Grosser Rat
Auch Aargauer sollen sechs Jahre in die Primarschule

Im Aargau soll ab dem Schuljahr 2014/2015 die Primarschule sechs Jahre und die Oberstufe drei Jahre dauern. Dies hat der Grosse Rat am Dienstag bei der ersten Beratung der Änderung des Schlugesetzes beschlossen. Das letzte Wort hat das Stimmvolk.

Merken
Drucken
Teilen
Eine Primarschülerin beim Lösen von Rechen-Aufgaben. (Symbolbild)

Eine Primarschülerin beim Lösen von Rechen-Aufgaben. (Symbolbild)

Keystone

Zur Schlussabstimmung kam es nach der dreistündigen Sitzung am Dienstagnachmittag nicht mehr. Der Grosse Rat entschied aber über mehrere umstrittene Punkte: So die Verlängerung der Primarschule um eines auf sechs Jahre und die Verkürzung der Oberstufe um eines auf drei Jahre.

Der Grosse Rat hiess dieses Modell gegen den Willen der SVP mit 87 zu 39 Stimmen gut. Der Wechsel zu sechs und drei Jahren sei ein «rein politischer Akt», den Kanton Aargau «HarmoS-tauglich» zu machen, sagte SVP-Grossrat Beat Unternährer.

Sein Parteikollege und Bildungsdirektor Alex Hürzeler entgegnete allerdings, dass dem Aargau voraussichtlich bis 2015 vom Bund das Modell mit drei und sechs Jahren so oder so aufgezwungen werde. Bis dann müssten die Kantone ihre Schulsysteme harmonisieren.

Einfacher für Familien

Da bereits 24 Kantone das Modell mit sechs Jahren und drei Jahren kennen würden, könne sich der Aargau schweizweit nicht durchsetzen. Der Vorteil an sechs Jahren Primarschule sei, dass ein Jahr später über die Einstufung für die Oberstufe entschieden werde, sagte Hürzeler.

FDP, CVP, GLP, Grüne und SP begrüssten den Strukturwechsel. Damit werde es für Familien einfacher, über die Kantonsgrenzen hinweg umzuziehen. Emotional wurde auch über die Frage debattiert, ob der Besuch des Kindergarten obligatorisch sein soll.

Die SVP bezeichnete das Kindergarten-Obligatorium als unnötig, da bereits heute 95 Prozent der Kinder diesen besuchen würden. Sie versuchte die Eingliederung des Kindergartens in die Volksschule zu verhindern, blitzte im Parlament jedoch mit 39 zu 87 Stimmen ab.

Debatten um Klassengrössen

Umstritten war auch die Klassengrössen in den einzelnen Stufen. Schliesslich setzte sich ein nach einer Kommissionsänderung angepasster Vorschlag des Regierungsrats. Im Kindergarten und der Primarschule sind nun maximal 25 Kinder in einer Klasse.

An der Bezirks- und Sekundarschule darf die Schülerzahl 25 und an der Realschule 22 nicht übersteigen. Ein Antrag der FDP, die Mehrkosten der Verkleinerung der Primarschulklassen von 28 und 25 Schüler zu kompensieren, scheiterte mit 58 zu 65 Stimmen.

Zweiter Anlauf zur Schulreform

Die Schulreform ist der zweite Anlauf nach dem wuchtigen Volks- Nein zum «Bildungskleeblatt». Das Aargauer Stimmvolk hatte im Mai 2009 alle fünf Vorlagen dieser Schulreform mit Nein-Mehrheiten von bis zu 65 Prozent abgelehnt.