & Völkers in Baden: «Corona hat keinen Einfluss. Das liegt einerseits natürlich an der begehrten Wohnlage des Dreiecks Baden, Ennetbaden und Wettingen. Andererseits aber auch an den tiefen Zinsen, wegen der sich der Kauf von Eigentum mehr denn je lohnt.»

Zürcher Preise würden in Baden noch nicht bezahlt, sagt er, «aber gerade deswegen ziehen viele Zürcher nach Baden». Die Preise für Eigentum dürften in den nächsten Jahren stabil bleiben, ist Ludl überzeugt. «Ausser vielleicht, Corona wird zu einem Dauerthema während des kommenden Jahrzehnts.»

Wie begehrt Eigentum in Baden ist, zeigte sich bereits bei der Überbauung Belvédère auf der Allmend: Alle 49 Wohnungen wurden ab Plan verkauft, wie Antonio Fato von der Firma Immotip letzten Herbst sagte. Und für ein Wohnbauprojekt am Ahornweg ebenfalls auf der Allmend gab es letzten Herbst bereits 200 Interessenten, obwohl erst das Baugesuch auflag und noch keine der Wohnungen ausgeschrieben war.

Kaum mehr Landreserven in Baden

Gerade einmal 22 Objekte – seien es Wohnungen oder Häuser– sind aktuell in der Stadt Baden zum Verkauf ausgeschrieben, wie ein Blick auf das Immobilienportal comparis.ch zeigt. Die tiefe Zahl hängt auch damit zusammen, dass nur noch verdichtet, aber kaum mehr neue Flächen überbaut werden können. 97 Prozent der bestehenden Wohn- und Mischzonen in Baden sind bereits überbaut.

Die letzte grosse zusammenhängende Landreserve befindet sich im Galgenbuck in Dättwil. Hier soll ein Quartier mit 2000 Einwohnern entstehen. Weil das Land zu 40 Prozent der Ortsbürger- und der Einwohnergemeinde gehört, biete sich der Stadt die Möglichkeit, Einfluss auf den Wohnungsmix zu nehmen.

Zu den Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf den Immobilienmarkt äusserte sich auch die Firma Wüest Partner in einem Marktbericht. Auswirkungen der Coronakrise seien in den Daten über den hiesigen Eigenheimmarkt zwar noch nicht ersichtlich; nichtsdestotrotz sei es aber wahrscheinlich, dass die Preisdynamik in diesem Jahr abflachen wird.

«Die aktuelle Rezession dürfte die Haushaltseinkommen schmälern – und damit auch die Zahlungsbereitschaft für Wohneigentum», heisst es im Bericht. Das Preis-Leistungs-Verhältnis werde in beiden Segmenten in den Vordergrund rücken. «Während sich die Preise von Einfamilienhäusern erfahrungsgemäss als vergleichsweise stabil erweisen dürften, ist bei den Eigentumswohnungen eher mit Preisrückgängen zu rechnen.»

Meistgesehen

Artboard 1