AKW-Ausstieg

Aves Aargau sieht fehlendes Stromnetz als Hindernis für Energiewende

Das Stromnetz müsste rasch ausgebaut werden (Symbolbild)

Das Stromnetz müsste rasch ausgebaut werden (Symbolbild)

Die Aves Aargau zweifelt schwer daran, dass die Energiewende bis 2050 gelingen könnte. Das zeigte sich in der Umwelt-Arena. Das grosse Problem der erneuerbaren Energien seien die fehlenden Netze, welche rasch ausgebaut werden müssten.

Beim Herbstreferat der Aktion für eine vernünftige Energiepolitik (Aves) in der Umwelt-Arena Spreitenbach kamen keine Frühlingsgefühle auf. Die Aargauer Sektion der kernenergiefreundlichen Organisation liess sich von hochkarätigen Referenten des Bundes und der Branche umfassend informieren, welche aber die Zweifel an der Energiewende nicht ausräumen konnten. Im Gegenteil: Irene Aegerter von der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften kam zum Schluss, «der Teufel Kernenergie werde mit dem Beelzebub Gaskraftwerke ausgetrieben».

Das grosse Problem der erneuerbaren Energien seien die fehlenden Netze. Allein für die Verteilung des Stroms müssten die 250000 Kilometer rasch ausgebaut werden. «Der Beschluss zum Ausstieg ist falsch und vom Volk noch lange nicht beschlossen», so Aegerter.

Massnahmen in allen Bereichen

Mit 85 Personen war der Anlass gemäss Präsident Reto Müller fast rekordhoch besucht. Gespannt lauschten die Zuhörer den Folien und Worten von Klaus Riva vom Bundesamt für Energie (BFE). «Bis 2020 wird der Strombedarf weiter wachsen und sich dann hoffentlich stabilisieren». Zumindest auf den BFE-Folien macht er das, aber es brauche gewaltige Anstrengungen, um bis 2034 das AKW Leibstadt als letztes abschalten und durch erneuerbare Energien ersetzen zu können. Einschneidende Massnahmen seien in allen Bereichen nötig, bei Gebäuden, Mobilität, Geräten und bei Effizienz und Sparen. 160 bis 190 Milliarden Franken koste die grosse Kiste.

Hochspannungsnetz am Limit

Neben den Verteilnetzen sind auch die 6700 Kilometer Hochspannungsnetze im Land veraltet und müssen dringend erneuert werden. Bei Verfahren von 20 und mehr Jahren ist das in nützlicher Frist schlicht unmöglich. «Die Netze werden am Limit betrieben, die Schwankungen steigen und das Risiko eines grossen Ausfalls», beteuert Andreas John, Leiter Systeme bei Swissgrid. Die Stromer selber blicken ebenfalls ziemlich besorgt in die Zukunft. Für den Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) haben 50 Experten drei Szenarien berechnet, die GL-Mitglied Thomas Zwald präsentierte.

Eine Zukunft ohne Atomenergie sei zwischen Bergwanderung, Alpinpfad und extremer Kletterei anzusiedeln. Bei den weniger steilen Aufstiegen sind 7 bis 11 grosse Gaskraftwerke eingerechnet. «Der Strompreis steigt je nach Szenario um 30, 45 oder 75 Prozent, wohlverstanden ohne Teuerung und Lenkungsabgaben», betonte Zwald. Die Investitionen der Branche kosteten zwischen 120 und 150 Milliarden Franken.

Eingriff in die Wirtschaft

Aus juristischer und persönlicher Sicht zeigte Präsident Reto Müller, was in den letzten 30 Jahren geschehen ist, die sechs abgelehnten Initiativen zum Ausstieg inbegriffen. Die Energiewende wäre ein massiver Eingriff für die Branche, die Wirtschaft und die Gesellschaft. Auch Müller glaubt, der Ausstieg sei noch lange nicht beschlossene Sache. Die Referate boten mehr als genug Munition für das Podiumsgespräch, das mit SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht aus Aves-Sicht verstärkt wurde.

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