Stellenabbau bei Alstom
Alstom: Mehr als 750 Stellen betroffen?

Alstom-Schweiz-Chef Andreas Koopmann entschuldigt sich für die schlechte Kommunikation des Stellenabbaus beim Konzern. Und er sagt, es könnten vielleicht mehr als 750 Stellen gestrichen werden.

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Keystone

In der Zeitung «Sonntag» hat sich der Schweiz-Chef von Alstom, Andreas Koopmann, erstmals zum Stellenabbau beim Industriekonzern geäussert. Dabei nahm er auch Stellung zur Kritik an der mangelnden Kommunikation zu den geplanten Massnahmen - viele Mitarbeiter erfuhren den Restrukturieriungsentscheid aus den Medien.

«Das tut mir leid«, sagt Koopmann. Das sei «natürlich nicht gut». Man hätte es besser machen können «und wir werden unsere Lehren daraus ziehen», so Koopmann gegenüber dem «Sonntag». Die Zahl von 750 Stellen, die abgebaut werden sollen, sei «momentan unsere beste Schätzung». Er könne nicht garantieren, dass es nicht mehr als 750 sind: «Aber ich schätze, dass dies das ungefähren Maximum sein wird.»

Kurzarbeit prüfen

Die Forderung der Aargauer Regierung und den Gewerkschaften nach Kurzarbeit werde er «selbstverständlich ernsthaft prüfen». Die bereits teilweise eingeführte Kurzarbeit bei Alstom könnte ausgeweitet werden, sofern die Marktaussichten längerfristig gut seien. Schon die BBC und ABB hätten vor Alstom schwierige Zeiten: «Wir werden auch diesen Sturm überleben», so Koopmann weiter. Er habe den Entscheid mitgetragen und sei keine Marionette der Konzernzentrale in Paris: «Nein, das ist absolut nicht der Fall. Ich werde regelmässig informiert und habe direkten Zugang zu den Direktionsmitgliedern.»

Die Auftragseingänge in der Kraftwerksparte seien in den letzten Monaten stark rückläufig gewesen: «Deshalb hat sich das Management schon vor einiger Zeit über mögliche Massnahmen Gedanken gemacht.» Das laufende Verfahren der Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit Geldwäscherei- und Korruptionsvorwürfen habe dabei «absolut keinen Einfluss» gehabt. Er ärgere sich aber über die lange Verfahrensdauer, sagte Koopmann: «Das würde jeden ärgern. Die Untersuchung begann 2004. Jetzt sind wir bald am Ende von 2010 und die Untersuchung ist immer noch nicht abgeschlossen. Das ist einfach zu lang.»

Schweiz üperproportional betroffen

Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, betrifft der Abbau von 4000 Stellen bei Alstom Power weltweit überproportional die Schweiz: Am Standort Baden stehen 450 Stellen von 4500 Stellen zur Diskussion, am Produktions- und Service-Standort Birr 310 von 1800, insgesamt also 760. Im französischen Belfort sind lediglich 100 Arbeitsplätze bedroht. So stehe es in einem internen Alstom-Papier datiert vom 5. Oktober 2010, das der «NZZ am Sonntag» vorliege.

Andreas Koopmann, Verwaltungsratspräsident von Alstom Schweiz versucht zu beruhigen: «Es gibt noch keine Entscheide», sagte er der Zeitung.