Zurzibiet
Achteinhalb dramatische Stunden mit der Repol

Eine nächtliche Patrouille voller Action mit zwei Beamten der Regionalpolizei.

Daniela Poschmann
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Klingnau, Samstagabend, 20 Uhr: Die Ausrüstung ist gecheckt, das Fahrzeug startklar. Die Nachtschicht von Polizeichef René Lippuner und seinem Stellvertreter Daniel Salm hat begonnen. Noch bevor sich die beiden Beamten der Regionalpolizei (Repol) Zurzibiet in den Wagen setzen, kommt schon der erste Notruf. Eine junge Frau wurde bewusstlos aufgefunden: Verdacht auf häusliche Gewalt. Ein Fall, der sie noch länger in dieser Nacht beschäftigen wird.

60 Hotspots im Bezirk

Die Repol rückt mindestens drei Nächte pro Woche aus, um die Sicherheit in 24 Gemeinden zu gewährleisten. Eine schwierige Aufgabe bei 32000 Einwohnern und 60 Hotspots. Das sind Bahnhöfe, Schulgelände und andere Plätze, die als Treffpunkt bekannt sind und somit als potenzielle Gefahrenquellen gelten. Mindestens 36 von ihnen (60 Prozent) versuchen die Polizeibeamten pro Einsatz anzufahren, doch es bleibt meistens bei dem Versuch – so auch heute.

Die Frau bleibt trotz aller Bemühungen der Rettungssanitäter bewusstlos. Die Rettungsflugwacht wird alarmiert. René und Dani, wie sich die beiden Polizisten freundschaftlich nennen, fungieren dabei als Einweiser und Rettungsassistenten. Denn zum einen braucht der Helikopter einen mindestens 20 Meter breiten Landeplatz, damit die Rotoren nirgends anschlagen und zum anderen können die Sanitäter jede starke Hand gebrauchen.

Dies zeigt auch der nächste Fall, der sich keine zwei Kilometer vom ersten Einsatzort entfernt abspielt. Ein Betrunkener übersah bei der Einfahrt zur Beiz eine Mauer, flog vom Velo und landete unsanft auf dem Steinboden. Eigentlich ein Fall für die Kantonspolizei, die für Verkehrsunfälle zuständig ist. Bis diese eintrifft, übernimmt die Repol das Kommando. Sie nehmen die Personalien auf, befragen Zeugen und den Verunglückten. Dessen Antworten sind nicht immer eindeutig und sorgen für allgemeine Belustigung. Schliesslich helfen die beiden Polizisten, den Verletzten samt Trage ins Spitalauto zu hieven. Bis zum Eintreffen der Kantonspolizei ist fast alles erledigt.

22 Fälle häuslicher Gewalt

Bevor die Beamten ihre Patrouille fortsetzen, fahren sie zur Familie der ins Spital geflogenen Frau. Sie wollen Antworten auf verschiedene Fragen und sich vergewissern, dass nicht weitere Personen in Gefahr sind. Es stellt sich heraus, dass die Betroffene tatsächlich von ihrem Mann geschlagen wurde, im Beisein der Kinder. «Das ist eine Spirale», bemerkt Lippuner. «Die Kinder sehen das und denken, das sei normal. So geht es von Generation zu Generation so weiter.» Allein in diesem Jahr musste die Repol Zurzibiet bei 22 Fälle häuslicher Gewalt intervenieren.

Gegen 23 Uhr verlassen die beiden Beamten Klingnau und brechen in Richtung Döttingen auf. Daniel sitzt am Steuer, René protokolliert als Beifahrer, um die Dauer der Einsätze zu dokumentieren. Ein paar Jugendliche auf dem Schulgelände kontrollieren, nach Drogen durchsuchen und weiter geht es nach Bad Zurzach, wo das gleiche Prozedere stattfindet. Routine – nicht nur für die Polizisten. Die jungen Leute sind der Streife bekannt; das Verhältnis wirkt teilweise fast kumpelhaft. Man scherzt und bewahrt trotz aller Autorität eine lockere Atmosphäre. «Man muss immer daran denken, wie man selbst einmal war», findet Daniel Salm, der mit 31 Jahren ein junger, aber erfahrener Polizist ist.

Die Repol übernimmt

Gegen 2.30 Uhr kommt ein Alarm: Verkehrsunfall nahe Bad Zurzach. Ein Kleinbus liegt auf dem Dach am Strassenrand. Wieder ein Fall für die Kantonspolizei, doch die Repol übernimmt ihn vorerst. So geht es ans Sichern der Strasse, Bestellen des Abschleppdiensts und Entfernen des ausgelaufenen Öls. Fahrer und Beifahrer scheinen zwar unverletzt, werden aber zu einem Check und zu einer Blutentnahme ins Spital gefahren.

Danach haben Lippuner und Salm Feierabend. Es ist 4.30 Uhr: Achteinhalb Stunden haben sie assistiert, kontrolliert und dokumentiert. Sie hatten so viel zu tun, dass sie die angepeilten 36 Hotspots bei weitem nicht erreicht haben und selbst auf die mitternächtliche Pause verzichten mussten.

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