König Albrecht I. von Habsburg wurde 1308 in Königsfelden ermordet. Seine Witwe, Elisabeth, stiftete am Ort des Verbrechens ein Kloster. Dieses musste belebt werden, und zwar, so wurde entschieden, von Franziskanern auf der einen und Klarissinnen auf der anderen Seite. Mönche und Nonnen wurden beauftragt, den Königsfelder Konvent zu bevölkern. Im Zuge der «Verpflanzung» wurden die ersten sechs Nonnen am 29. September 1312 in Königsfelden eingeschlossen. Darunter waren eine Guta von Bachenstein und deren Schwester Benigna. Sie alle kamen vom Kloster Söflingen bei Ulm. Söflingen war nördlich der Alpen das erste Kloster des von Klara von Assisi um 1216 gegründeten Klarissenordens und weitherum eines der reichsten Frauenklöster.

Adelige Nonnen

Erste Äbtissin in Königsfelden war Hedwig von Künzelsau, die dieses Amt schon in Söflingen inne gehabte hatte. Guta von Bachenstein wurde 1318 ihre Nachfolgerin in diesem Amt. Wie alt Guta damals war, weiss man ebenso wenig wie über das Leben, das sie und ihre Schwester geführt hatten, bevor sie den Schleier nahmen. Wie sehr viele Nonnen in den damaligen Klöstern entstammten auch sie einer adeligen Familie: Jene der Herren von Bachenstein hatte ihren Stammsitz in Döttingen bei Schwäbisch Hall und galt im 13. Jahrhundert als eine der begütertsten Familien der Region. Die Güter könnten im Verlaufe der Jahre allerdings kleiner geworden sein, was erklären würde, warum die Töchter mit Jesus und nicht weltlich verheiratet worden waren: Der Einkauf in ein Kloster kam eine Familie bedeutend billiger zu stehen als die Mitgift, die sie als Brautgabe entrichten mussten.

Kommt hinzu, dass es in jener Zeit – salopp gesagt – für Frauen «in» war, den Schleier zu nehmen. Jedenfalls stieg die Zahl der Nonnen steil an. Schuld daran waren vor allem die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner, die den Frauen ein Leben jenseits des vorbestimmten Weges als Ehefrau und Mutter anboten.

Strenge Klausur

Als Klarissinnen lebten Guta von Bachenstein und ihre Mitschwestern in strenger Klausur. Für den Kontakt nach aussen gab es vergitterte Fenster und Drehvorrichtungen, bei denen ein Sichtkontakt unmöglich war. Die Klausur verbot den Nonnen den Empfang von Gästen – weltlichen und geistlichen. Allerdings waren Ausnahmen unumgänglich. Die Abhaltung von Gottesdiensten, die Beichte und andere zentrale religiöse Vorgänge bedingten das Priesteramt, das nur von männlichen Ordensmitgliedern erlangt werden konnte. Daraus ergab sich eine wichtige Funktion der Franziskaner in Bezug auf das religiöse Leben der Klarissinnen: Die mit ihnen in Königsfelden angesiedelten Brüder waren für die Seelsorge der Nonnen zuständig.

Normalerweise hatten nur Äbtissinnen Entscheide zu tragen. Bei Guta von Bachenstein war das anders, denn da war Königin Agnes von Ungarn, Tochter der Stifterin Elisabeth, die nach deren Tod 1313 das Zepter übernommen hatte. Sie sorgte für den Wohlstand des Klosters, fällte eigenmächtig alle wichtigen Entscheide. Unter anderem legte Agnes genau fest, wann was gebetet werden musste. Dabei ging es vorwiegend darum, durch Gebete die Seelen der Habsburger zu retten.

«Privileg der Armut»

1263 – zehn Jahre nach dem Tod der heiligen Klara – hatte Papst Urban IV. neue Ordensregeln für die Klarissinnen aufgestellt und ihnen darin ein Recht auf Besitz zugesprochen. Ordensgründerin Klara hatte bis zu ihrem Tod um das «Privileg der Armut» und dessen kirchliche Anerkennung gekämpft. Papst Urban aber war der Ansicht, dass diese Regel zu streng und dadurch nicht einzuhalten sei. So war die Ausstattung der habsburgischen Stiftung mit derart kostspieligen Schätzen, wie etwa den wunderschönen und einzigartigen Fenstern im Chor der Klosterkirche, möglich geworden.

Guta von Bachenstein bewohnte als Äbtissin zwar eine etwas komfortablere Zelle, aber auch sie betete neun Stunden pro Tag. Trotz der Dominanz von Agnes, dürfte es ihr nicht langweilig gewesen sein. Denn als Äbtissin oblag ihr die gesamte Verwaltung und Aufsicht über das reiche Kloster sowie von wichtigen Infrastruktur- oder Bauarbeiten. Sie musste unter anderem darauf achten, dass für jeweils fünf Schwestern zwei Mass (Liter) Wein zum Mahle bereitstanden. Sie war für die Bekleidung der Nonnen, für die Schafe und Lämmer, die Zucht und Mast der Schweine und noch vieles mehr verantwortlich. Ihr Einfluss reichte bis in die klostereigenen Weingärten, Gärten und Waldungen, um deren Besorgung sie sich kümmern musste. Ihre wichtigste Aufgabe aber war die Kontrolle der Finanzen.

1324 wurde Guta von Bachenstein als Äbtissin von ihrer Schwester Benigna abgelöst. Nach der Chronik sind beide Schwestern in Königsfelden im selben Grab beigesetzt worden. Es ist nicht bekannt, wann und in welchem Alter sie gestorben sind.