IdeenWerkstatt
«Auf der Suche nach einem Job muss man gwundrig sein»

Währen sechs Jahren unterstützte die Ideen-Werkstatt Aargau Arbeitslose. Regula Müller aus Küttigen rief das Arbeitslosenprojekt Ideen-Werkstatt Aargau ins Leben, weil sie eines Tages selbst auf der Strasse stand.

Barbara Vogt
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Gemeinschaftszentrum Telli: Hier traf sich Regula Müller viele Jahre mit Gleichgesinnten. Jetzt bricht sie in eine neue Zukunft auf. ba Regula Müller bricht jetzt in eine neue Zukunft auf. ba

Gemeinschaftszentrum Telli: Hier traf sich Regula Müller viele Jahre mit Gleichgesinnten. Jetzt bricht sie in eine neue Zukunft auf. ba Regula Müller bricht jetzt in eine neue Zukunft auf. ba

Solothurner Zeitung

Im April 2005 treffen sich Regula Müller und die az-Redaktorin vor dem Gemeinschaftszentrum Telli in Aarau. An jenem schönen Morgen erzählt sie von der Idee, eine Ideen-Werkstatt für Arbeitslose im Kanton zu gründen. «Eine Plattform, in der Betroffene wieder zu ihrem Selbstbewusstsein zurückfinden und ihre Ressourcen entdecken. Denn hinter jedem Stellenverlust verbirgt sich eine Chance», beschreibt Müller ihre Idee.

Damals wusste sie, wovon sie sprach: Ihre Arbeitsstelle verlor sie wegen Firmenschliessung und Stellenabbau gleich zweimal. Ihre Emotionen: Ohnmacht, Existenzängste, Orientierungslosigkeit, Trauer, Wut.

Juli 2011: Regula Müller und die az-Redaktorin treffen sich erneut – gleicher Treffpunkt, Sonnenschein. Im Leben von Regula Müller jedoch hat sich viel verändert: Längst hat sie wieder Arbeit, ihre Wut ist verraucht, anstelle von Ohnmacht trat Zuversicht. Auch dank der Ideen-Werkstatt.

Schwierige Zeit

In jener schwierigen Zeit verwirklichte sie ihre Idee, «das Beste was ich tun konnte. Viele Gestrandete landeten bei uns, die sich nach dem Jobverlust nicht mehr über ihre Arbeit identifizieren konnten. Bei uns konnten sie sich aussprechen. Wie eine ‹Chropfleerete.»

Dann, als die Betroffenen wieder etwas zu ihrem Selbstbewusstsein zurückgefunden hatten, begannen sie sich mit ihren Urbedürfnissen auseinanderzusetzen.

Neue Ideen, Wünsche entstanden. Das Schönste für Regula Müller war, wenn jemand mit einem Lächeln erschien und von seinem neuen Job oder seiner Berufung erzählte. «Auf dem Umweg zum Glück», beschreibt sie das.

Sie nennt ein Beispiel: Ein Banker ertrug es nicht mehr, wie respektlos sein Arbeitgeber mit den eigenen Angestellten umging, und kündigte. Er musste jeden Rappen umdrehen, biss sich durch. Heute arbeitet er in der IT-Branche und ist glücklich. Ein anderer Mann, dem gekündigt wurde, betreibt heute einen Fahrdienst. «Dieser läuft wie geschmiert», freut sich Regula Müller.

Regelmässige Workshops

Eine Berufsberatung war die IdeenWerkstatt, die sich irgendwann in einen Verein umwandelte, nie. Aber sie organisierte regelmässig Workshops zu verschiedensten Themen. Viele Betroffene hätten dabei ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen können. Daneben knüpfte der Verein Kontakte zu sozialen Institutionen und Ämtern. Sein Ruf stieg, die Stadt Aarau zeichnete ihn einmal mit einem Beitrag aus der goldenen Parkuhr aus.

Nach sechs Jahren hat sich der Verein aufgelöst. Die meisten Mitglieder sind wieder in den Arbeitsmarkt integriert. Insgeheim hofft Regula Müller, dass andere Menschen in der gleichen Situation ein solches Projekt auf die Beine stellen. «Bei einem Jobverlust soll man selber aktiv werden.»

Ihr Tipp auf der Suche nach einer Stelle: «Gwundrig bleiben und Neues wagen.» Sie selbst hat viele neue Idee, unter anderem eine eigene Besenbeiz. Aber jede neue Idee muss zuerst reifen.

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