570 000 Tonnen Material fallen beim Neubau des Bözbergtunnels an. Das Erdreich und die Steine werden nach den neusten Plänen der SBB in einem Zwischenlager beim Kieswerk der Schinznacher Firma Samuel Amsler AG im Gebiet Elbis deponiert und später auf Eisenbahnwaggons verladen und nach Wildegg gebracht. Von Ende Mai 2018 bis Anfang Juni 2019 gelangt das Material zur Jura Cement und von dort über ein Förderband in den Steinbruch Oberegg zur Auffüllung.

Einsprachen der Gemeinden

Eingespart werden können durch dieses Vorgehen insgesamt rund 56 700 Lastwagen-Fahrten. Zum Umdenken und zur Projektänderung geführt hätten einerseits die Einsprachen der Gemeinden Holderbank, Möriken-Wildegg und Rupperswil, die sich im Plangenehmigungsverfahren gegen die Lastwagen-Transporte auf der Kantonstrasse nach Wildegg einsetzten, erklärt SBB-Mediensprecherin Lea Meyer. Auf der anderen Seite sei eine Einsprache der Gemeinde Veltheim gegen den Antrag der Jura Cement zur Auffüllung der Oberegg eingegangen, falls der Antransport der Ausbruchmassen vom Bözbergtunnel mit Lastwagen durchgeführt wird.

Warum aber war der Transport des Ausbruchmaterials nicht von Anfang an per Bahn geplant? Bei einem Vortrieb mit einer Tunnelbohrmaschine sei dies sonst zwar üblich, sagt die SBB-Mediensprecherin. Beim Bözbergtunnel aber stehen im Jahr 2017 – wegen Überschneidungen mit dem Projekt Eppenbergtunnel – nicht genügend Fahrplantrassen für Güterzüge zur Verfügung. «Bei einer direkten Abfuhr des Ausbruchmaterials hätten sechs Züge pro Tag nach Wildegg verkehren müssen bei einer begrenzten Entladekapazität», sagt Lea Meyer. Überdies müsse zunächst das Vorhaben Zugfolgezeiten Effingen–Brugg fertiggestellt und das neue Stellwerk in Schinznach in Betrieb genommen werden, damit eine signalisierte Ein-und Ausfahrt in das Verladegleis im Bahnhof Schinznach möglich ist. Durch diese «speziellen Randbedingungen» kann das Ausbruchmaterial erst ab 2018 per Bahn nach Wildegg gebracht werden, so die SBB-Mediensprecherin.

Es muss schnell gehen

Die Herausforderung besteht laut Lea Meyer darin, den Zug mit 13 Wagen in einer begrenzten Zeit mit dem vom Zwischenlager per Förderband antransportierten Material zu beladen. Die Stand-und Beladezeiten seien auf maximal 1 Stunde und 30 Minuten begrenzt, da auf dieser Strecke die Züge nach Fahrplan verkehren und nur eine Garnitur als Pendelzug zwischen Schinznach und Wildegg eingesetzt wird.

Auf den Terminplan des Bözbergtunnel-Neubaus habe die Projektänderung keinen Einfluss, stellt die Mediensprecherin fest. Mit der gefundenen Lösung seien der Vortrieb der Tunnelbohrmaschine und der Abtransport des Ausbruchmaterials nicht voneinander abhängig. Aber: Weil der Bahnverlad teurer sei als der Abtransport per Lastwagen, rechnen die SBB mit Mehrkosten «im höheren einstelligen Millionenbereich». Genau könne der Betrag indes noch nicht beziffert werden.

Zur Erinnerung: Der neuen Bözberg-Doppelspurtunnel kostet voraussichtlich rund 350 Mio. Franken. Das nördliche Portal liegt bei Effingen, das südliche bei Schinznach-Dorf. An beiden Orten wird ein Installationsplatz erstellt. Der Hauptvortrieb des Tunnels erfolgt mit einer Tunnelbohrmaschine ab dem Installationsplatz Schinznach-Dorf. Geplanter Baustart ist 2016, die Inbetriebnahme ist – wie für den gesamten 4-Meter-Korridor – im Jahr 2020 vorgesehen.