Unfall
Angeblicher «Kokser» hatte keine Drogen im Blut

Christian Könne stand beim Unfall an Pfingsten in Meisterschwanden zweifelsfrei nicht unter Betäubungsmitteleinfluss – obwohl ein Drogenschnelltest ursprünglich ein positives Resultat angezeigt hatte.

Toni Widmer
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«Vater verzweifelt. Sohn von Kokser ins Koma gefahren» – solche und ähnliche Schlagzeilen in der Boulevard-Presse haben Christian Könne Ende Mai arg zugesetzt. Der 25-jährige Koch war nach einem schweren Verkehrsunfall vom Pfingstsonntag in Meisterschwanden, in den Verdacht geraten, die Kollision beim Linksabbiegen unter Drogeneinfluss grob fahrlässig provoziert zu haben. Beim Unfall war ein ebenfalls 25-jähriger Motorradfahrer aus dem oberen Wynental schwer verletzt worden. Ein Drogenschnelltest bei Könne am Unfallplatz zeigte ein positives Resultat, weshalb die Kantonspolizei eine Blut- und Urinprobe anordnete.

Mittlerweile ist erwiesen: «Christian Könne stand zum Unfallzeitpunkt weder unter Drogen- noch unter Alkoholeinfluss», bestätigt Kapo-Mediensprecher Bernhard Graser.

Von den Leuten schief angeschaut

Könne traute sich nach den reisserisch aufgemachten Zeitungsartikeln kaum mehr unter die Leute: «Ich wurde überall schief angeschaut, und sogar wenn ich im Coop einkaufen ging, merkte ich, wie die Leute hinter meinem Rücken tuschelten.»

Zum Glück für Christian Könne hielt man in der «Seerose» in Meisterschwanden, wo er seit sieben Jahren zur Küchencrew gehört, zu ihm: «Mein Chef hat einen Anschlag gemacht und dort geschrieben, dass man mir glaube, nichts mit Drogen zu tun zu haben.» Er wisse nicht, was er ohne diese Unterstützung getan hätte: «Es waren harte Wochen, in denen ich kaum mehr richtig schlafen konnte.»

Gedanken machte sich Könne jedoch nicht nur wegen der Anschuldigungen. Ihn beschäftigte auch der Motorradfahrer: «Mir war und ist es nicht egal, wie es ihm geht. Ich habe ihn im Spital kurz erreichen und mich bei ihm entschuldigen können. Ich wollte mich später auch bei seiner Familie entschuldigen und nach seiner Genesung erkundigen.»

Die Familie wolle aber offenbar nichts von ihm wissen. Er habe die Polizei auch gebeten, ihnen seine Handy-Nummer zu geben. Doch bisher sei es ihm nicht gelungen, mit der Familie Kontakt aufzunehmen. Er habe lediglich in Erfahrung bringen können, dass der Motorradfahrer nicht – wie anfänglich befürchtet wurde – gelähmt sei. Und er hoffe sehr, dass er bald ganz geheilt sei.

Untersuchung läuft noch

Ereignet hatte sich der Unfall am Pfingstsonntag, um 17.15 Uhr, auf der Aeschstrasse ausgangs Meisterschwanden. Christian Könne kam mit seinem Golf von Aesch her und wollte in Richtung «Seerose» abbiegen. Den aus Richtung Meisterschwanden kommenden Motorradfahrer hat er gesehen, aber die Distanz zum Abbiegen als noch genügend eingeschätzt.

Zur Schuldfrage will sich Könne nicht äussern: «Tatsache ist, dass ich abgebogen bin und der Motorradfahrer vortrittsberechtigt war. Ob ich wirklich allein verantwortlich für die Kollision bin, werden die Untersuchungen zeigen.»

Diese sind auch fünf Monate nach dem Unfall noch nicht abgeschlossen: «Klar ist, dass der Autofahrer keinen Vortritt hatte. Untersucht wird aber auch, wie schnell der Motorradfahrer unterwegs gewesen ist», erklärte Bernhard Graser dazu.

Kommunikation überprüfen

Der Mediensprecher äussert sich auch zum falschen Drogenverdacht: «Die Drogenschnelltests, die von uns vorgenommen werden, sind sehr zuverlässig. Deshalb haben wir im Interesse der Öffentlichkeit bisher stets kommuniziert, wenn ein Test positiv ausgefallen ist, vor allem bei schweren Unfällen.»

Dabei sei aber immer betont worden, dass zwecks weiteren Abklärungen eine Blut- und Urinprobe angeordnet würde.

Die bisherige Praxis will die Kapo jetzt überprüfen. «Wenn man sieht, was die Medien aus diesem Fall gemacht haben, dann ist das sicher angebracht», sagt Bernhard Graser. Insbesondere das mit dem Kokain hätten sich die Medien aus den Fingern gesogen: «Ein Koksverdacht ist von uns nie kommuniziert worden.»