Wettingen

25'000 Liter Bier und keine durstige Kehle: «Atmosphäre»-Absage trifft auch die lokale Brauerei

Ein Lichtblick für Lägerebräu: Der Biergarten kann demnächst öffnen.

Ein Lichtblick für Lägerebräu: Der Biergarten kann demnächst öffnen.

Die Absage der Wettinger Jubiläumsfeier «Atmosphäre» hat auch Auswirkungen für die lokale Brauerei Lägerebräu. Der Geschäftsführer erklärt, was das konkret bedeutet und wie sie mit der Coronakrise umgehen.

Zehn Tage lang wollte die Gemeinde Wettingen im August feiern. Zehn Tage, die auch für die lokale Brauerei Lägere­bräu «eine grosse Sache» gewesen wären, wie Geschäftsführer ­Simon Dankwa sagt. 250'000 Besucher erwartete das Organisationskomitee der Jubiläumsfeier «Atmosphäre», 25'000 Liter Bier wollte Lägerebräu am 975. Geburtstag der Gemeinde unter die Leute bringen.

Als der Bundesrat am 29. April Grossanlässe bis Ende August untersagte und das OK zwei Tage später offiziell das Aus der Jubiläumsfeier kommunizierte, war klar, was schon länger im Raum stand. Dankwa sagt: «Irgendwann haben wir natürlich geahnt, dass die Durchführung des Fests keinen Sinn macht, dass es schlicht unmöglich wird.» Dass das OK die Jubiläumsfeier abgesagt und nicht etwa um ein Jahr verschoben hat, kann der Lägerebräu-Geschäftsführer nachvollziehen: «Aus betriebswirtschaftlicher Sicht bedaure ich diesen Entscheid, aber ich kann sehr gut verstehen, dass das OK dieses Risiko nicht eingehen wollte.»

Rund zehn Prozent ihres Jahresausstosses hätte die Brauerei am Wettinger Jubiläumsfest verkauft. Um die Biermenge zu bewältigen, wurden neue Fässer gekauft, ebenso ein Zelt, um eine eigene Festbeiz zu betreiben. Doch als die Folgen der Coronapandemie absehbar wurden, seien die Investitionen und das Abfüllen der Fässer vorsorglich gestoppt worden.

Dass in dieser Krise nun auch das für die Brauerei wichtigste Fest des Jahres ausfalle, sei zwar tragisch, aber kein Weltuntergang. «Unsere Philosophie war es schon immer, Klumpenrisiken zu vermeiden», sagt Dankwa. Lägerebräu setze sowohl auf die Gastronomie als auch auf den Handel. In der Gastronomie gebe es seit dem 16. März praktisch keine Bestellungen mehr. Dafür seien die Zahlen in den Verkaufsläden leicht nach oben gegangen. «Insgesamt verzeichnen wir einen Umsatzeinbruch von etwa 60 bis 70 Prozent», sagt Dankwa. In ihrer Existenz gefährdet sieht sich die junge Brauerei dadurch nicht. «Wir haben nie über unsere Verhältnisse gelebt.» Wie viele andere Betriebe auch hat Lägerebräu Kurzarbeit eingeführt.

Am 12. Mai öffnet der eigene Biergarten

Ein Lichtblick ist, dass ab dem 11. Mai Restaurants wieder Gäste empfangen dürfen. Der betriebseigene Biergarten auf der Wettinger Klosterhalbinsel wird bei gutem Wetter ab dem 12.Mai geöffnet haben. Normalerweise bietet er 170 Besuchern einen Sitzplatz. «Mit den verordneten Massnahmen werden noch etwa 60 Leute Platz finden», sagt Dankwa. Ziel ist es, mit dem Betrieb des Biergartens zumindest keinen Verlust einzufahren. Es sei schwer, abzuschätzen, ob die Leute das Angebot wahrnehmen werden, aber er sei optimistisch, so Dankwa. Man wolle den Leuten ein Stück Normalität bieten in dieser schweren Zeit. Und wer sich nicht in den Biergarten wagt, dem bietet Lägerebräu sogenannte «Krisen-Kisten», die der Geschäftsleiter und der Marketingleiter in den Kantonen Aargau und Zürich persönlich vor die Haustüre liefern.

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