Aargauer Regierung

«Als wäre ich von einem anderen Stern»

Susanne Hochuli zu Hause in Reitnau

Susanne Hochuli zu Hause in Reitnau

Wohl keine andere Regierungsrätin polarisiert momentan so stark wie Susanne Hochuli. Warum die Aargauer Politikerin ein fröhliches Naturell ist, woran sie ihre Kritiker aufhängen wollen und warum sie ihr Amt anfangs gar nicht mochte.

Spätestens seit Susanne Hochuli bei «Giacobbo/Müller» zu Gast war, kennt sie die halbe Schweiz. Beim Publikum konnte sie mit ihrer fröhlichen Art punkten, die FDP blies einen Tag später zum Angriff und will ihr seitdem das Amt als Militärdirektorin streitig machen.

Doch selbst dieser Angriff kann der 45-Jährigen nicht die Laune verderben: «Ich lache einfach gern - auch über mich selbst. Nicht, dass ich keine frustrierenden und unfrohen Momente kennen würde. Aber insgesamt bin ich ein fröhliches Naturell», sagt sie im Interview mit dem «Tagesanzeiger». Es wäre absurd, wenn sie dies als Regierungsrätin einfach ablegen würde.

«Allerdings gibt es Leute, die genau das von mir erwarten.» Denn viele hätten ein klares Bild, wie eine Regierungsrätin zu sein habe. «Als ob es ein Handbuch gäbe, in dem verbindlich festgelegt ist, wie sich eine Magistratsperson aufzuführen hat.»

«Ich habe meine Geschäfte im Griff»

Neben der Fröhlichkeit gibt es auch noch andere Dinge, die von einer Regierungsrätin nicht unbedingt erwartet werden. «Ich setzte mich zum Beispiel mal in Aarau auf die Treppe vor dem Departement und ass ein Sandwich - weil es einfach der einzige sonnige Platz war. Einige Passanten starrten mich an, als wäre ich von einem anderen Stern.»

Doch wann wird die Unbeschwertheit zu Unbedarftheit? «Ich knie mich in die Geschäfte, studiere auch die Details - unbeschwert kann ich dabei trotzdem sein», antwortet Hochuli. Auf die Kritik der Aargauer FDP, sie würde das Militär nicht ernst nehmen und den «Militärkanton willentlich schwächen» kontert Hochuli: «Einige Freisinnige tun sich immer noch schwer damit, dass eine Grüne Regierungsrätin geworden ist.»

Es gäbe Leute, die finden, sie könne das nicht. «Dumm für diese, dass es gut läuft bei mir im Departement. Ich habe meine Geschäfte im Griff, und ich habe ausgezeichnete Leute um mich herum, zum Beispiel einen Generalsekretär, der Oberst im Generalstab ist.»

Nun wolle man sie «daran aufhängen», dass sie als erste Militärdirektorin überhaupt dafür plädiert habe, das Obligatorische im WK zu schiessen. «Ich bin erstaunt, dass man sich dadurch provozieren lässt», so Hochuli. Die Frage, wo das Obligatorische geschossen wird, habe mit der Kernaufgabe des Militärs ja nichts zu tun. Hingegen höre sie bei jedem Rapport, wie die Militärkader dazu ermahnt werden, effizient zu planen. «Die Soldaten sollen nicht zum Herumhängen in den Wiederholungskurs einrücken. Es wäre doch höchst effizient, wenn das Obligatorische in den WK integriert würde.»

Diese «Kuh»

Aufgeben will Hochuli wegen der Kritik nicht. Denn heute mag sie ihr Amt sehr. «Am Anfang hatte ich grosse Mühe.» Es sei für sie schwierig gewesen, dass ihr Leute mit Respekt begegneten, nicht weil sie sie gut oder wenigstens sympatisch gefunden hätten, sondern bloss, weil sie Regierungsrätin sei. «Ich musste lernen damit umzugehen.»

Und klar gebe es auch heute noch Tage, an denen man vielleicht auch nicht gern zur Arbeit geht. Aber das hätten doch alle. Und zum Journalisten meint sie neckisch: «Sie haben vielleicht auch gedacht:<Jesses Gott, jetzt muss ich noch diese Kuh interviewen gehen.>» (jep)

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