Herr Malm, mehrere Krankenkassen fordern von Ihnen insgesamt 723000 Franken zurück. Sie sollen Patienten zu hohe Rechnungen gestellt haben.

Ingo Malm: Das ist falsch, es gibt keine konkreten Forderungen von Krankenkassen gegen mich. Ich habe lediglich einen Brief vom Krankenkassendachverband Santésuisse erhalten, der die Wirtschaftlichkeit meiner Praxis prüfen will.

Sie bestreiten also, dass Sie Leistungen zu teuer verrechnet haben, wie dies der «Kassensturz» behauptet?

Ich verrechne die Leistungen wie jeder andere Arzt auch gemäss dem einheitlichen Tarmed-Tarif. Bei uns erhält jeder Patient automatisch eine Kopie der Rechnung, die an die Krankenkasse geht. Das ist aus meiner Sicht die beste Kontrolle, die es gibt: Würden wir zu
hohe Tarife verrechnen, hätten wir massenhaft Reklamationen der Patienten.

Santésuisse wirft Ihnen vor, die Kosten pro Patient seien bei Ihrer Praxis doppelt so hoch wie bei einem durchschnittlichen Aargauer Hausarzt.

Auch das stimmt nicht. Betrachtet man die Praxis als Ganzes, liegen wir im Kostenvergleich nur 19 Prozent über dem kantonalen Durchschnitt. Seit ich die Praxis übernommen habe, sinken die Kosten pro Patient jedes Jahr.

Also beschuldigt Santésuisse Sie zu Unrecht, dass Ihre Tarife deutlich über dem Schnitt liegen?

Es gibt Einzelpositionen, zum Beispiel im Notfallbereich, bei denen wir 200 Prozent über dem Durchschnitt liegen. Dies werden wir im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsprüfung mit den Vertretern von Santésuisse besprechen. Im Moment gibt es aber noch nicht einmal einen Gesprächstermin, wir sind also ganz am Anfang dieses Verfahrens.

Trotzdem: Warum sind Sie mit Ihrer Praxis teurer als vergleichbare Hausärzte in der Region?

Wir bieten ein viel umfangreicheres Angebot als andere Praxen, insbesondere im Notfallbereich und bei ambulanten Behandlungen. Etwas plakativ ausgedrückt: Ich schneide mir mehr vom Kuchen raus, damit wird der einzelne Patient aber noch nicht teurer.

Können Sie das konkreter erklären? Was ist an Ihrer Praxis so speziell?

Unsere Praxis ist mit keiner anderen in der Schweiz vergleichbar. Oder kennen Sie eine Praxis, wo Sie als Notfallpatient jederzeit, auch nachts und am Wochenende, vorbeikommen können und behandelt werden?

Mit Ihrem grossen Angebot tragen Sie aber doch zur Kostensteigerung bei?

Nein, das sehe ich anders. Entscheidend sind für mich die Gesamtkosten pro Patient. Wenn ich einen Patienten nach der Untersuchung ins Spital überweise, wird die Behandlung insgesamt tendenziell teurer. Wenn ich ihn selber in meiner Praxis behandle, verdiene ich als Arzt vielleicht mehr, die Gesamtkosten sind aber meist niedriger.

Neben den hohen Tarifen sollen Sie einem Suchtpatienten Ritalin abgegeben haben, und dies ohne Bewilligung.

Es ist richtig, dass ich einen ritalinsüchtigen Patienten behandelt habe. Das kantonale Departement Gesundheit und Soziales hat bestätigt, dass ich aufgrund meiner Erfahrung und Ausbildung berechtigt war, Ritalin abzugeben. Ich hätte allerdings noch eine zusätzliche Bewilligung gebraucht. Das habe ich nicht gewusst, deshalb wurde ich vom Departement mit 2500 Franken gebüsst.

Sie sollen dem Patienten 13800 Ritalin-Tabletten abgegeben haben.

Diese Zahl ist völliger Unsinn, sie entbehrt jeglicher Grundlage. Es liegt im Wesen von Suchtpatienten, dass sie zum Teil sehr hohe Dosen einnehmen. Es gibt keine anerkannte ambulante Behandlung für Ritalinsucht, ein Gutachten wird zeigen, ob mein Verfahren den Umständen angemessen war.

Wie wirken sich die Vorwürfe, die in den Medien gegen Sie geäussert werden, auf Ihre Praxis aus?

Bisher haben wir keine negativen Reaktionen. In den letzten Tagen haben sich 16 Patienten bei uns neu angemeldet. Wir haben die «Kassensturz»-Website auf dem Laptop beim Empfang aufgeschaltet, und viele unserer Patienten kommentieren den Beitrag.