Abt Werlen
Abt Werlens Plädoyer sorgt auch bei den Kirchgängern für Diskussionen

Nach der Forderung einer offenen Kirche von Abt Werlen ist eine Kirchendebatte entbrannt: Ein Besuch in Muri zeigt, dass sich die Kirchengänger ob der Öffnung der katholischen Kirche alles andere als einig sind.

Adrian Hunziker
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Martin Werlen, Abt des Klosters Einsiedeln, hatte am Sonntag vor einer Woche mit der Forderung für eine Öffnung der katholischen Kirche für Furore gesorgt. Die Aargauer Zeitung machte den Test und fragte Kirchengänger in Muri, was sie von Abt Werlens Verbesserungsvorschlägen halten.

Der Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Goar in Muri hatte am Sonntagmorgen um 10 Uhr begonnen. Die Parkplätze, von denen es in der Umgebung einige gibt, waren fast komplett besetzt. Doch ein Blick in das Innere der Kirche genügte: Viele Plätze waren noch frei. Und das erstaunt doch ein wenig, wenn man weiss, dass am gestrigen Sonntag in Muri ein Ehejubiläums-Gottesdienst stattfand.

Die Jungen kommen nicht

Die Kirchgemeinde hatte 13 Ehepaare eingeladen, die ein stolzes Jubiläum feierten – darunter waren zehn Goldene (50 Jahre) und drei Silberne (25 Jahre). Aber nicht einmal eine solche Feier zog das Volk in die Kirche. «Die Jungen werden nur mitgeschleppt», sagte eine Jugendliche. Sie fände es gut, wenn die Kirche etwas gegen das eingerostete Image machen würde. «Wegen der altertümlichen Einstellung der Kirche kommen nur sehr wenig junge Leute freiwillig. Die Jungen wechseln eher in die Freikirchen», so die Jugendliche.

Eine Dame, die sehr kurz angebunden war, sagte nur: «Es wäre langsam Zeit für eine Öffnung.» Doch wer glaubt, alle Kirchengänger seien so liberal wie Abt Werlen , der sieht sich getäuscht. Das Ehepaar Gassmann, das mit den beiden Kindern Tobias und Martina den Gottesdienst besuchte, war sich einig, dass die katholische Kirche nicht in allen Punkten geändert werden müsse.

«Die Priester wollen den Zölibat gar nicht aufgehoben haben. Wenn sie für die Pfarrei, die Gemeinde und die Menschen zuständig sind, haben sie gar keine Zeit für Frauen», erklärt Vater Gassmann.