Den Aktionären der AZ Medien dürfte das Essen aus der Kronenküche an der Generalversammlung auf Schloss Lenzburg noch besser geschmeckt haben als sonst: Nach einem rabenschwarzen 2009 und einem 2010 mit einer schwarzen Null war 2011 wieder ein Jahr mit fetten schwarzen Zahlen: einen verfünffachten Gewinn von 15 Millionen Franken hat das Unternehmen erwirtschaftet, an die Aktionäre wird eine Dividende von gut 3,7 Millionen ausgeschüttet.

«Heisst das nun die Krise ist vorbei oder ist es die Ruhe vor dem Sturm, wenn die meisten Medienhäuser sehr gute Zahlen ausweisen?», fragte sich Verleger und Verwaltungsratspräsident Peter Wanner. Er ist zwar optimistisch, aber dennoch überzeugt: «Die grosse Herausforderung steht uns noch bevor.» Der Strukturwandel gehe weiter, alle Verlage seien mit rückläufigen Werbeerträgen im Printbereich konfrontiert. Dass man dennoch gute Zahlen schreiben kann, sei einer Verschlankung der Produktionsprozesse, einer massiven Produktivitätssteigerung zu verdanken.

Doppelstrategie Print und Online

Für Wanner steht fest: die Zeitungsverlage müssen eine Doppelstrategie mit Printprodukten und Onlinediensten verfolgen, und Online-Informationen werden nicht auf Dauer alle gratis bleiben. Wanner: «Früher oder später werden auch die AZ Medien eine Bezahlschranke einführen.» In diesem Zusammenhang äusserte er sich pointiert zur Auseinandersetzung der Verleger mit der SRG um die Online-Werbung.

Wenn der SRG diese Online-Werbung erlaubt werde, sei das ein Kampf mit ungleichen Spiessen. Denn die gebührenfinanzierte SRG werde im Gegensatz zu den Verlagen die Online-Informationen auch in Zukunft gratis anbieten können. Deshalb sein Wunsch an Kommunikationsministerin Doris Leuthard: «Sie wäre gut beraten, die Entwicklung der Werbeströme abzuwarten, es besteht kein Anlass zu einem überstürzten Entscheid.»

Das Unternehmen will wachsen

Der detaillierte Überblick über den Geschäftsgang und die aktuellen Entwicklungen wurde den Aktionären von CEO Christoph Bauer vermittelt. Das Umsatzwachstum sei im Branchenvergleich akzeptabel, aber es genüge den Anforderungen noch nicht, die man bei den AZ Medien an sich selbst gestellt habe.

Das Unternehmen wolle weiter wachsen durch Allianzen und Kooperationen, die Markterschliessung im Raum Basel (eigene Ausgabe für die Stadt Basel) und den Aufbau der TV-Senderfamilie mit Tele M1 und den im vergangenen Jahr von Tamedia übernommenen TeleZüri und TeleBärn.

Jüngstes Beispiel der Allianzstrategie ist die geplante Aufstockung der Beteiligung an der Dietschi AG (Oltner Tagblatt), mit der die Position der AZ Medien im Nachbarkanton Solothurn und die Partnerschaft der Zeitungen im Mittelland-Verbund gestärkt werden soll.

Seine eigenen Gedanken über die Medienwelt im Allgemeinen und die AZ Medien im Besonderen machte sich Komiker Mike Müller bzw. dessen Figur des Hanspeter Burri: «z Züri isch me mit Tele Züri eso wichtig, dass me sogar z Herrliberg nervös wird. Nid nume wägem Tele Züri, sondern wäg dr BAZ, wo dr Blocher, i weiss o nid, sini Pensionskasse verpulveret dermit. Wobi isch no gäbig, jedes Mal wenn dr Blocher lügt oder dr Somm e Seich macht, geit d Uflag vor BZ Basel outomatisch ufe, isch für Peter Wanner vo de Chöschte natürlech interessant.»