Kundgebung

Ärzte sind alarmiert: «Für die Hausarztmedizin ist es fünf vor zwölf»

Ein Hausarzt untersucht eine Patientin (Symbolbild, Archivbild)

Ein Hausarzt untersucht eine Patientin (Symbolbild, Archivbild)

Heute gehen die Schweizer Hausärzte in Bern auf die Strasse. Für sie steht die Zukunft ihres Berufes auf dem Spiel. «Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir immer noch präsent sind», sagt ein Arzt.

Wenn jetzt nicht gehandelt wird, steht es bald schlecht um die Hausarztmedizin; der Hausärztemangel ist schweizweit Realität. «Alle sollen wissen, dass es für die Hausarztmedizin fünf vor zwölf ist», sagt Severin Lüscher, Schöftler Hausarzt und Mitbegründer des «HausÄrzteHaus». Gemeinsam mit anderen Aargauer Hausärzten reist er heute nach Bern, um auf dem Bundesplatz «Notfalldienst für die Hausarztmedizin» zu demonstrieren.

Auch Beat Rickenbacher, Hausarzt in Rheinfelden und Präsident des «Fricktaler Hausärztevereins», gibt sich kämpferisch: «Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir immer noch präsent sind und weiter für die Rettung einer qualitativ hoch stehenden Hausarztmedizin kämpfen werden.» Keine Illusionen über die Wirkung der Kundgebung macht sich Max-Albrecht Fischer, Hausarzt aus Seengen: «Die Politik und die Versicherungen stehen zwar offiziell hinter einer starken Hausarztmedizin, praktisch ist aber nur wenig unternommen worden, um diese wirklich zu fördern.»

Initiative rollt an

Mit der Kundgebung wollen die Hausärzte die Bevölkerung und Politik aufrütteln und für ihr Anliegen sensibilisieren. Sie ist gleichzeitig der offizielle Startschuss für die Öffentlichkeitskampagne für die Initiative «Ja zur Hausarztmedizin». Sie umfasst vier Hauptforderungen: Aus- und Weiterbildung, erleichterte Berufsausübung und Gewährleistung einer ausreichenden Grundversorgung durch Hausärzte, zweckmässige Praxis-Infrastrukturen und ein hausarztfreundliches Tarifsystem.

«Eine qualitativ ausgezeichnete, für alle zugängliche und bezahlbare medizinische Versorgung der Zukunft basiert auf einer starken Hausarztmedizin», sagt Margot Enz Kuhn, Hausärztin in Baden und im Vorstand des Berufsverbands «Hausärzte Schweiz». Max-Albrecht Fischer ist überzeugt: «Ohne eine starke Grundversorgung steigen die Kosten des Gesundheitswesens ins Unermessliche, verbunden mit einer möglichen Qualitätseinbusse.» Und Severin Lüscher formuliert es kurz und knapp: «Diese Initiative soll dafür sorgen, dass es auch in 15 Jahren noch Hausärzte gibt.»

Bedingungen sind schlechter geworden

Doch warum ist es so schwierig, Nachwuchs zu finden? Die Bedingungen seien in den letzten Jahren im Vergleich zu den Spezialdisziplinen schlechter geworden, sagt Patricia Herzog-Aslaksen, Hausärztin in Fislisbach und Präsidentin des Verbands «Aargauer Hausärzte». Und weiter: «Damit meine ich die Notfalldienste, den administrativen Aufwand, die Einschränkungen und Regulierungen bezüglich Untersuchungstechniken, den Verdienst und das Ansehen.» Margot Enz Kuhn führt einen weiteren Aspekt an: «Die Hausärzte der Zukunft sind weiblich und arbeiten Teilzeit in Gruppenpraxen.» Das erfordere neue Strategien in der Praxisführung; heute sind 95 Prozent der Hausarztpraxen Einzelpraxen.

Für Max-Albrecht Fischer liegt der Grund für den Nachwuchsmangel woanders: «Im fehlenden Einblick in die interessante und vielseitige Tätigkeit der Hausarztmedizin.»

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