Gebenstorf

15 Freiwillige lernen das Grabungshandwerk: Der zweite Feldkurs bringt neue Erkenntnisse

Freiwillige haben in Gebenstorf Ausgrabungen gemacht, Archäologen erkennen Zusammenhänge mit Vindonissa.

Im August führte die Kantonsarchäologie bereits zum zweiten Mal den Feldkurs, eine Ausgrabung mit Freiwilligen, im Ortsteil Vogelsang in Gebenstorf durch. Während dreier Wochen erlernten 15 freiwillig engagierte Frauen und Männer das Grabungshandwerk und erhielten einen authentischen Einblick in die archäologische Feldarbeit. Unter fachkundiger Anleitung legten sie in vier Grabungsfeldern von insgesamt etwa 85 Quadratmetern die Überreste einer römischen Siedlung frei.

Bereits 1856 kamen beim Bau der Bahnlinie Gräber von Legionären zum Vorschein. Vereinzelte römische Funde und Mauerreste – wie der Name Steinacher ja andeutet – zeugten von einer römischen Siedlung. Beim Strassenbau 1978/80 wurden die Reste eines herrschaftlichen Gebäudes aufgedeckt. «Zur Funktion der Siedlung und deren Zusammenhang mit dem Legionslager Vindonissa war bislang jedoch wenig bekannt», heisst es in einer Medienmitteilung der Kantonsarchäologie Aargau. Der zweite Feldkurs habe nun entscheidende Erkenntnisse gebracht.

Es dürfte sich um einen Umschlagplatz handeln

Bereits im ersten Feldkurs 2019 wurden die Mauern eines Steinkellers angeschnitten. Die diesjährige Kampagne zeigte nun die überdurchschnittliche Grösse des Kellers. Ausserdem brachte die Grabung eine massive, mit Strebepfeilern verstärkte Mauer zutage. Eine solche Bauweise ist von römischen Magazin- und Speicherbauten bekannt.

Zusammen mit den vielen Scherben von Amphoren, also den römischen Transportgefässen, erhärten sie die These eines Umschlagplatzes in Gebenstorf. Wahrscheinlich wurden hier Waren umgeladen. Aufgrund der Datierung des Fundmaterials ins 1. Jahrhundert nach Christus ist von einer engen Verbindung zum Legionslager Vindonissa auszugehen.

Ausgrabung ist ein Gewinn für alle Beteiligten

Für die Freiwilligen war der Feldkurs ein einmaliges Erlebnis. Die Ausgrabung bot ihnen die Gelegenheit, sich aktiv für ihr eigenes Kulturerbe einzusetzen und daran teilzuhaben. In mehreren Blogbeiträgen auf der Website der Kantonsarchäologie Aargau berichteten die Freiwilligen über ihre Eindrücke und Gedanken während der drei Wochen.

«Dank dem Einsatz der Freiwilligen kann die Fundstelle in Gebenstorf nun besser eingeordnet werden», heisst es. Bei einem künftigen Bauprojekt sei die Kantonsarchäologie dank der Ergebnisse des Feldkurses sehr gut vorbereitet und könne die kommenden Grabungsarbeiten optimal auf die Bauarbeiten abstimmen. (az)

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