Bürokratie
Ausufernde Bürokratie: 50 Franken für Holzkontrolle

Die FDP sieht im Beispiel des Cheminéebesitzers Willi Berchtold, der 50 Franken für eine bezahlen musste, die übertriebene Bürokratie, die man mit der «Bürokratie-Stopp-Initiative» verhindern will.

Adrian Hunziker
Drucken
Willi Berchtold steht neben seinem kontrollierten Feuerholzstapel hinter seinem Einfamilienhaus in Brugg. ahu

Willi Berchtold steht neben seinem kontrollierten Feuerholzstapel hinter seinem Einfamilienhaus in Brugg. ahu

«Eigentlich ist die ganze Geschichte ja lächerlich», sagt Willi Berchtold aus Brugg mit einem Lächeln, «aber sie ist nicht erfunden und kann jedem passieren.» Der Pensionär hat in seinem Einfamilienhaus ein Cheminée, das er im Winter rege benützt. Alle zwei Jahre kommt der Kaminfeger, putzt und kontrolliert das Cheminée. «Für die Reinigung brauchte der Kaminfeger knapp eine Stunde und ich musste für die Arbeit um die 80 Franken zahlen. Damit kann ich auch gut leben», so Berchtold weiter.

Was für ihn aber dem Fass den Boden ausschlug, war die folgende Holzfeuerungskontrolle: Der 70-Jährige ging mit dem Kaminfeger zu seinem Holzstapel. «Er kontrollierte die Feuchtigkeit und die Qualität des Holzes. Danach füllte er ein Formular aus. Das Ganze dauerte ungefähr 15 Minuten. Dieser kurze Arbeitsaufwand kostete mich knapp 50 Franken. Das war für mich völlig unverständlich», erläutert Berchtold.

Kein Vorwurf an den Kaminfeger

Der Pensionär macht dem Kaminfeger keinen Vorwurf: «Er macht nur, was ihm aufgetragen wurde. Aber was rechtfertigt diesen Preis in dieser kurzen Zeit? Das ist doch typisch Bürokratie.» Berchtold ist Mitglied der Brugger FDP. Die FDP Schweiz will gerade solchen Fällen nun mit der «Bürokratie-Stopp-Initiative» an den Kragen, und so die ständig wachsende Regelungsflut eindämmen und letztlich Milliarden von Franken sparen. «Das Beispiel mit dem Cheminée ist stellvertretend für die tägliche herrschende Bürokratie», erklärt Stefan Huwyler, Geschäftsführer der FDP Aargau, der Berchtolds Beispiel dem «Sonntag» meldete.

Beim Kanton kann man Berchtolds Ärger bis zu einem Grad verstehen. Markus Schenk, Sachbearbeiter Luftreinhaltung beim Kanton Aargau, verteidigt aber die Massnahmen: «Das ist sicher keine Schikane. Der Bund hat gestützt auf das Umweltschutzgesetz (USG) und die Luftreinhalte-Verordnung diese Kontrollen beantragt. Es bestand nie die Absicht, hohe Kosten bei den Bürgern zu verursachen. Leider gibt es immer schwarze Schafe, die vieles kaputtmachen. Dieses Problem haben wir erkannt und versuchen, es zu lösen.»

Kontrollen kommen nicht überall gut an

Ins selbe Horn stösst der Aargauische Kaminfegermeisterverband. «Bei den Kunden wie auch bei den Kaminfegern gibt es Personen, die sich nicht an die Vorschriften halten. Wir kontrollieren bei unseren Besuchen nicht nur die Cheminées und das Holz, sondern wir wollen den Benutzern auch zeigen, wie sie ihr Cheminée richtig handhaben sollen», sagt Andres Winter, Präsident des Verbandes. Er weiss, dass diese Kontrollen nicht bei allen Kunden gut ankommen, «doch bisher erhielten wir mehr positive als negative Reaktionen, seit die neuen Verordnungen vor etwa zwei Jahren eingeführt wurden.»

Die Kontrolle des Holzes und die Erklärung zur richtigen Handhabung des Cheminées dauern etwa 30 Minuten. «Doch wir können nicht genau kontrollieren, ob jeder Kaminfeger diese Vorgaben auch wirklich einhält», sagt Winter. Das ist für Berchtold ein kleiner Trost. Er bezahlte die Rechnung, unterschrieb aber das Kontrollblatt des Kaminfegers nicht. «Ich sagte ihm, dass ich das nicht verstehe und so nicht hinnehmen wolle. Mir schien es, als wäre dem Kaminfeger das Ganze auch nicht recht», sagt Berchtold rückblickend. «Der Kaminfeger ist ein armer ‹Cheib›, er wird von allen Seiten attackiert», so Berchtold abschliessend. Und damit hat sich die Geschichte für den Pensionär auch erledigt.

Aktuelle Nachrichten