Rund 60 km lang ist das Strassennetz der Gemeinde Wettingen. «Zirka 18 % davon sind in einem kritischen Zustand, das muss die Gemeinde ändern», sagt Gemeinderat Markus Maibach. «Unser Ziel ist es, den Stand der Stadt Baden zu erreichen», sagt Maibach. Deren kritische Strassen liegen bei 7 Prozent.

Deshalb sei ein zweijähriges Moratorium für Strassensanierungen kein Thema. Ein Solches hatte Einwohnerrat und Finanzkommissionspräsident Christian Wassmer mit einer Interpellation angeregt. Er argumentierte, dass bei dem aktuellen Tempo das gesamte Wettinger Strassennetz in 40 Jahren «umgepflügt» sei. «Dies macht bei einer durchschnittlichen Lebensdauer der Werkleitungen von 70 bis 100 Jahren keinen Sinn», schreibt Wassmer. Denn so hinterliesse man den Nachfahren wiederum einen geballten Investitionsbedarf. «Ein Marschhalt scheint angezeigt», sagt er.

Rund 147 Millionen Franken beträgt der Wiederbeschaffungswert des Wettinger Strassen- und Gehwegnetzes, schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort auf die Interpellation. Der Sanierungsbedarf in den nächsten zehn Jahren liege über 20 Millionen Franken. Den hohen Nachholbedarf begründet der Gemeinderat einerseits mit dem Wachstum der Gemeinde nach 1950 und anderseits mit dem Lebenszyklus der Werkleitungen und Strassen.

Seit 2001 werden die Strassen in der sogenannten koordinierten Bauweise saniert. «Wir haben dazu drei Instrumente entwickelt, die uns bei den Entscheiden helfen, nämlich den Zustandsbericht, die Werkleitungskoordination und den Finanzplan», sagt Gemeinderat Maibach. Der Zustandsbericht macht Aussagen zum Sanierungsbedarf. Bei der Werkleitungskoordination geht es vor allem darum, die Bedürfnisse des Elektrizitäts- und Wasserwerks (EWW), der Regionalwerke Baden (Gasversorgung) sowie von Swisscom uns Cablecom zu berücksichtigen. Und schliesslich werden im Finanzplan die Kosten festgehalten. Gerade der Werkleitungskoordination kommt dabei besondere Bedeutung zu. Notfallreparaturen an Wasserleitungen sind teuer, weshalb präventive Erneuerungen nach Ansicht des Gemeinderates sehr wichtig sind. Doch bevor jeweils ein sanierungsbedürftiges Strassenstück erneuert wird, müssen der Einwohnerrat und allenfalls die Stimmberechtigten den Kredit genehmigen.

Warten auf den Schulhausplatz

Unumstritten ist die untere Landstrasse, zwischen der Staffelstrasse und der Gemeindegrenze. Diese sei sehr sanierungsbedürftig. «Hier stellt sich vor allem die Verkehrsfrage», sagt Urs Heimgartner, Chef Bau und Planung der Gemeinde Wettingen. Die Landstrasse ist eine der wichtigsten zum Schulhausplatz führenden Achsen. Deshalb soll deren Sanierung mit dem Umbau des Schulhausplatzes koordiniert werden. Es ist vorgesehen, dass die Baumaschinen in den Jahren 2017/2018 auffahren werden. Die Bauarbeiten auf dem Schulhausplatz beginnen noch dieses Jahr und dauern drei Jahre.