Gebenstorf
15 Jahre nach Eröffnung: Aldi will erste Aargauer Filiale abreissen und neubauen – doch es gibt Widerstand

Der deutsche Detailhändler investiert erneut in der Region Baden: Gebenstorf hat die Baubewilligung für einen Neubau im Geelig erteilt.

Claudia Laube
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Noch allein auf weiter Flur: Aldi war 2005 der erste Detailhändler im Geelig.

Noch allein auf weiter Flur: Aldi war 2005 der erste Detailhändler im Geelig.

Walter Schwager (Archiv/26.10.2005

Als Aldi vor 15 Jahren seine ersten vier Schweizer Filialen eröffnete, gehörte auch diejenige in Gebenstorf im Gewerbegebiet ­Geelig dazu. Seither sind dort weitere grosse Detailhändler wie Coop, Migros, Denner und Landi nachgezogen. Heute ist das ­Geelig ein regelrechtes Einkaufsparadies.

Nun scheint das Aldi-Gebäude in Gebenstorf seinen Zenit aber überschritten zu haben, Aldi Suisse will es abreissen und mit einem Neubau ersetzen. Der Gebenstorfer Gemeinderat hat diese Woche die Baubewilligung gesprochen. Manche mögen sich vielleicht noch daran erinnern, wie vor rund einem Jahr der Sturm Sabine einen Teil des Dachs abgedeckt hatte. Das Baugesuch für den Neubau von Aldi Suisse lag aber noch vor diesem Vorfall auf, im September 2019. Wegen Einwendungen verzögerte sich das Bewilligungsverfahren jedoch. Die Gemeinde teilt in ihren Nachrichten mit, dass die Baubewilligung unter Abweisung der Einwendungen erteilt wurde.

Die Bewilligung ist aber noch nicht rechtskräftig. Deshalb will sich Aldi Suisse aktuell auch nicht detailliert zum geplanten Neubau äussern. Nur so viel: «Neben dem kontinuierlichen Ausbau unseres Filialnetzes investieren wir auch in unsere bestehenden Standorte, um sie für unsere Kundschaft noch attraktiver zu machen.» Man beabsichtige, die Gebenstorfer ­Filiale umfassend zu erneuern und zu modernisieren, um den Bedürfnissen der Kundschaft noch besser gerecht zu werden. «Da wir noch mitten in der Planung stehen und das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben zum Umfang oder Beginn der Umbauarbeiten machen», schreibt das Unternehmen weiter.

Aldi Suisse betreibt im Aargau aktuell 15 Standorte. Der Neueste wurde im Dezember eröffnet, im umgebauten Postgebäude beim Bahnhof in Baden. Wenige Monate zuvor war die Aldi-Filiale in Fislisbach nach zehn Wochen Umbau wieder eröffnet worden. Diese besteht seit 2008. Aldi liess sich den Umbau 800'000 Franken kosten und vergrösserte die dortige Verkaufsfläche von 900 auf 1300 Quadratmeter. Die Filiale wurde nach dem neuesten Storedesign, wie es der Detailhändler nennt, umgebaut. Das bedeutet: «Das neue Laden­konzept überzeugt durch mehr Frische, Helligkeit, einen besseren Überblick und eine hochwertige Warenpräsentation.» Aldi Suisse investiert dafür in 30 Deutschschweizer Filialen mehr als 20 Millionen Franken.

Wird die Baubewilligung bekämpft?

In diesem Investitionsvolumen ist die neue Aldi-Filiale in Gebenstorf wohl noch nicht berücksichtigt. Gut möglich, dass gegen die Baubewilligung Beschwerde eingelegt wird und es noch dauert, bis wirklich mit dem Abbruch und dem Neubau begonnen werden kann. Eine Einigung mit den Einwendern konnte nämlich nicht erzielt werden, wie Gemeindeammann Fabian Keller (CVP) auf Anfrage sagt. Die Einwendungen hätten hauptsächlich mit der Verkehrserschliessung zu tun, der Achillesferse des Gewerbegebiets. Durch die zahlreichen Dienstleistungsbetriebe hat sich die Verkehrssituation auf den engen Strassen im Geelig in den letzten Jahren als vermehrt brenzlig erwiesen – ein Verkehrskonzept soll aber noch dieses Jahr vorliegen.

Das Gewerbegebiet hat sich seit dem Start von Aldi aber nicht nur zum Einkaufsparadies entwickelt, sondern auch zu einer emotionalen Angelegenheit: Unter anderem wollte die Gemeinde 2018 die Kurven verbreitern lassen und sass deshalb mit den diversen Grundeigentümern zusammen. Das Ansinnen scheiterte. Verbesserungen sollen nun mit dem Entwicklungsrichtplan für das Gebiet Geelig, dem Gestaltungsplan zu «Geelig Mitte», wo dereinst eine weitere Wohnüberbauung erstellt werden soll, sowie der anstehenden Revision der Nutzungsplanung erzielt werden, die alle noch in Arbeit sind.