Brugg
AKW-Gegner mit Durchhaltewillen: Zum 260. Mal vor dem Ensi

Sie geben nicht auf. Eine kleine Gruppe besorgter AKW-Gegner in Brugg will erreichen, dass das AKW Beznau möglichst rasch geschlossen wird. «Wir können von Glück sagen, dass dort in 43 Betriebsjahren nichts passiert ist», sagt Initiant Heiri Glauser.

Marc Reinhard
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Die Nationalräte Geri Müller (Grüne, links) und Max Chopard (SP) zu Besuch anlässlich des ersten Jahrestags der Mahnwache vor dem Ensi.

Die Nationalräte Geri Müller (Grüne, links) und Max Chopard (SP) zu Besuch anlässlich des ersten Jahrestags der Mahnwache vor dem Ensi.

Marc Reinhard

Von Montag bis Donnerstag treffen sie sich jeden Abend rund eine Stunde lang zur Mahnwache. Sie fahren mit Mofa und eigens umgerüstetem Transport-Anhänger vor, rollen ihre Transparente auf und hängen sich Bauchschilder um: «Atomkraft? Nein Danke!» steht darauf, und das bekannte rote Sünneli lächelt von den gelben Fahnen. 130 Aktivisten sind es insgesamt, die sich die hartnäckige Präsenz während des ersten Jahres seit Fukushima aufgeteilt haben. Noch kein Wochentag ist vergangen, ohne dass mindestens sechs von ihnen vor Ort gewesen wären.

Sie stehen friedlich vor dem Haupteingang des Eidgenössischen Sicherheits-Inspektorats (Ensi) neben dem Brugger Bahnhof und sind weder laut noch gewalttätig. «Wir wollen erreichen, dass Fukushima nicht vergessen geht, und dass Beznau als ältestes Atomkraftwerk in Europa so rasch wie möglich abgeschaltet wird», sagt Claudia Scherrer, eine der regelmässigsten Aktivistinnen. Nicht in der viel stärker frequentierten Brugger Innenstadt sei der richtige Platz, um auf das Thema aufmerksam zu machen, sondern genau hier, direkt «vor der Nase» der Entscheidungsträger.

43 Jahre Glück

Diese haben sich inzwischen an das hartnäckige Spalier gewöhnt. Ja sie hegen zum Teil sogar Sympathien für den einen oder anderen aus der gelben Truppe. «Man kennt, grüsst und respektiert sich», sagt ein Ensi-Mitarbeiter, der nicht mit Namen genannt werden will. Anfeindungen gebe es nicht, eher Annäherungen: «Wir wurden auch schon von Ensi-Direktor Hans Wanner eingeladen, unsere Anliegen vorzutragen» erzählt Scherrer, «und es ergeben sich immer wieder Gespräche hier vor der Tür.»

Zum «Einjährigen sind die Nationalräte Geri Müller (Grüne), Max Chopard (SP) und Beat Flach (GLP) gekommen und geben ihrer Solidarität mit den Aktionisten Ausdruck. Müller: «Dieser Durchhaltewillen ist wirklich eindrücklich. Es ist uns wichtig, hier dabei zu sein und diese Bürgeraktion zu unterstützen.»

Die Frage nach dem bisher Erreichten beantwortet der Windischer Einwohnerrat Heini Glauser, Mann der ersten Stunde vor dem Ensi: «Zum einen halten wir das Bewusstsein wach, dass wir neben einem ständigen Gefahrenherd leben, zum anderen konnten wir zeigen, dass die Hochwasserschutzbestimmungen für das AKW starke Mängel aufweisen, was ein grosses Risiko darstellt.» Welche Wirkung erwartet Glauser künftig von der Mahnwache? «Wir erwarten, dass Beznau abgestellt wird. Wir hatten 43 Betriebsjahre lang Glück. Es wäre töricht, sich einfach auf dieses Glück zu verlassen.» Eines ist klar für die Mahnwächter: Aus 260 Stunden Einsatz werden mehr. Sie sind motivierter denn je.