Kampagnen
Auch im Wahljahr macht die Politik Sommerpause

Von Wahlkampf ist noch nichts zu spüren. Bis zum Ende der Sommerferien lassen es Parteien und Kandidaten noch ruhig angehen. Dann beginnt die heisse Phase des eigentlichen Wahlkampfs vom Herbst.

Urs Moser
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Die Frage spaltet das Land und den Aargau sowieso: Ist der Atomausstieg machbar und bis wann? Die Auguren analysieren und rätseln: Profitieren Linke und Grünliberale vom Fukushima-Effekt, reisst er die Freisinnigen ins Verderben, bremst er den Vormarsch der SVP? 85 Tage vor dem 23. Oktober müsste der Wahlkampf toben, sollte man meinen.

Herzliche Grüsse aus dem Tessin

Davon ist wenig zu spüren. Seit sich die Parteien am 5. Juli mit mehrheitlich wohlwollenden Kommentaren zur Hightech-Strategie der Aargauer Regierung zu Wort gemeldet haben, herrscht weitgehende Funkstille. Das heisse Rennen um die zwei Ständeratssitze scheint die Kandidaten – noch – ziemlich cool zu lassen.

SVP-Mann Ulrich Giezendanner beantwortet Mail-Anfragen mit «Herzliche Grüsse aus dem Tessin». SP-Nationalrätin Pascale Bruderer lässt wissen, dass ihre Mailbox bis zum 8. August weniger regelmässig bearbeitet wird, und bittet um Verständnis, dass dringlichen Anliegen bis dahin nicht entsprochen werden kann.

FDP nächste Woche wieder da

In der Tat: Der Wahlkampf macht Sommerpause. Die Mittel seien knapp. Da mache es wenig Sinn, eine aufwändige Kampagne in einer Zeit zu führen, wo man sowieso nicht allzu viele Leute erreiche, sagt CVP-Sekretär Oliver Dudler.

FDP-Kollege Stefan Huwyler ist erst nächste Woche wieder auf dem Posten, in der SP-Zentrale klingelt das Telefon in diesen Tagen auch schon mal ins Leere, und SVP-Sekretär Pascal Furer bestätigt aus dem Berner Oberland: «Der sichtbare Wahlkampf startet erst Ende August.» Eine zu früh einsetzende Kampagne bringe nicht viel, das interessiere jetzt noch gar niemanden.

Unterschriften sammeln

Natürlich steht die Politik nicht einfach still. Die Kandidaten schreiben in diesen Tagen August-Ansprachen, beantworten Fragen von Verbänden zu ihrer Positionierung und, und, und. Die Parteien verlassen sich im Moment aber noch mehr auf die Wirkung sachpolitischer Vorstösse als auf den Effekt eigentlicher Wahlwerbung.

Die SVP zum Beispiel mit der Zuwanderungsinitiative der Mutterpartei, die CVP konzentriert sich ebenfalls auf das Unterschriftensammeln für die Familieninitiativen der Landespartei und die kantonale Einbürgerungsinitiative: Heute zum Beispiel ist eine Sammelaktion in Bremgarten.

«Froh um die Sommerpause»

Der Umstand, dass allein schon das Budget es den Parteien nicht erlaubt, einen monatelangen Wahlkampf auf vollen Touren zu betreiben, verschafft den viel beschäftigten Politikern ein bisschen Sommerflaute wie anderen Leuten auch. Ulrich Giezendanner zum Beispiel hat zwar schon für Inserate ins Portemonnaie gegriffen, kann jetzt aber die Beine etwas im Tessin baumeln lassen.

Dort macht er sich unter anderem mit Schwimmen im Lago Maggiore («huerechalt») fit für die heisse Phase des Wahlkampfs ab Mitte August: «Ab dann bin ich täglich auf Achse, 130 Termine bis zum Wahltag.» Morgen unterbricht er die Ferien für die August-Ansprache in seiner Heimatgemeinde Rothrist, um dann noch einmal ein paar Tage in der Sonnenstube aufzutanken.

Egerszegi macht Pause

Auch Ständerätin Christine Egerszegi macht alles andere als den Eindruck, dass sie die Ansprüche von links und rechts auf einen Sitz im «Stöckli» gross beunruhigen würden. «Ich bin froh um die Sommerpause, mein Garten sieht jetzt so aus, wie ich ihn gern hätte», sagt Egerszegi zu ihrem Sommerprogramm. So richtig los geht für sie der Wahlkampf eigentlich erst mit einem Auftritt am 25. August – dann aber richtig, der Anlass ist von der SVP Zufikon organisiert.

Auffällig: Anders als bei Kollege Giezendanner scheint bei ihr auch danach durchaus noch Platz im Kalender zu sein. Man könne nicht in ein paar Wochen ein Bild korrigieren oder einen Trend umkehren, so Egerszegi, die auf das Vertrauen baut, das sie sich in den letzten vier Jahren als Standesvertreterin bereits erworben hat.

Frauenfest in Wettingen

Die allgemeine Ruhe vor dem Sturm hat schon bald ein Ende. Den Startschuss für den eigentlichen Wahlkampf gibt die SVP am kommenden Freitag mit einem grossen Fest zum 90-Jahr-Jubiläum. Mit von der Partie auf dem Areal der Giezendanner Transport AG ist Bundesrat Ueli Maurer. Überhaupt dürfen die Kandidaten und Parteien auf tatkräftige bundesrätliche Unterstützung rechnen.

Die CVP-Frauen veranstalten heute in einer Woche im Kloster Wettingen ihr Frauenfest. Die Festansprache hält Bundesrätin Doris Leuthard. SP-Ständeratskandidatin Pascale Bruderer lädt dann am 19. August nach Baden in die Berufsfachschule zum öffentlichen Talk mit Justizministerin Simonetta Sommaruga.

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